Unser Redakteur hat es probiert

Selbstversucht: Handschuhe gehören beim Tischtennis jetzt dazu

+
Jetzt mit Gummihandschuhen: Unser Autor Frank Ziemke säubert nach einer Trainingseinheit die Seite der Tischtennis-platte, an der er gespielt hat. 

Sporthallen öffnen wieder, erste Sportarten, erste Vereine kehren zurück in ein Training, das nun ganz neuen Vorgaben unterliegt. So auch beim Tischtennis. Unser Redakteur hat es selbst versucht.

Lohfelden – Das Duschgel ist in der Sporttasche. Und ein Handtuch. Das ist das Erste, was mir einfällt, als ich die Sporthalle betrete und auf das Verbotsschild an der Umkleide schaue. Diese Dinge gehören eben in die Tasche. Gewohnheit siegt – und ignoriert erst einmal das Wissen um gesperrte Duschen. Aber in der Tasche liegen ja auch Schläger und Bälle. Endlich wieder Tischtennis. Es ist viel Zeit vergangen seit dem letzten Training. Und wenig ist noch, wie es war. Aber immerhin geht es zurück in die Halle. Zurück in den Verein. Zu den Trainingspartnern. Den Mitspielern. Mehrzweckhalle Lohfelden. Sportliche Heimat. Wir sind gut vorbereitet worden. Günther, der Abteilungsleiter, den alle meist „Präsi“ nennen, hat uns vor der Rückkehr ein Video gesendet. Hat uns die Laufwege gezeigt: So kommt ihr rein. So kommt ihr raus. Hat vier Stunden in der Halle verbracht für dieses Video. Alles aufgebaut. Neun Tischtennisplatten. Sämtliche Umrandungen. Abstände vermessen, Markierungen geklebt. Er hat Bänke so verteilt, dass wir uns in Trainingspausen nicht zu nahe kommen. Kleine Tische aufgebaut, auf denen Reinigungsmittel stehen. Alles ist vorbereitet für das erste Training unter Corona-Regeln. Frank ist mein Teamkollege. Vierte Mannschaft, erste Kreisklasse. Frank arbeitet im Gesundheitswesen. Nun ist er unser Hygiene-Beauftragter. Er spricht von Muss-Bestimmungen und von Kann-Bestimmungen. Er erklärt die Bedeutung von Aerosolpartikeln. Dass wir deshalb keine Seiten wechseln werden, wie sonst bei Spielen üblich. Dass es zehn Minuten Pause geben wird, wenn Trainings-Duos wechseln. Dass es natürlich kein Doppel geben darf. Und im Übrigen auch kein Bier in der Halle getrunken würde. Die 18 Spieler, die heute dabei sein dürfen, bleiben trotzdem. Und es wird ein wenig wie in der Grundschule. Am Anfang steht Lesen und Schreiben. Frank verteilt Zettel. Einen mit sämtlichen Regeln in Kurzform. Einen, auf dem vor dem Start die Trainings-Paarungen dokumentiert werden müssen. Dann kann es endlich losgehen. Schläger auspacken, auf ins Training. Bald kommt von neun Tischen das Klacken der Bälle. Ein schönes Geräusch. Und noch ein schöneres Gefühl, hier stehen zu dürfen. Tischtennis spielen als weiterer kleiner Schritt in die Normalität. Auch wenn es sich eben nicht immer so anfühlt: normal. Wenn etwa der Ball in die benachbarte Box fliegt. Und sich alle kurz fragen: Was nun? Wenn dir plötzlich bewusst wird, wie oft du vor Aufschlägen reflexartig mit der Hand über die Tischoberfläche gerieben hast, was nun nicht mehr erlaubt ist. Wenn der erste Schweiß fließt und das Nachdenken beginnt, ob damit nun das Risiko wächst. Fast schon witzig wird es im ersten Trainingsspiel. Dann, wenn beide nach dem ersten Satz instinktiv die Seite wechseln wollen. Und sich erst erinnern müssen: Halt, hiergeblieben. Nach jeder beendeten Einheit kommt die Hygiene. Dann hole ich die Gummihandschuhe aus meiner Tasche. Eigentlich unglaublich. Gummihandschuhe! In der Sporttasche! Früher wäre das ein Anlass für Witze gewesen. Putzlappen und Desinfektionsmittel stellt der Verein. Jeder Spieler wäscht seine Seite des Tisches. Als der Abend zu Ende geht, schmerzt der Rücken, aber der Kopf ist frei. Mein Verein ist zurück, das erste Training unter Corona-Auflagen absolviert. Wirklich störend ist nur, verschwitzt die Halle zu verlassen. Mit ungenutztem Duschgel. Mit trockenem Handtuch. Aber da hängt nun mal dieses Verbots-Schild an der Umkleide.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.