Was war denn da los?

Kuriose Namensgleichheit: "Der Siebert ist zurück in Kassel"

Kassel. Es ist eine Nachricht, die jeden älteren Zeitungsmacher aufhorchen lässt: "Günter Siebert ist zurück in Kassel", verkündet ein Anrufer.

Siebert, die einstige Fußball-Ikone des CSC 03, der Kasseler Junge, der später auf Schalke als Mittelstürmer Deutscher Meister wurde (1958) und als jovialer Präsident von S04 auf die große Bühne kam, der zwei Jahrzehnte lang als Kneipier auf Gran Canaria bekannt war.

Siebert also ist zurückgekehrt in seine Heimat, lebt seit einigen Monaten in einem Alten- und Pflegeheim in Schauenburg. Sagt der Anrufer. Und am Nachmittag wird er auf den Tennisplätzen der SG Schauenburg vorbeischauen. Echt? Ja! Denn Siebert war noch vor sechs Jahren Vize-Europameister bei den Herren 85 und ist noch immer gut beisammen.

Wahrlich eine tolle Geschichte. Und schnell ist die Verabredung getroffen – wir sehen uns um 17 Uhr mit Kamera und Notizblock und Siebert auf den Tennisplätzen am Goldberg. Großartig!

Keine zehn Minuten aber ist der Termin schon wieder geplatzt. Wie das? Dem alten Herren ist doch nichts zugestoßen? Nein, zum Glück nicht. Aber nun hat sich herausgestellt: Dieser Günter Siebert ist nicht der Günter Siebert, der aus Kassel stammt und in Gelsenkirchen die Fußballwelt erobert hat. Dieser Günther Siebert, der da später am Nachmittag tatsächlich in Elgershausen am Tennisgelände aufkreuzt, stammt aus Mannheim. Und plötzlich werden noch mehr Unterschiede offenbar: Das „h“ im Vornamen, das Alter, denn dieser Günther ist mit 91 fünf Jahre älter als der andere, unser Günter.

Aber: Auch dieser neu zugereiste Günther Siebert ist eine charismatische, interessante und sehr fidele Person, die kurzweilig aus ihrem Leben plaudert. 1926 also in Mannheim geboren, ging es 1928 nach Köln, 1936 dann nach Melsungen, wo der Vater herkam. Dann wieder Köln und Stuttgart. „Autoschlosser habe ich gelernt, aber auch vier Jahre Jura studiert in Marburg“, berichtet Günther Siebert. Und Fußball hat er gespielt, richtig gut sogar. „Wir haben sogar gegeneinander gekickt, der Günter und ich, in so genannten Bannspielen in Kassel und Umgebung.“ Und natürlich sei er häufiger mit dem Kasseler auf Schalke verwechselt worden.

Günther Sieberts Trainer einst in Köln war kein Geringerer als Hennes Weisweiler. 1953 dann, mit 27, als Fußballer einen Vertrag beim VfB Stuttgart – „mit 100 Mark Gage pro Monat“. Er schaffte es bis in den B-Kader der Nationalmannschaft, u. a. mit Torwart Fritz Herkenrath spielte er in der deutschen Studentenauswahl. Sepp Herberger hat ihm die Prüfung zum Fußballlehrer abgenommen.

Mit 40 Jahren aber entdeckte Siebert Tennis als neue Liebe. Er holte nationale Titel bei den Senioren und EM-Medaillen, war Vorsitzender des TC Stuttgart. Und in Nordhessen hat er mit Klaus Fuhrmann, dem Weltmeister aus Witzenhausen, „einen guten Freund“. 2011 stoppte eine Oberarm-Verletzung den Sportler Günther Siebert. Dennoch können sie in Elgershausen sicher sein, dass er immer mal an den Tennisplätzen aufkreuzen wird.

Nur: Unseren Günter Siebert wird Günther Siebert wohl kaum hier treffen. Denn der lebt inzwischen an der Ostsee bei einer seiner drei Töchter.

Von Gerald Schaumburg und Wilfried Müller

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