Deutsche Meisterschaft im Orientierungslauf im Kaufunger Wald

Konzentriert im Wald: Oliver Leimbach vom Skiclub Helsa. Fotos: Streuff

Großalmerode. 800 Starter aus der gesamten Republik, aus Spanien, Finnland, Tschechien und Russland. Sportler, die weder Matsch noch Nässe scheuen.

Großalmerode, das für ein Wochenende zum Mekka einer Sportart wird, die viel mehr ist als nur eine Schnitzeljagd durchs Gelände. Vor Ort bei der Deutschen Meisterschaft im Orientierungslauf im Kaufunger Wald, die der OSC Kassel und der SC Helsa gemeinsam ausrichten.

Die Anfahrt 

Es geht weder vor noch zurück. Stau. Der Fahrer eines Wohnwagens weigert sich, auf dem schmalen Waldweg weiterzufahren. Links reihen sich zig Autos mit Kennzeichen aus Berlin, München, Brandenburg und Meißen aneinander wie Perlen auf einer Kette. Rechts beginnt der Wald. „Wir finden schon eine Lösung“, sagt Marvin Vock vom SC Helsa, der als Parkwächter aushilft. Ein paar Minuten später parkt auch der Wohnwagen am Weg, der hinauf zum Wanderparkplatz Bilstein führt. Auch dort wird’s am Samstagmittag eng. „Das liegt in der Natur der Sache. Wir wollen ja in den Wald. Da ist klar, dass wir kein Parkhaus in der Innenstadt nutzen können“, sagt Gerrit Krause aus Hahn. Er schnürt noch schnell den rechten Schuh. Schließt das Auto ab. Macht sich auf zur Zielwiese – auf der Abkürzung durch den Wald.

Kurz Vor dem Wettkampf 

Ein Taubenschlag ist nichts gegen die Zielwiese. In den 20 Zelten schläft niemand. Sie sind Rückzugsort, Umkleidekabine, Regenschutz für die Teilnehmer. Orientierungslauf ist ein Familiensport. Die Jüngsten sind sechs Jahre alt, die ältesten 80. Alle stehen irgendwann vor ihren Läufen vor dem Aushang. „Neuer Schafspferch im Wettkampfgelände. Zaun führt Strom und darf nicht gequert werden. Disqualifikation“, lesen sie dort. Studieren die Startlisten. „Sie werden nach den Bundesranglistenpunkten gesetzt. Der Beste startet als Letzter“, erklärt Silke Blumenstein, Wettkampfleiterin vom OSC Kassel.

Im Wald

Gäbe es die weiß-roten Fähnchen und kleinen Hinweisschilder nicht, bräuchten die Teilnehmer schon eine Karte, um den Start überhaupt zu finden. Er liegt im Wald. Irgendwo mittendrin. Auch dort: Stau. Läuferstau. Die Startzone ist in Minuten-Abschnitte unterteilt. Noch vier Minuten. Helfer erfragen den Namen. Noch zwei Minuten. Die Chips werden gelöscht. Die Postenbeschreibungen am Handgelenk befestigt. Noch eine Minute. Sekunden vor dem Start Griff in die Kiste mit der Orientierungslaufkarte. Kein Läufer kennt das Gelände, keiner die Karten. Die werden von den Veranstaltern gehütet wie ein Bankgeheimnis. Gestartet wird im Abstand von zwei Minuten.

Los geht’s auf die Bahnen. So nennen die Orientierungsläufer ihre Strecken. Die sind zwischen 1,5 und 5,8 Kilometer lang. Eckpunkte sind Bäume, Gräben, Wurzeln, Hochsitze und die Posten, in denen die Chips eingesteckt werden müssen. Es geht über Wege, durch Hochwald und Gebüsche. Die Läufer suchen sich anhand der Karte und ihres Leistungsvermögens den schnellsten Weg.

Nur ein Knacken oder Schnaufen im Dickicht verrät: Achtung, Läufer kommt. An Posten 112 stoppt ein Trio. Die sechsjährige Jana ist mit Mama und Schwester Anna unterwegs. Ivana Knaup hat sich den fünf Monate alten Säugling um den Bauch gebunden. Im Hintergrund sprintet Oliver Leimbach vom SC Helsa vorbei. Petrus kennt keine Gnade. Platzregen, Sonne, Hagel wechseln sich ab.

Je schwieriger die Bedingungen, desto mehr Schmutz droht, desto mehr scheinen die Läufer in ihrem Element. „Es gibt viel Gestrüpp. Manche Ecken waren sumpfig. Schuhe und Socken sind klitschnass. Aber es ist einfach grandios“, sagt der 17-Jährige, der in die 11. Klasse des Goethegymnasiums geht und am Ende Rang 21 bei den Herren 18 belegt. „An einigen Ecken sind wir auf allen Vieren die Steigungen hinauf“, ergänzt später Sabine Rothaug. Die 20-Jährige vom OSC Kassel belegt in der Eliteklasse Rang zwei. Ein anderer Sport, so ergänzt sie, sei für sie nicht vorstellbar. „Einfach nur laufen, das ist mir viel zu langweilig.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.