Zweitligist meistern Premiere auf neuen Bahnen

Vor Ort bei den Kasseler Sportkeglern: Historisches am Einheitstag

Mann gegen Mann: Kassels Andre Macorlig (links) und Nordhorns Gregor Geerdes.
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Mann gegen Mann: Kassels Andre Macorlig (links) und Nordhorns Gregor Geerdes.

Nach ihrem Umzug in den Hessischen Hof nach Waldau bestritten die Sportkegler der KSG Kassel ihren ersten Wettkampf auf neuen Bahnen. Wir waren vor Ort.

Kassel – Als Schiedsrichter Egon Bader vom KSV Baunatal um kurz vor 13 Uhr die beiden Zweitliga-Teams zur Mannschaftsvorstellung auf die Bahnen bittet, ist die Mund-Nasen-Maske im Gesicht des Unparteiischen nicht das einzige Ungewohnte. Es ist vielmehr für die Sportkegler der gastgebenden KSG Kassel der erste Heimkampf nach dem Abschied aus dem Kegelzentrum Auepark, wo die Nordhessen über mehrere Jahrzehnte ihre sportliche Heimat hatten – bis zu diesem Frühling.

Kurios: Der letzte Liga-Gegner in alter Umgebung ist nun auch der erste im Hessischen Hof in Waldau. Genauso wie im Februar endet das Duell gegen die Kegelfreunde (KF) aus Nordhorn mit einem 3:0-Sieg der Kasseler. Aber dazu später mehr.

Die Begrüßung: Erst mal steht Egon Bader im Fokus. Denn er hat sich zum Tag der Einheit etwas Besonderes einfallen lassen und erinnert vor der Begrüßung daran, dass Kassel nach der Grenzöffnung „auf einmal in der Mitte Deutschlands lag“. Dass sich damals auch im Kegelsport neue Freundschaften entwickelt haben.

Die Ausgangslage: Vor 30 Jahren trat die KSG noch als Windstärke 10 an und war Erstligist. Mittlerweile sind die Kasseler eine Klasse tiefer beheimatet und haben vor allem ein Ziel: den frühzeitigen Klassenerhalt. Wer sich im Kegeln ein bisschen auskennt, der weiß, dass den Heimkämpfen mehr Bedeutung zukommt als in jeder anderen Sportart. Da dem Gastgeber die Besonderheiten der eigenen Bahnen besser bekannt sind, geht es zumeist immer nur um eine Frage: 3:0-Sieg oder 2:1-Teilerfolg? Ein Punktverlust kommt dabei fast einer Niederlage gleich.

Die Kugeln werden desinfiziert: Uwe Schlitzberger (links) und Manfred Rhode.

Die Anlage: Doch nach dem Wechsel nach Waldau muss sich die KSG erst einmal selbst zurechtfinden – statt Kunststoff- geht es nun auf Holzbahnen um Punkte. „Die Anlage ist viel anspruchsvoller als im Auepark, jede Gasse ist etwas anders anzuspielen“, betont Manfred Rhode, mit 58 Jahren einer der erfahrenen im Kasseler Team.

Der Wettkampfbeginn: Bevor es ernst wird, muss aber erst einmal auf Bahn 2 gewischt werden. Die getroffenen Kegel rutschen nach Einschätzung des Schiedsrichters noch zu viel, nachdem sie mit Gleitmittel eingerieben worden sind. Als die Anlage dann für den Wettkampf freigegeben ist, fallen auf Bahn 3 alle Neune. Ein historischer Moment: Es ist der erste Volltreffer in einem Bundesliga-Wettkampf nach dem Umzug. Dass dieser Erfolg mit Gregor Geerdes einem Nordhorner gelingt – nur eine Randnotiz. Nebenan lässt Kassels Andre Macorlig direkt zwei Neunen folgen.

Die Gäste rechnen sich durchaus etwas aus. „Wir haben uns vorab über die Berichte in der Kasseler Presse informiert. Die Ergebnisse scheinen etwas niedriger zu sein. Und da wir auch selbst auf Holzbahnen kegeln, hoffen wir, dass uns die Anlage etwas entgegenkommt“, erklärt der verletzte KF-Kapitän Markus Reinker, der mit seiner Mannschaft schon häufiger in Kassel war als die Nordhorner Bundesliga-Handballer bei der MT Melsungen in der Rothenbach-Halle. Reinker bedauert das Aus für die Bahnen im Auepark: „Für jeden Kegler ist es schöner, wenn er auf einer richtigen Sportanlage antreten kann.“

Die Stimmung: Im Kegelzentrum wären an diesem Tag etwa 25 Zuschauer gewesen. So viele passen in Waldau nicht hinein – und dürfen es zu Coronazeiten auch gar nicht. Es gibt hinter den vier Bahnen zwei kleine Räume – pro Zimmer sind nur maximal zehn Personen zugelassen, die Mannschaften eingerechnet. Damit sich die Beteiligten nicht zu nah kommen, nutzt Kassel die eine, Nordhorn die andere Hälfte. Die typischen „Holz“-Rufe nach Volltreffern sind auf beiden Seiten zu hören.

Es wird darauf geachtet, dass die eine Mannschaft nur mit den grünen, die andere nur mit den roten Kugeln wirft – auch wenn diese nach jedem Abschnitt desinfiziert werden. Einige nutzen ihre eigenen Kugeln – wie Kassels Sebastian Klöpfel und Nordhorns Julian Geerdes. So schießt immer mal wieder auch etwas Orangenes und Neongrünes mit Muster übers Holz.

Der Ausgang: Nach mehr als drei Stunden gewinnt die KSG ungefährdet 3:0 (51:27/4753:5306). „Man merkt schon, dass sich nicht so gute Kegler bei uns schwer tun“, bilanziert Kapitän Uwe Schlitzberger die Premiere, „aber gegen stärkere Klubs kann es bei solchen Ergebnissen für uns hier eng werden.“

KSG: Dirk Westmeier 812 Holz, Manfred Rhode 804, Uwe Schlitzberger, Andre Macorlig 790, Sebastian Klöpfel 785, Frank Weitzel 759 (Björn Mahr)

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