Reaktionen

Handball-Schiedsrichter klagen über Trainer, Betreuer und Eltern

Kassel/Waldeck. Die Zahl der Schiedsrichter im Handball sinkt, weil der Druck von außen, Pöbeleien und sogar Bedrohungen deutlich steigen. Wir haben Reaktionen gesammelt.

Peter Sauerwald (Fuldatal), komm. Schiedsrichterwart Kassel/Waldeck:

Peter Sauerwald

„Für Schiris ist das Pöbeln leider Alltag geworden. Das Benehmen von Eltern gegenüber Jungsschiedsrichtern wird immer schlimmer – da erleben wir falsch verstandenen Elternstolz. Trainer und Betreuer versuchen immer mehr Einfluss zu nehmen. Respekt schwindet, Fehler werden nicht mehr toleriert, Unsicherheit wird ausgenutzt. Jungschiedsrichter haben Spiele abgebrochen, weil sie zu sehr unter Druck gesetzt wurden. Am Montag beginnt ein Neulingslehrgang. Ein immer größerer Teil der Ausbildung umfasst die Schlagworte Psyche, Druck und Auftreten.“

Albin Schicker (Melsungen), Vorsitzender Sportgericht Melsungen/Hersfeld: 

Albin Schicker

„Wir haben seit Jahren keine Zunahme der Verfahren. 2015/16 gab es nur ein einziges, und das wurde wegen eines Formfehlers eingestellt. Es ging um eine Spielwertung, nicht um Auswüchse.“

IljoDuketis

Iljo Duketis (Vellmar/63), seit 42 Jahren Trainer und/oder Jugendleiter:  „Emotionen müssen sein, aber nach dem Spiel muss man über Fehler auf allen Seiten in Ruhe und ohne persönliche Angriffe reden und dann als Freunde auseinandergehen. Immer. Trainer, Spieler und Schiris – wir alle müssen uns wieder viel mehr als Partner und Sportfreunde verstehen. Manchmal schäme ich mich für das, was auf der Tribüne passiert, da können Eltern peinlich sein. Auch für ihre Kinder. Die Schiedsrichter haben viel mehr Mut als die Spieler, denn sie haben den größten Druck. Wir würden jedes Spiel gewinnen, wenn wir so wenig Fehler machen würden wie sie. Aber: Weil Klubs ihr Schirikontingent erfüllen müssen, werden auch Leute Spielleiter, die weniger Talent dafür haben als andere und dann überfordert sind. Das ist ein Grund, warum die Schiri-Leistungen insgesamt schwächer werden. Es geht darum, Regeln einzuhalten, aber es fehlt oft an Fingerspitzengefühl.“

Kommentare

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