Vor Ort beim Schneeturnier 

Spannen, zielen und treffen: Schneeturnier der Bogenschützen in der Karlsaue

+
Freude über Treffer: Wilfried Völker aus Borken hat in der Karlsaue mit seinem Pfeil eine der Tier-Attrappen getroffen. 

Kassel. Trotz Minusgraden streiften 180 Bogenschützen aus ganz Deutschland am Samstag beim achten Schneeturnier des Feldbogenvereins Kassel-Helsa durch die Karlsaue.

Samstagmorgen, kurz vor zehn Uhr, Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt: Eine kleine Schneedecke hat sich auf der Kasseler Karlsaue niedergelassen – ein herrlich winterlicher Anblick. Abdrücke von Schuhsohlen zieren den weißen Boden und lassen vermuten, dass es einige bereits hier her verschlagen hat. Spaziergänger sind heute aber in der Unterzahl. Es sind kleine Menschengruppen, die gewissermaßen durch die Aue schleichen. Sie sind scheinbar auf der Jagd – bewaffnet mit Pfeil und Bogen. Auf den Spuren von Robin Hood? Gewiss nicht. Das achte Schneeturnier des Feldbogenvereins Kassel-Helsa hat wieder einmal zahlreiche Teilnehmer auf den Plan gerufen.

Etwa 180 sind es diesmal. Ein besonderer Parcours mit Seltenheitswert und augenscheinlich beliebt bei Schützen aus dem gesamten Bundesgebiet. „Anfragen erhalten wir teilweise schon im November. Dieses Jahr sind wir überbucht“, sagt Rainer Schroth, Vorsitzender des Ausrichters. Er und seine Kollegen sind schon einige Stunden auf den Beinen. Die Tier-Attrappen, auf die die Schützen zielen, stellen sich ja nicht von alleine auf. Insgesamt 28 Schießstände sind in der Aue verteilt.

An einer davon steht Dennis Henke. Er kommt aus Niedersachsen und schießt für den Schützenverein Garstedt-Wulfsen. Seine Bewegungsabläufe sind immer dieselben. Er positioniert sich, zückt einen Pfeil, spannt die Sehne seines Bogens, visiert das Ziel an und schickt den Pfeil auf die Reise. Das Ziel ist die sogenannte Killzone. „Konzentration und Geduld sind beim Feldbogenschießen gefragt“, sagt Schroth und fügt hinzu, dass der Schütze alles um sich herum ausblenden muss.

Moschusochse war das Highlight 

Eines der wohl ausgefallensten Ziele beim Schneeturnier ist der Moschusochse. „Die dreiteilige Attrappe wiegt 180 Kilogramm“, garantiert Schroth. Auf jenen Moschusochsen zielt soeben Wilfried Völker. Er ist dem Feldbogenschießen eher zufällig verfallen. Eigentlich ist er ja ein leidenschaftlicher Läufer. „Ich hatte einmal einen Bogen in den Händen und von da an war das Kind im Manne geweckt“, erinnert sich der 63 Jahre alte Mann aus Borken. Seit nunmehr zehn Jahren schießt er. Und er kommt gerne in die Aue. Der Wettkampfgedanke steht für Völker und eine Vielzahl anderer Teilnehmer eher im Hintergrund. „Es ist die Atmosphäre, die dieses Turnier so besonders macht“, sagt er.

Volle Konzentration: Dennis Henke vom SV Garstedt visiert sein Ziel genau an.

Etwa 35 Meter von ihm entfernt steht der Moschusochse. Vier Pfeile stecken bereits in der Attrappe aus Hartschaum. Nun ist Völker an der Reihe. Er wirkt fokussiert und stellt sich an die Markierung. Sein Blick wandert zur Zielscheibe. Aus seinem Lederköcher schnappt er sich einen Pfeil – dann geht es ganz schnell. Ohne Mühe – so wirkt es zumindest – spannt er die Bogensehne und nur Sekunden später lässt er sie schon wieder los. Er verfehlt die Killzone knapp. An der guten Laune ändert das aber nichts. „Man lernt durch das Bogenschießen, locker und entspannt zu sein und vergisst auch schnell den Alltag. Man kommt runter und kann die freie Natur in vollen Zügen genießen“, sagt der Borkener.

Völker hat es jetzt eilig. Er hat noch einige Stationen vor sich. Es warten Gänse, Hirsche, Hasen, Wölfe, Bären und sogar Dinosaurier. Gemeinsam mit seinen Kollegen schlendert er durch das Gestrüpp der Karlsaue – die Ziele immer im Blick.

Von Raphael Wieloch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.