Sportkreis Kassel feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag

Ein Beispiel an Kontinuität

Abschied nach 26 Jahren: Hans Bechmann, seit 1962 Vorsitzender des Sportkreises Kassel, wird 1988 vom damaligen Oberbürgermeister Hans Eichel mit dem Wappenring der Stadt Kassel geehrt.
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Abschied nach 26 Jahren: Hans Bechmann, seit 1962 Vorsitzender des Sportkreises Kassel, wird 1988 vom damaligen Oberbürgermeister Hans Eichel mit dem Wappenring der Stadt Kassel geehrt.

Der Landessportbund Hessen feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag – und damit auch der Sportkreis Kassel. Kontinuität ist sicher eines der positiven Merkmale des ursprünglichen und später erweiterten Sportkreises Kassel. Und das besonders im Hinblick auf die Vorsitzenden, denn von 1946 bis heute gab es nur deren fünf.

Angefangen hat für den Sportkreis Kassel alles im Juli 1946 im Gildehaus (siehe Hintergrund), da wurde Fritz Bechmann zum ersten Sportkreisvorsitzenden gewählt. In jungen Jahren selbst aktiver Schwimmer, half er 1919 die Wassersport-Vereinigung Cassel zu gründen. Als nach Beendigung des zweiten Weltkrieges die ersten zaghaften Schritte in ein neues Kasseler Sportleben gemacht wurden, war Bechmann dabei.

Nicht umsonst war er prädestiniert für das Amt des Sportkreisvorsitzenden. Fast unzählig waren seine Ämter, die er ausfüllte, unter anderem war in der Sportkommission der Stadt Kassel. Deren Einrichtung auf seine Initiative zurückging. Fritz Bechmann starb am 22. November 1961 und hatte sich, so stand es im Nachruf des Landesportbundes, „mit seiner Arbeit selber ein Denkmal gesetzt“.

Der Sportkreisvorsitz blieb in der Familie, denn ab Februar 1962 stand Fritz Bechmanns jüngerer Bruder Hans an der Spitze. Der kam wie Fritz von der WVC, war dort über Jahrzehnte der „Motor“. Bechmann war Schwimmer, Leichtathlet und Handball-Torwart, bei seiner Wahl zum Sportkreisvorsitzenden Hauptsportwart der WVC, später über 30 Jahre deren Vorsitzender. An der Spitze des Sportkreises stand der AOK-Direktor bis zum Mai 1988 also 26 Jahre.

Nachfolger von Bechmann war der Kasseler Rechtsanwalt Gerd-Michael Brach, der das Amt im Mai 1988 übernahm. Auch wenn bei den Wahlen im Frühjahr 1988 ein „Newcomer“ an die Spitze kam und mit der Baunatalerin Ursula Harms erstmals eine Frau einen Stellvertretersitz erreichte, sollte dies keinen Richtungswechsel im Sportkreisvorstand bezüglich der Zusammenarbeit mit den Vereinen bedeuten.

In Richtung der Zentrale des Landessportbundes war Brach aber nicht gewillt, alle Entscheidungen zu akzeptieren. Unter anderem hatte er mehrfach eine Strukturreform gefordert und die Verteilung der Gelder an die Verbände kritisiert. Zum Knall kam es im September 1999. Die auf dem Sportbundtag beschlossene Beitragserhöhung für Vereinsabgaben an den LSB wollte Brach nicht mittragen und auch nicht mitverantworten, und trat zurück. „Vize“ Ursula Harms kündigte an, ihr Amt auf dem nächsten Kreistag zur Verfügung zu stellen. Kommissarisch übernahm bis zum nächsten Sportkreistag der Vellmarer Roland Tölle die Führung.

Im Mai 2000 wurde der damals 56-jährige Heiko Jaeschke vom KSV Auedamm gewählt, Stellvertreter blieb Roland Tölle. Erster Auftrag an das Gremium war seinerzeit die Verständigung mit den Sportkreisen Hofgeismar und Wolfhagen über eine Strukturreform. Sollte heißen, einen Zusammenschluss zum Sportkreis Region Kassel. Das war auch Wunsch und Auftrag des LSB Hessen.

Roland Tölle vom OSC Vellmar übernahm das Ruder im Juli 2003 und hält es heute noch. Tölle sah und sieht den Sportkreisvorstand als regionales Bindeglied zum LSB in Frankfurt und als Servicestation und Dienstleister der Vereine. Wichtiger Punkt in Sachen Auftrag an den Sportkreisvorstand war auch 2003 noch die bereits eingeforderte Strukturreform.

Es dauerte bis 2009, ehe Wolfhagen mitmachte und bis 2012, ehe Hofgeismar auch dazukam. Seitdem hat der Sportkreis Region Kassel an die 131 000 Mitglieder aus rund 470 Vereinen. Tölle will, wenn es gewünscht würde, noch eine Amtszeit dranhängen. Dann wäre 2024 für den Vellmarer Schluss und Tölle hätte dem Sportkreis Kassel bzw. Region Kassel insgesamt 21 Jahre vorgestanden. Wenn das keine Kontinuität ist.

Wegen der Coronalage wird es keine Feierlichkeiten zum Jubiläum geben, diese werden eventuell nachgeholt.

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