Vor Ort: Holland gewinnt Hockey-Länderspiel der Ü 70 gegen Deutschland in Kassel

„Sind die denn schon 80?“

Voller Einsatz im Regen: Deutschland und Holland trafen bei einem Hockey-Länderspiel in der Altersklasse Ü 70 in Kassel aufeinander. Am Ende hieß es: 5:0 für die Niederlande. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Ball annehmen, schauen, dribbeln, passen. „Leute, da muss einer in die Lücke laufen – so funktioniert’s nicht“, ruft Uli Brauns zu seinen Mannschaftskameraden. Doch es fällt ihnen schwer. Bei anhaltendem Regen auf dem Hockey-Kunstrasenplatz im Sportzentrum Auepark ist Deutschland den Niederlanden unterlegen und verliert 0:5. Das Besondere: Es ist ein Länderspiel der Altersklasse Ü 70.

Klar, dass die Senioren nicht mehr so flott sprinten und so hart schlagen können wie früher. Aber die Holländer machen einiges mit spielerischer Klasse wett. Und sie sind konditionell überlegen. Bei ihnen spielen Ex-Profis, die gibt’s bei Deutschland nicht.

Es dauert nur drei Minuten, bis der deutsche Torwart Manfred Schaarschmidt zum ersten Mal hinter sich greifen muss. Nach einem einfachen Ballverlust rollt der Angriff der Holländer über Spielmacher Paul Verloob. Er spielt Jan wan Kampenhout an, der mühelos einschiebt. „Das ist ein Torwartfehler. Der schmeißt sich ja gar nicht hin“, urteilt Hans-Jürgen Fortmüller. Der 82-jährige Kasseler hat lange Zeit in der Mannschaft als Kapitän mitgemischt, ist jetzt aus Altersgründen nur noch passives Mitglied. Wer das Spiel nach Kassel geholt und es hier organisiert hat? Na klar: Er. „Es geht aber nicht um das Ergebnis. Natürlich will hier niemand gerne verlieren. Aber letztlich sollen Freundschaften gepflegt und der Spaß am Hockeysport aufrechterhalten werden“, sagt Fortmüller.

Das 0:2 lässt nicht lange auf sich warten. Dieses Mal trifft Beppi Hanusch, der später mit zwei weiteren Treffern für das deutliche Ergebnis sorgt. „Sind die denn jetzt eigentlich über 80? Sie spielen jedenfalls so“, scherzt ein Fan der Deutschen. Hans-Jürgen Fortmüller hingegen motiviert seine Jungs: „Mach denen mal Angst“, ruft er zu Außenspieler Dieter Child. „Dazu müsste ich denn Ball mal kriegen“, antwortet er und lacht. Deutschland hat nicht viel zu bestellen, verliert immer wieder im Mittelfeld Bälle, weil die Kraft für ein kontrolliertes Abspiel fehlt.

Trainer Heinrich Kruse sagt in der Halbzeitansprache nach zweimal 17,5 Minuten: „So schlecht machen wir das nicht. Die Holländer spielen alle drei Wochen zusammen, wir nur drei- oder viermal im Jahr.“ Die Spieler nicken zustimmend. „Das können wir nicht leisten“, sagt einer. Der sportlich Ehrgeiz schimmert trotzdem durch. „Das war doch Fuß, Schiri“, ruft Deutschlands Torwart Schaarschmidt vor dem Treffer zum 0:3 von Verloob empört. Deutschlands Kapitän Michael Wormsbächer sagt beim Auslaufen: „Es ist toll, dass wir in unserem Alter noch klasse Hockey spielen – egal wie das Ergebnis ausfällt.“ Sein Pendant im orangefarbenen Trikot John Elffers schließt sich an. „Das ist für uns der Höhepunkt des Jahres. Wir spielen seit Jahrzehnten gegeneinander. Die Geselligkeit im Anschluss ist ist dabei genauso wichtig.“

Von Florian Künemund

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