Interview zu der Lage der Vereine

Sportkreisvorsitzender Roland Tölle: „Der Sport liegt am Boden“

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Leerer Fußballplatz: Sportkreisvorsitzender Roland Tölle steht am Vellmarer Stadion am Schwimmplatz, das – wie derzeit alle Sportstätten – aufgrund der Corona-Pandemie gesperrt ist. 

Das Coronavirus hat das gesellschaftliche Leben in diesen Tagen verändert – und den Sport komplett ausgebremst. Sportstätten sind gesperrt, gemeinsames Training mit mehreren Personen verboten. Darunter leiden selbstverständlich die Vereine. Wir haben mit dem Sportkreisvorsitzenden Roland Tölle über die Krise der Vereine und mögliche Hilfen gesprochen.

Herr Tölle, wie viele hilfesuchende Vereine haben sich zuletzt beim Sportkreis gemeldet?

Das hielt sich in Grenzen. Es gab Rückfragen von Vereinen in der Phase, bevor die Sportstätten geschlossen wurden. Sie fragten, wie sie sich verhalten sollen. Wir und der Landessportbund haben dann später auch empfohlen, die Sportstätten zu schließen.

Wie war die Reaktion der Vereine auf die drastischen Verbote?

Im Hinblick auf die vielen Hiobsbotschaften wie aus Italien war die Akzeptanz sehr hoch. Es gab keinen, der Stress gemacht hat. Die Sportfamilie zieht bei der Eindämmung des Coronavirus voll mit.

Wie stark sind die Sportvereine von der Corona-Krise betroffen?

Die schönste Nebensache der Welt, wie der Sport ja genannt wird, liegt am Boden. Wenn man etwas Positives daraus ziehen will, wird allen jetzt klar, wie wichtig der Sport für die Menschen ist. Der Gesundheits- und Präventionssport ist da nur ein Beispiel.

Was können Vereine jetzt machen?

Es wird von ihnen verlangt, kreativer zu werden. Manche Vereine wie der TSV Immenhausen und der KSV Baunatal bieten beispielsweise auf Youtube Übungen an. Allerdings kann so etwas die reguläre Pilates-Übungseinheit in der Gemeinschaft nicht ersetzen – gerade für ältere Menschen. Es bricht wirklich einiges zusammen derzeit. Aber um wieder einen positiven Punkt zu finden: Vielleicht überlegt sich der ein oder andere, nach der Corona-Krise ein Ehrenamt zu übernehmen. Wir sehen ja jetzt, dass viele die Zeit haben sich zu engagieren – und für ältere Menschen einkaufen.

Es ist eine schwere Zeit – auch für den Sport.

Das ist richtig. Wir sind handlungsunfähig. Ich finde die Vorgabe des Kontaktverbots richtig, aber es führt zu einer ausgesprochen schwierigen Situation für den Sport. Mein größtes Bedenken ist, dass wir nicht abschätzen können, wie lange diese Ungewissheit anhält.

Wie kann der Kreis- und Landessportbund seine Vereine und Mitglieder unterstützen?

Wir und der Landessportbund sind mit dem hessischen Ministerium für Inneres und Sport in Gesprächen. Es geht darum, in welcher Art und Weise Unterstützung für Sportvereine möglich ist. Zwar ist der Schaden noch schwer zu definieren, aber die Unterstützung und Förderung bis an die Basis ist notwendig. Der Sport ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Es muss etwas getan werden, damit dieser Baustein nicht wegbricht.

Gibt es weitere Hilfestellungen?

Ja, auf der Homepage des Landessportbundes beantwortet der Vizepräsident Dr. Frank Weller, der Rechtsanwalt ist, rechtliche Fragen für Vereine und Mitglieder.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass Vereine finanzielle Probleme bekommen?

Die Vereine haben vertragliche Pflichten. Sie sind auch Arbeitgeber, haben Übungsleiter und Stellen für den Freiwilligen Sozialen Dienst. Hinzu kommen die Kosten für Mieten, Darlehensverpflichtungen und den Erhalt eigener Sportstätten. Bei den Einnahmen fallen Eintrittsgelder weg. Umso wichtiger sind die Mitgliedsbeiträge, über die sich Vereine zum überwiegenden Teil finanzieren.

Wie hoch könnte der Schaden sein?

Ich schätze, dass der Schaden für den hessischen Sport in die Millionen Euro geht. Ich rede hier nicht vom Profi-, sondern vom kleinen Sport. Ein ganz großes Problem könnte es auch im Sponsoring für die nahe Zukunft geben. Gerade die kleinen Unternehmen haben derzeit ganz andere Sorgen, als Vereine zu sponsern.

Was wünschen Sie sich von den Mitgliedern?

Mein großer Wunsch ist, dass sich die Mitglieder solidarisch zeigen. Auch wenn die Vereinsbindung längst nicht mehr so groß ist wie früher. Die Mitglieder sollten nicht aus den Vereinen austreten, damit, wenn es weitergeht, das Angebot sofort wieder bereitgestellt werden kann.

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