SELBST VERSUCHT

So geht Handball in Corona-Zeiten: Training beim SV Kaufungen

Volontärin Jessica Sippel beim Selbstversuch im Mannschaftssport unter Corona-Bedingungen.
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Training mit Abstand und eigenem Ball bei den Handballfrauen des SV Kaufungen: Volontärin Jessica Sippel beim Selbstversuch im Mannschaftssport unter Corona-Bedingungen.

Handball geht nicht ohne Körperkontakt - oder? Unsere Volontärin Jessica Sippel hat den Selbstversuch gemacht und war zum Training bei den Handballfrauen des SV Kaufungen.

Handball ist eine der körperbetontesten Sportarten der Welt. Wer jemals Handball gespielt hat, weiß das. Der weiß, wie hart sich ein gegnerisches Knie in der Magengrube anfühlt. Der weiß, dass Handball gleichzeitig brutal und fair sein kann. Der weiß, wie sich der Schweiß der Gegenspieler auf der eigenen Haut anfühlt. Wie glitschig die Arme der Angreifer sein können, wenn man sie in der Abwehr fest macht.

Mundschutz ja, Kabinen nein

Handball lebt vom Körperkontakt. Doch wie geht es ohne? Das Coronavirus zwingt auch Sportler dazu, Abstand zu halten. Training mit Abstand heißt es auch bei den Handballfrauen des SV Kaufungen in der Lossetalhalle. Das geht vor Beginn des Trainings los: In Sportkleidung treffen sich Team und Trainer Jörg Liebergesell am Haupteingang. Umkleiden und Duschen dürfen sie derzeit nicht nutzen. Heute ist auch Vorstand Rainer Soltmann da. Als Corona-Beauftragter der Handballsparte schaut er hin und wieder, ob die Schutzbestimmungen eingehalten werden.

Gemeinsam betreten wir das Gebäude mit Mund-Nasen-Schutz, den wir im Eingangsbereich und auf den Fluren tragen müssen. In der Halle selbst können wir ihn wieder abnehmen. Desinfektionsmittel steht auch schon bereit. Außerdem benutzt jede Spielerin ihren eigenen Ball. Hallengeräte wie Turnmatten sind tabu. Das alles schreibt das Hygienekonzept vor, das die Handballabteilung vorgelegt hat.

Zehn Spieler pro Hallenhälfte sind erlaubt

Für das Training verteilen wir uns über die gesamte Fläche. „Zehn Spieler pro Hallenhälfte sind erlaubt“, erklärt Soltmann. Mit mir sind wir 13. Jegliche Spielformen sind leider verboten. Kein Spiel zum Aufwärmen. Keine Zweikampfübungen. Kein Spiel zum Abschluss des Trainings. So laufen wir uns also mit Abstand warm. Mit Abstand dehnen wir uns. Mit Abstand passen wir uns Bälle zu. Danach tippeln unsere Füße immer wieder durch die Koordinationsleiter, bevor wir aufs Tor werfen. Bei den Spielerinnen sieht das einfach aus. Ich dagegen versuche, nicht zu viel zu stolpern. Immerhin landet das Runde ab und zu im Eckigen.

Ab über die Koordinationsleiter: Was bei den Spielerinnen einfach aussieht, bringt mich das ein oder andere Mal zum Stolpern

„Das Spielerische fehlt“

Es ist viel Wert, dass das Team nun wieder gemeinsam in der Halle trainieren kann, sind sich die Spielerinnen einig. „Ich bin total froh, dass wir wieder die Möglichkeit haben“, sagt die 19-jährige Kreisläuferin Sarah Dippel. Trotzdem vermissen sie Abwehr- und Angriffsituationen, Aufwärmspiele und das gesellige Beisammensein nach dem Training, erklärt die 34-jährige Rechtsaußenspielerin Nancy Wenderoth. „Das Spielerische fehlt“, sagt auch die 21-jährige Linksaußenspielerin Kristin Eberwein. Und auch mir geht das so. Trotzdem macht es drei Jahre nach meinem letzten Handballspiel riesigen Spaß, sich mit der Mannschaft ordentlich auszupowern.

Training bedeutet derzeit eben vor allem Koordination, Ausdauer und Ballgefühl, sagt Trainer Jörg Liebergesell. „Handball geht kaum ohne Körperkontakt. Es wäre schön, wenn Trainings- und Freundschaftsspiele bald wieder möglich sind.“ Der 53-Jährige ist erst seit Saisonbeginn Trainer der Kaufunger Frauen. Spielen sehen konnte er das Team bisher noch nicht.

Liebergesell trainierte schon die Mütter mancher Spielerinnen

Liebergesell und Soltman haben vor gut 30 Jahren schon gegeneinander gespielt, erzählen die beiden in der Pause am Spielfeldrand. WVC Kassel gegen SV Kaufungen hieß es damals. Zu dieser Zeit hat Liebergesell auch die Mütter einiger der aktuellen Spielerinnen trainiert. „Heute trainiere ich die Töchter“, sagt er und schmunzelt.

Zum Abschluss würde der Trainer die Mannschaft normalerweise Handball spielen lassen. Stattdessen gibt es Tempogegenstöße. Hocken. Pfiff. Aufspringen. Sprinten. Hocken. Pfiff. Aufspringen. Sprinten. Den Muskelkater davon werde ich auch drei Tage später noch spüren.

Von Jessica Sippel

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