„Bezeichne mich nicht als Favorit“

Springreiter Lars Nieberg über seine Beziehung zu Spangenberg und seine Siegchancen

Tritt gerne beim Internationalen Reitturnier in Spangenberg an: Springreiter Lars Nieberg, hier zu sehen mit dem Wallach Levito. Foto: dpa

Spangenberg. Springreiter Lars Nieberg zählt beim Reitturnier in Spangenberg Jahr für Jahr zu den Publikumslieblingen und startet am Sonntag beim Großen Preis.

Zwar wohnt der 52-Jährige mittlerweile nicht mehr in Hessen, nach Spangenberg zu kommen ist für ihn aber ein Muss. Im Interview spricht Nieberg über seine Ambitionen beim diesjährigen Turnier - und das, während er mit seinem Pferd auf dem Abreitplatz unterwegs ist.

Herr Nieberg, wissen Sie noch, wann sie zum ersten und einzigen Mal den Großen Preis in Spangenberg gewonnen haben?

Nieberg: Nein, genau kann ich das nicht sagen. Ich würde aber schätzen, dass das so zehn bis zwölf Jahre her ist.

Das ist richtig. 2003 haben Sie das Turnier für sich entschieden. Woran liegt es aber, dass sie seitdem kein zweites Mal gewonnen haben?

Nieberg: Da waren in der Vergangenheit immer andere Reiter besser, ganz einfach. Aber es ist nicht so, dass ich deswegen unzufrieden bin. Da spielen eben viele Faktoren eine Rolle. Mal ist der Reiter nicht fit, dann hat man gerade nicht das beste Pferd zur Verfügung. Was für die Zuschauer aber nicht immer ersichtlich ist, ist die Tatsache, dass man gar nicht gewinnen muss, um zufrieden zu sein. Ein dritter oder vierter Platz mit einem jungen Pferd ist beispielsweise auch ein super Ergebnis.

Sie waren in diesem Jahr bereits bei Turnieren in Peking, Schanghai und Abu Dhabi. Welche Größenordnung hat dann noch ein Springreiten im eher beschaulichen Spangenberg?

Nieberg: Ich habe mehr als 20 Jahre in Hessen gelebt, daher habe ich auch noch immer eine besondere Verbindung mit Spangenberg. Außerdem ist das Turnier für die Region eine echte Größe. Aus diesen Gründen hat das Turnier für mich eine besondere Bedeutung. Solange es zeitlich passt und man mich dort sehen will, komme ich sehr gern nach Spangenberg.

Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation beim Kampf um den Großen Preis ein?

Nieberg: Ich kann die Konkurrenz schlecht einschätzen, da auch die Tagesform immer ein Stück weit entscheidend ist. Daher ist es schwer, eine Prognose zu geben. Mit Reitern wie Meredith Michaels-Beerbaum und Jos Lansink ist das Turnier qualitativ gut besetzt. Hinzu kommen noch einige Reiter, die in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden, aber top in Form sind und die Favoriten ärgern können.

Reisen Sie zu dem Turnier mit ihren besten Pferden an?

Nieberg: Leider geht das nicht. Nabab de Revel und Leonie sind verletzt und können nicht teilnehmen. Ich habe vier Pferde mitgebracht, Cavallora, Gianna, Priamos und Foster, die auch alle ihre Einsatzzeiten bekommen sollen. Ein bisschen schade ist es aber schon. In Spangenberg möchte ich mich gut präsentieren, daher wäre ich gern mit meinen besten Pferden angetreten.

Sehen Sie sich in Spangenberg als Favorit? Immerhin haben sie in Schanghai in diesem Jahr schon einen Großen Preis für sich entschieden.

Nieberg: Nein. Meine Pferde hatten bislang viel Verletzungspech, von daher lief das Jahr sportlich alles andere als gut. Ich würde sagen, dass ich zwar keine schlechten Chancen habe, aber als Favorit würde ich mich auch nicht bezeichnen.

Vor zwei Jahren haben Sie in einem HNA-Interview gesagt, dass Sie noch bis 2016 im Reitsport aktiv sein wollen. Heißt das jetzt, dass Sie eines ihrer letzten Turniere in Spangenberg bestreiten?

Nieberg: Ich sage es mal so: In Spangenberg bin ich schon mehr als 20-mal geritten, ganz so viele Auftritte werden nicht mehr hinzukommen. Ob ich jetzt noch ein, zwei oder drei Jahre reite, weiß ich aber noch nicht. Das kommt auch darauf an, welche Pferde mir zur Verfügung stehen. Wenn ich das Gefühl habe, es ist Zeit aufzuhören, werde ich mich vom internationalen Sport verabschieden. Privat werde ich dann aber trotzdem noch reiten und mich um meine beiden Söhne kümmern, die ebenfalls im Reitsport aktiv sind.

Zur Person: Lars Nieberg (52) wurde am 24. Juli 1963 in Wittingen, einer Stadt im Landkreis Gifhorn in Niedersachen, geboren. Er ist verheiratet mit seiner Frau Gitta, einer ehemaligen erfolgreichen Reiterin. Zusammen hat das Ehepaar zwei Söhne, die ebenfalls im Reitsport aktiv sind. Nieberg ritt erstmals als Sechsjähriger auf dem elterlichen Hof. 1980 begann er eine Lehre beim späteren Bundestrainer Herbert Meyer, danach bei Paul Schockemöhle. Von 1994 bis 2013 leitete er das Gut Wäldershausen in Homberg/Ohm. Seit April 2013 ist Nieberg Betriebsleiter auf Gut Berl im Münsterland.

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