Kasseler Sportplätze: Wehlheider Anlage trägt unergründlichen Namen

Die Sülze und der Morast

Trugen in den 50ern zum Erfolg des Kasseler SV bei: Die Brüder (von links) Dieter, Wolfgang und Werner Mentel. Archivfoto: regiowiki

Kassel. Er ist womöglich der unscheinbarste Sportplatz der Stadt. Es gibt keine Funktionsgebäude, keine Bande. Aber der Platz in Wehlheiden neben Buchenau-Kampfbahn und Justizvollzuganstalt trägt den wohl originellsten Namen: Sülze.

Was machte den Platz aus?

Eine offizielle Bezeichnung gab es nie. Warum der Sportplatz seinen Namen trägt, scheint nicht zu erhellen. Am plausibelsten klingt eine mehrfach geäußerte Vermutung: Der Ausdruck Sülze sei gebräuchlich gewesen für einen Sportplatz mit schlechtem Rasen. Häufig verwandelte sich der Platz nach Regenfällen in ein Morastloch. Das ursprüngliche Spielfeld wies vom Nordrand nach Süden hin ein starkes Gefälle auf. Besonders am unteren Tor auf der Seite zur Buchenau-Kampfbahn hin sammelte sich das Wasser. Längst wurde das Feld um 90 Grad gedreht, heute wird in West-Ost-Richtung gespielt. Sie waren hier zuhause

Die Sülze diente den Fußballern des Kasseler SV, VfB Süsterfeld sowie dem SSV 1951 Kassel als Heimat. Mehrmals wurde sie nach der Eröffnung der Buchenau-Kampfbahn als Ausweichquartier für die Wehlheider Kirmes genutzt.

Das blieb in Erinnerung

In den Bombentrichtern auf dem Gelände spielten Kinder früher Eishockey. Dies endete mit dem Bau des Sportplatzes, aber es gab ein dickes Trostpflaster. „Für Schulkinder war das paradiesisch. Immer wurde hier Fußball gespielt“, sagt Adolf Klug, der selbst auf der Sülze und auch für den Kasseler SV kickte. Unvergessen ist zudem der damalige Platzwart. „Er hieß Kunze, seinen Vornamen kannte niemand. Genannt wurde er Eppenhoff, nach dem früheren Nationalspieler und Bundesligatrainer“, erinnert sich Rolf Hermann, ebenfalls einst Spieler des Kasseler SV. Es war ein gewohntes Bild in Wehlheiden, wie „Eppenhoff“ mehrmals pro Woche mit dem Kreidewägelchen, die Bälle obendrauf, von seiner Wohnung an der Kohlenstraße über die Friedensstraße zur Sülze zog.

Sie hinterließen Spuren

Nachhaltigen Eindruck hinterließen auf der Sülze Dieter, Werner und Wolfgang Mentel vom Kasseler SV. Weil es nicht oft passierte, dass drei Brüder gemeinsam in einer Mannschaft spielten, und besonders wegen ihrer Leistungen. Mit Manfred und Lothar Rohmeis stand zudem noch ein Brüderpaar in der erfolgreichen Elf der 50er-Jahre.

Von Wolfgang Bauscher

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