Etliche Handballvereine aus dem Kreis Kassel stehen in der Ober- und Landesliga vor dem Abstieg

So schlecht wie lange nicht

Am Boden: Nach der Niederlage gegen Holzheim im Abstiegskampf glaubt beim TSV Vellmar um Danny Körber niemand mehr an den Klassenerhalt in der Handball-Oberliga. Die SVH Kassel ist bereits abgestiegen. Archivfotos: Fischer

Kassel. Wenn die Handball-Oberliga der Männer im Herbst in ihre neue Spielzeit startet, ist der Kreis Kassel ein weißer Fleck auf der Landkarte. Erstmals seit der Saison 1969/1970 wird kein Team in der Oberliga auflaufen.

Zudem stecken in der Landesliga Zwehren und Landwehrhagen mitten im Abstiegskampf, Fuldatal ist schon abgestiegen. Aber nicht nur bei den Männern sieht es nicht sonderlich rosig aus, sondern auch bei den Frauen könnte mit der HSG Zwehren/Kassel oder Eintracht Baunatal ein Team absteigen. Der nordhessische Handball steckt in der Krise. Eine Ursachenforschung.

PROBLEME IN DER JUGEND

Einer der Hauptgründe für die kriselnden Vereine ist die Nachwuchsarbeit. „Die Mannschaften werden jetzt dafür bestraft, dass sie jahrelang die Jugendarbeit vernachlässigt haben“, sagt Andreas Paul, der Vellmars Oberligateam sowie die Landesliga-Frauen des TSV trainiert. Erst jetzt würden die Teams damit anfangen, konsequenter in den Bereich zu investieren. „Bis wir die Früchte davon ernten können, wird es aber noch drei bis vier Jahre dauern“, meint Paul.

Ein Problem seien auch die Trainingszeiten. „Damit die Jugendmannschaften in den Oberligen mithalten können, müssen sie mindestens dreimal die Woche trainieren. Es gibt aber zu wenige Hallen, sodass die meisten Teams nur ein- bis zweimal trainieren könnten“, sagt SVH-Trainer Iljo Duketis. Einen weiteren Punkt nennt Hazim Prezic, Trainer der HSG Fuldatal/Wolfsanger: „In Süd- und Mittelhessen gibt es überall Jugendakademien, in Kassel nicht eine.“ Vieles habe aber auch mit den Jugendtrainern zu tun. „Es fehlt an gut ausgebildeten Übungsleitern“, findet Iljo Duketis. „Dieser Bereich muss noch weiter aufgebaut werden“, ergänzt Andreas Paul.

FEHLENDE VEREINSTREUE

Ikonen gibt es nur noch wenige im Kasseler Handballsport. „Vereinstreue Spieler sind selten geworden“, sagt Andreas Paul, der seit neun Jahren in Vellmar ist und zuvor sechs Jahre bei der SVH spielte.

Eine These, die auch Iljo Duketis bekräftigt – wenn auch nur für den männlichen Bereich. „Bei den Frauen sind die Kameradschaft und der Mannschaftsgeist viel größer. Bei Männern ist die Geduld nicht da, die wollen immer nur erfolgreich sein und wechseln sofort den Verein, wenn es mal nicht läuft.“ Im Prinzip würden die Spieler nur von A nach B gehen, erklärt auch Prezic: „Wir haben seit Jahren den gleichen Spielerstand in der Liga, und die sind satt.“

Von Max Seidenfaden

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