SELBST VERSUCHT Zu Gast bei den Volleyballern des SSC Vellmar

Schnell mal den Kopf einziehen

Fünf haben ihren Spaß, einer muss die Zähne zusammenbeißen: HNA-Redakteur Martin Scholz bei einer Annahmeübung. Im Hintergrund die Vellmarer Volleyballer Marc Löber (von links), Trainer Dierk Fooken, Mika Wiemers, Stefan Derksen und Markus Ludwig.
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Fünf haben ihren Spaß, einer muss die Zähne zusammenbeißen: HNA-Redakteur Martin Scholz bei einer Annahmeübung. Im Hintergrund die Vellmarer Volleyballer Marc Löber (von links), Trainer Dierk Fooken, Mika Wiemers, Stefan Derksen und Markus Ludwig.

In loser Reihenfolge besuchen Redakteure der HNA-Sportredaktion lokale Mannschaften beim Training und starten einen Selbstversuch. Martin Scholz war zu Gast bei den Regionalliga-Volleyballern des SSC Vellmar.

Vellmar – Das Protokoll eines Schweiß treibenden Abends.

Vor dem Training

Ich bin etwas zu früh. Man will ja nicht zu spät kommen, wenn man schon die Trainingsabläufe durcheinanderbringt. In der Vellmarer Sporthalle an der Brüder-Grimm-Straße trainiert im Moment das neu formierte Regionalliga-Team des SSC. Neuer Trainer ist Dierk Fooken. Der hat nach der Auflösung der TG Wehlheiden, Diagonalangreifer Markus Ludwig, Außenangreifer Patrick Weigel und Zuspieler Timo Breithaupt mitgebracht und die Mannschaft von Roland Löber übernommen. Ein starker Kader also. Bis auf den Gast aus der Sportredaktion. Der hat 1994 in Göttingen zum letzten Mal aktiv Volleyball gespielt. In der Bezirksoberliga. Als Zuspieler. So zumindest stelle ich mich vor. „Das kriegen wir schon hin. Ich habe mir da was überlegt“, sagt Fooken. Während seine Spieler lachen, steigt in mir der Verdacht auf, dass die ganze Sache vielleicht doch keine so gute Idee war.

Aufwärmen

In Kleingruppen. Sergej Krüger (22) und Alexander Suchford (38) bekommen mich zugewiesen. Etwas dehnen – geht gerade so – und dann einspielen mit Libero Alex. Der macht gute Miene zum schlechten Spiel, aber halt: Ich bekomme allmählich Spaß an der Sache, denn der Annahme-Spezialist ist einfach so gut, dass er jeden etwas schräg geschlagenen Ball präzise zu mir zurückbringt. Ich muss mich also kaum anstrengen. So kann es weitergehen, denke ich mir.

Drei Sätze

Geht es aber nicht. „Du bist hier fest eingeplant“, sagt Trainer Fooken in meine Richtung. Wofür wird schnell klar. Bei meiner Bewerbung hatte ich ja berichtet, dass ich mal Zuspieler war, und genau das werde ich jetzt auch wieder. Ein Sechserteam gegen vier Vellmarer, die sich der Herausforderung meines Zuspiels zu stellen haben: Markus Ludwig, der erst 16-jährige Phil Hotho, Alexander Suchford und Kapitän Marc Löber. Der ist eigentlich Zuspieler, ist aber so freundlich, für mich auf die Außenposition zu wechseln.

So weit, so gut. Also lange Bälle nach außen und kurze in die Mitte, wo Phil Hotho wartet. Ach ja, da gibt es noch Markus Ludwig. „Über Kopf, aus dem Rückraum – spiel’ ihm den Ball einfach hin – der macht das dann schon“, ist die Arbeitsanweisung von Dierk Fooken.

Okay, mache ich dann mal und tatsächlich: Irgendwie versenkt Ludwig das Meiste. Wenn ich denn den Ball ordentlich erwische. Schon nach wenigen Minuten rutscht er mir durch die Hände. „Ach, das passiert mir auch dauernd“, sagt Marc Löber. Na ja, das ist zwar freundlich, entspricht aber nicht ganz der Wahrheit. Aber es hilft nichts: der nächste Ball kommt, und ich wähle jetzt mal das schnelleZuspiel auf Hotho. Versenkt. Läuft doch, denke ich und versuche es jetzt auch mal mit dem Blocken.

Allerdings komme ich als 53-Jähriger mit meinen 1,72 Metern gerade mal über die Netzkante. Auf der gegnerischen Seite werde ich kaum wahrgenommen. Außenangreifer Stefan Derksen schlägt den Ball einfach über mich drüber. Allmählich bin ich arg am Schwitzen und bekomme den nächsten freundlichen Ratschlag von Löber: „Ach, eigentlich brauchst du gar nicht blocken, wir machen das schon.“

Ups, denke ich mir. Das darf jetzt hier aber nicht zu peinlich werden. Also volle Konzentration, mal sehen, was noch geht. Inzwischen hat mein Fünferteam die ersten beiden Sätze verloren, aber im dritten liegen wir mit 21:17 vorn. Also nochmal über Ludwig. Na endlich. Mein Zuspiel war besser, aber zur Abwehr kann ich nicht allzu viel beitragen. Wie Geschosse fliegen die Bälle an mir vorbei, und ich ertappe mich dabei, wie ich den Kopf einziehe.

Fazit des Abends

Nachdem auch der dritte Satz mit 24:26 verloren geht, trete ich den freiwilligen Rückzug an. Auf der Bank riskiere ich noch einen Blick auf das Geschehen auf dem Spielfeld. Zweimetermann Mika Wiemers gibt jetzt richtig Gas, und mir kommt der Verdacht, dass diese Regionalliga-Volleyballer hier und da mit angezogener Handbremse gespielt haben. Gegen 22 Uhr sind die zwei Stunden um. Ich habe es überstanden und nehme eine kleine Geschichte mit. Und einen ordentlichen Muskelkater für den nächsten Tag.

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