Leichtathletik Kasseler Sprinter nicht mehr im Bundeskader

Schock für Olympia-Starter Steven Müller

Im Nationaldress: Der Kasseler Sprinter Steven Müller – hier beim Start über 200 Meter bei der Weltmeisterschaft in Doha im Jahr 2019 – verliert seine Kaderförderung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband.
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Im Nationaldress: Der Kasseler Sprinter Steven Müller – hier beim Start über 200 Meter bei der Weltmeisterschaft in Doha im Jahr 2019 – verliert seine Kaderförderung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband.

„Das ist sehr enttäuschend für mich. Ich lese daraus, dass der DLV denkt, dass ich keine Leistung mehr bringe“, sagt der 200 Meter Sprinter Steven Müller. Er ist nicht mehr Teil des Bundeskaders. Eine große Enttäuschung für den Staffel-Weltmeister.

Kassel – Schock für den Olympia-Starter: 200-Meter-Sprinter Steven Müller aus Kassel ist aus dem Bundeskader geflogen. Die Nicht-Berücksichtigung im Perspektivkader ist für den 31-jährigen Staffel-Weltmeister eine große Enttäuschung. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) spricht von einer perspektivischen Entscheidung mit Blick auf die Vorbereitung für Olympia 2024 und 2028.

„Das ist sehr enttäuschend für mich. Ich lese daraus, dass der DLV denkt, dass ich keine Leistung mehr bringe“, kommentiert Steven Müller. Der DLV will mit der Kaderberufung nicht nur den neuen Olympiazyklus einläuten. Auf Nachfrage dieser Zeitung sprechen im Fall der Müller-Nicht-mehr-Berufung Chef-Bundestrainerin Annett Stein, Sprint-Bundestrainer Ronald Stein und Bundesstützpunkt-Trainer David Corell von der Einleitung eines Generationswechsels.

„Steven verfehlte 2020 leider den Kaderrichtwert“

„Wir verstehen die Enttäuschung von Steven“, erklärt das DLV-Trio. Die Kaderberufung erfolge aber jährlich auf der Basis der definierten altersbezogenen Kriterien. „Steven verfehlte 2020 leider den Kaderrichtwert (von 20,45 Sekunden über 200 Meter) um 0,26 und 2021 um 0,30 Sekunden. Bei den internationalen Meisterschaften gelang es ihm leider bisher nicht, seine Saisonleistungen im entscheidenden Wettkampf zu reproduzieren.“

Der Kasseler Sprinter verfüge auch nicht über eine „vergleichbare Wechselfähigkeit im Sinne einer Verstärkung der 4x100m Staffel“. Ziel der Perspektivkader-Berufung sei es, „eine Entwicklung in die erweiterte Weltspitze zu realisieren. Diese Prognose ist für Steven auf der Basis der Analyse seiner bisherigen Leistungsentwicklung und seiner Leistungsdarstellung nicht gegeben.“

Die vergangenen Jahre waren nicht seine besten, sagt Müller selbst

„Ja, die vergangenen zwei Jahren waren nicht die besten“, sagt Steven Müller. „Ich will keine Ausreden suchen, aber bei den Corona-Einschränkungen und aufgrund der Olympia-Verschiebung konnte ich nicht meine bestmögliche Leistung abrufen. Trotzdem bin ich Deutscher Meister, Vizemeister und Weltmeister geworden und war als einziger deutscher Einzel-Sprinter bei Olympia dabei. Ich gehöre also zu den besten Sprintern in Deutschland.“

Mit Elias Goer (21) und Milo Skupin-Alfa (22) rückten nun zwei Sprinter neu in den Perspektivkader, die zwar bislang deutlich langsamer als der Kasseler über 200 Meter waren, allerdings – weil sie jünger sind und für sie deshalb andere Richtzeiten gelten – vor allem 2020 näher an den altersgerechten geforderten Werten waren.

Trainer Otmar Velte zeigt Unveständniss

Bei Trainer Otmar Velte stößt es allerdings auf Unverständnis, dass der DLV offenbar nicht berücksichtigt, dass Steven Müller erst fünf Jahre Leistungstraining hinter sich hat und von daher ein vergleichsweise junges Wettkampfalter aufweist. Zumal auch andere Perspektivkader-Athleten schon die 30 erreicht haben. Zum anderen ärgert Velte, dass sein Schützling nicht persönlich informiert worden sei und er trotz mehrfacher Aufforderung keine schriftliche Begründung zur Aussortierung vom DLV erhalten habe.

„Wir ordnen unseren Kommunikationsprozess kritisch ein und lernen aus dieser Situation“, erklären Annett Stein, Ronald Stein und Trainer David Corell für den DLV dazu. Der Sprint-Bundestrainer habe allerdings – obwohl die Kriterien bekannt seien – auf Anfrage am 22. November 2021 ein 60-minütiges Gespräch mit Otmar Velte geführt und ihm dabei „alle Gründe zur Nichtnominierung erläutert“.

Steven Müller zeigt sich trotz allem kämpferisch: „Ich habe weiter Bock. Ich werde – das ist Fakt – auf jeden Fall bis zu Olympia 2024 in Paris weitermachen.“ (Sebastian A. Reichert)

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