HNA-Sportredakteur spielt neun 

Faszination Golf - Ein Selbstversuch auf der Anlage in Wilhelmshöhe

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Unterwegs am Loch 10: Bernd Hoffmann (von links), Vizepräsident des Golfclubs Wilhelmshöhe, Sportredakteur Robin Lipke und Klubmitglied Annett Martin laufen über das Fairway Richtung Grün. Im Hintergrund ist das Klubhaus zu sehen.   

Golf hat mit zig Vorurteilen zu kämpfen. Rentnersport, Schickimicki und so weiter. Gleichzeitig gibt es die Vermutung, dass es gar nicht so einfach ist, diesen kleinen Ball zu treffen. Ein Selbstversuch.

Wo ist der Schampus? Ein Tag im Golfclub Wilhelmshöhe sollte doch standesgemäß beginnen – oder etwa nicht? Doch es ist niemand zu sehen, der an einer Sektflöte nippt. Wer ankommt, packt seine Golftasche und marschiert los. Einer von ihnen heißt Bernd Hoffmann, Vizepräsident des Klubs. Der 61-Jährige streckt die Hand aus und sagt: „Unter Golfern sagen wir Du. Ich bin der Bernd.“ Aha. Von wegen Herr von und zu. Hallo Bernd. Gemeinsam mit Klubmitglied Annett Martin drehen wir eine Runde über die Anlage. Neun Löcher sind geplant.

Die äußeren Bedingungen passen. Blauer Himmel, Sonnenschein – nennen wir diese Verhältnisse einfach mal Bernhard-Langer-Wetter. Kapuzenpulli, Jeans und Sneaker reichen aus. „Das ist okay“, sagt Bernd Hoffmann: „Wir sind hier nicht so streng.“ Na dann.

Die Driving Range

Erst einmal einschlagen. Dafür geht es auf die Driving Range, den Übungsplatz für lange Schläge. Komplettes Neuland betrete ich nicht. Während des Studiums habe ich ein Semester in diesen Sport reingeschnuppert. Das liegt mindestens 18 Jahre zurück. Dennoch klappt es ganz gut. Zumindest treffe ich dieses kleine weiße Ding – und es fliegt. Ja, es fliegt.

Einschlagen auf der Driving Range.

Richtig rund läuft die Sache noch nicht. Der eine oder andere Querschläger ist dabei. Holprig. Aber dann. Ohne nachzudenken, schwinge ich locker durch. Zu hören ist ein leises, sanftes Klock. Von der Ballberührung bekomme ich gar nichts mit. „Das ist es. Perfekt getroffen“, sagt Annett Martin. Die 51-Jährige spielt seit zwei Jahren Golf, und sie kann sich gut daran erinnern, als es bei ihr zum ersten Mal geklockt hat. „Immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du scheinbar mühelos den Ball auf die Reise schickst.“ Um dieses Gefühl auf den Punkt zu bringen: Es ist einfach geil.

Das Übungsgrün

Bevor der erste Abschlag ansteht, wird noch schnell das kurze Spiel getestet. Das Putten. Das Einlochen. Mit dem Golfbag im Schlepptau steuere ich schnurstracks das Übungsgrün an. Prompt rufen Hoffmann und Martin. „Nein! Mit dem Trolley nicht aufs Grün.“ Oha. Das geht ja gut los. Wenigstens stelle ich mich beim Putten nicht so schusselig an. Einem passionierten Minigolfer kann selbst ein welliger Untergrund nichts anhaben. Als ein Ball hauchdünn das Loch verfehlt, fragt Hoffmann: „Kennst du den schlimmsten Satz für einen Golfer beim Putten?“ Nein, kenne ich nicht. Hoffmann: „Du darfst noch mal.“

Die Auswahl

Dann wird es ernst. Die Runde beginnt und damit das Hoffen auf das sanfte Klock. Aber mit welchem Schläger? Der Verein hat eine Tasche mit mehreren Eisen und Hölzern zusammengestellt. Eine enorme Auswahl. Für den Abschlag muss der Driver her. Logisch. Jenes Holz, mit dem die größte Weite zu schaffen ist. Auf dem Weg Richtung Grün sieht die Angelegenheit schon etwas kniffliger aus. Wie weit ist das Loch entfernt? Annett Martin hilft. Ihr Smartphone verfügt über eine App, die den Abstand zur Fahne berechnet.

Die Wahl fällt auf das Pitching Wedge, eines der kürzeren Eisen. Ich treffe den Ball nicht optimal, aber irgendwie landet er doch auf dem Grün. Fürs Putten benötige ich zwei Versuche. Ein Bogey. Nur ein Schlag über Par. Nicht übel, und ich erkenne, dass auf den Golfsport eine alte Fußball-Weisheit zutrifft: Hauptsache, das Ding ist drin.

Das Fairway

„Ist das nicht herrlich. Dieser Blick“, sagt Hoffmann. Recht hat er, der Bernd. Beim Gang über das Fairway, den Bereich zwischen Abschlag und Grün, wird der Kopf frei. „Man kann wunderbar abschalten“, ergänzt Martin. Und nebenbei schrubben wir ordentlich Meter. Puh. Sich in so ein Golfwägelchen zu setzen, kommt selbstverständlich nicht in die Tüte.

Nicht nur die Bewegung in der Natur fasziniert. Eben glückt ein Bogey, doch nur ein Loch später pflüge ich den Rasen um. Beim verzweifelten Versuch, den Ball wenigstens halbwegs Richtung Fahne zu bewegen, meldet sich plötzlich der Greenkeeper aus seinem Rasenmäher. Ich solle mehr die Hüfte einsetzen. Besten Dank.

Das Klubhaus

Zweieinhalb Stunden und sieben Löcher später sitzen wir im Klubhaus und genießen die spätsommerliche Sonne. Erschöpft, aber zufrieden. Wahnsinn, wie solch eine Runde schlaucht. Immerhin musste ich nicht ständig im Wald oder im Gestrüpp nach meinem Ball suchen. Im Gegenteil: Es gelingt ein weiteres Bogey und sogar ein Par. Darauf einen Schampus? Von wegen. Es gibt Currywurst mit Pommes und dazu ein Weizenbier. Prost.

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