„Es ist an der Zeit, zu gehen“

Weltklasse-Sprinterin Pamela Dutkiewicz-Emmerich beendet ihre Karriere

Baunataler Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz-Emmerich
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Start in ein neues Leben: Die Baunataler Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz-Emmerich zieht sich aus dem Leistungssport zurück.

Nun beginnt ein neues Leben: Kurz vor ihrem 30. Geburtstag gab die Baunataler Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz-Emmerich ihren Rückzug aus dem Leistungssport bekannt.

Baunatal - Das sagte die Spitzensportlerin am Dienstag gegenüber der HNA. Wir sprachen mit der Hürdenläuferin vom TV Wattenscheid über einige der wichtigsten Punkte in ihrem (Sportler-)Leben:

Die Entscheidung: Es war ein schleichender Prozess. Dutkiewicz-Emmerich wurde in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen ausgebremst. In diesem Jahr sagte sie zunächst die Hallensaison und später auch die Freiluftsaison sowie die Olympiateilnahme ab. „Der Rücktritt war eigentlich erst für 2022 geplant, weil ich bei der EM meine Silbermedaille aus dem Jahr 2018 verteidigen wollte“, sagt die Wahl-Bochumerin über die vorgezogene Entscheidung. Die Frage nach einer gewissen Traurigkeit, die mit dem Abschied von ihrem bisherigen Leben einhergeht, beanwortet sie eher gelassen: „Natürlich gibt es auch einen traurigen Anteil, aber der Sport hat mir so viel gegeben. Davon kann man einiges mitnehmen, wenn man mal an Durchhaltevermögen, Zielfokussierung und Resilienz denkt. Insgesamt war ich privilegiert, meine Leidenschaft im Beruf ausleben zu können. Es ist jetzt an der Zeit, zu gehen“, sagt Dutkiewicz-Emmerich über ein Bauchgefühl, das zuletzt immer stärker wurde.

Pamela Dutkiewicz-Emmerich nahm an Olympia teil

Die Erfolge: „Das, was am Ende um den Hals hängt.“ So spricht die gebürtige Baunatalerin über Medaillen. Davon gab es reichlich. Auf nationaler Ebene im Hürdensprint oder mit der Staffel war sie seit 2013 Dauergast auf den Siegerpodesten. Aber da war mehr: „Ich konnte als Sprinterin in der Welt mitreden, und ich war kein One-Hit-Wonder“, sagt Dutkiewicz, die nicht nur Olympiateilnehmerin war, sondern auch Bronze bei der WM 2017 holte. Aus dieser Zeit stammt auch ihre Bestzeit von 12,61 Sekunden über 100 Meter Hürden. Ein Jahr später folgte dann EM-Silber in Berlin. Sie war auf ihrem Leistungszenit angekommen und ein Aushängeschild der Leichtathletik. Eine Muskelverletzung zwang sie 2019 zum WM-Aus.

Die Trainer: Wenn Dutkiewicz-Emmerich über Erfolge spricht, denkt sie auch an ihre Zeit bei der LG Baunatal/Fuldabrück zurück: „Siegfried Henning und Michael Birkelbach habe ich viel zu verdanken.“ Bereits als 16-Jährige wechselte die Sprinterin dann zum TV Wattenscheid zu ihrem langjährigen Trainer Slawomir Filipowski und im März zu Rüdiger Harksen. „Ein früherer Wechsel wäre vielleicht besser gewesen. Ganz allmählich hatte ich gemerkt, dass ich neue Impulse brauche. Ich bin eine Gefühlsläuferin, und Rüdiger Harksen hat das sehr gut erkannt. Mein Rücktritt hat nichts mit den Trainern zu tun, mein Körper hat einfach genug mitgemacht.“

Dutkiewicz-Emmerich lebt heute in Bochum

Das Private: Dutkiewicz-Emmerich lebt in Bochum zusammen mit ihrem Mann Maik Emmerich. Als gebürtige Nordhessin hat sie den Physiotherapeuten im vergangenen November in Kassel geheiratet. „Ich kann mir nun erstmals ganz andere Gedanken machen. So konnte ich es mir als Leistungssportlerin nicht vorstellen, Mutter zu sein. Jetzt ist es Zeit für neue Wege.“

Die Zukunft: Nein, Spieleshows wie „Catch“ bei Sat1 stehen nicht mehr auf der Agenda von Dutkiewicz-Emmerich. Aber auch das Thema Grundschullehramt ist in den Hintergrund gerückt: „Ich habe den Bachelor-Abschluss, aber ich werde mich jetzt wohl anders orientieren“, sagt die 29-Jährige, die bereits eine Trainerlizenz erworben hat und aktuell in Köln eine Ausbildung zur Systemischen Beraterin absolviert. Erst aber kommt am Monatsende der 30. Geburtstag: „Ich muss nicht unbedingt das Krönchen aufhaben, aber ich werde mal sehen, was passiert“, sagt sie. (Martin Scholz)

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