Der Söhrewalder Siegfried Schweda erinnert sich an seine ersten Boxkämpfe beim 1. ABC Wilhelmshöhe

Mit Sohlen aus Fahrradreifen

Blättern in Erinnerungen: Siegfried Schweda (links) und sein Freund Siegfried Richter. Foto: Fritschlerr

SÖHREWALD. Das Bild mit den Boxveteranen, die sich beim Verbandstag des hessischen Amateurboxverbandes im Februar 1971 im Kasseler Parkhotel „Hessenland“ eingefunden hatten, machte ihn aufmerksam. Siegfried Schweda hatte selbst einmal geboxt, auf dem Bild kannte er alle. Schweda: „Aber ich musste früh aufhören, weil der Beruf Vorrang hatte“.

Nach einer Bäckerlehre hatte Schweda auf Schlosser umgesattelt, arbeitete für die damalige Schmidt’sche Heißdampf als Schweißfachmann und war viel auf Montage unterwegs. „Da konnte ich nicht mehr regelmäßig trainieren“, sagt Schweda. Den Kontakt zu den Kameraden von damals hatte Schweda aber nie verloren, heute leben allerdings nur noch wenige.

Der heute 85-Jährige wohnt in Eiterhagen, seit kurzem in betreutem Wohnen. „Allein ging es nicht mehr“, sagt Siegfried Richter, der sich um Schweda kümmert. Der 66-Jährige und Schweda hatten sich im Schützenverein in Eiterhagen vor über 30 Jahren kennengelernt und angefreundet.

Nur ein Paar Handschuhe

Die Liste mit seinen Boxkämpfen, die Schweda selbst geführt hat, existiert noch. Angefangen am 12. Dezember 1947, beendet im November 1952 nach etwas über 50 Kämpfen. „Danach musste ich mich um mein berufliches Fortkommen kümmern“, sagt Schweda. Der kann sich gut an die Anfänge erinnern. Im Training sei man als erstes von der Schulstraße in Wilhelmshöhe zum Schloss und wieder zurück gelaufen. Dann ging es gegen den Sandsack oder den Sparringspartner. „Das Problem war, das wir anfangs nur ein Paar Box-Handschuhe hatten“, erzählt Schweda. „Wenn dann der letzte dran kam, konnte er schon Wasser rausschütten.“

Mit der Sport-Bekleidung war es ähnlich knapp. Eine Bekannte hatte Schweda aus einem Mantelfutter eine Hose genäht. „Als ich mich dann bückte, riss die Hose und ich hatte hinten Freiluft“, erinnert sich der 85-Jährige. „Und bei den ersten Schuhen hatten wir die Sohlen aus Fahrradreifen gefertigt, wenn die schlecht genagelt waren, konnte man sich an den Nägeln ganz ordentlich verletzen.“

Erstes Trikot 1949

Das erste richtige Vereinstrikot hatte die Staffel des 1. ABC Wilhelmshöhe 1949 vom Verein zu Weihnachten bekommen. Schweda hatte erst bei der SV Harleshausen geboxt, wechselte dann zum 1. ABC, das wird auch in seinem Start-Ausweis, der noch existiert, belegt.

Sollte einmal auswärts geboxt werden, dann war man auf Gönner angewiesen, die ein Auto zur Verfügung stellten. „Einmal fuhren wir im offenen Lkw nach Eschwege, der hatte vorher Kohlen transportiert“, sagt Schweda. „Da kamen wir dann pechschwarz in Eschwege an.“

Die besten Boxer der früheren amerikanischen Besatzungszone wurden nach US-Vorbild mit den „Goldenen Handschuhen“ ausgezeichnet. Am 23. Februar 1949 boxte Schweda im Frankfurter Palmengarten im Fliegengewicht gegen den Bischofsheimer Holfoth um diese Auszeichnung, und gewann. Die Ehrung nahm der damals schon legendäre Präsident Schorsche Dietrich vor. Die Auszeichnung schlummert heute in einem kleinen Kästchen in der Schublade des Nachtschränkchens von „Siggi“ Schweda.

Von Peter Fritschler

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