Zwischen Abitur, Impfzentrum und Leistungssport

Surfer Spangenberg muss seinen Traum von Hawaii verschieben

In seinem Element: Windsurfer Nick Spangenberg aus Landwehrhagen.
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In seinem Element: Windsurfer Nick Spangenberg aus Landwehrhagen.

Es ist der Traum eines jeden Windsurfers: Einmal vor Hawaii mit dem Brett aufs Wasser. Dieses Ziel hat auch Nick Spangenberg.

Kassel - Der Surfer aus Landwehrhagen wollte sich eigentlich nach seinem Abitur ein Jahr Auszeit nehmen. Sein Ziel: die Insel im Pazifik. Aber die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Es musste ein Plan B her.

Für den 18-Jährigen sind es aufregende Tage. Spangenberg ist mittendrin in den Abiturvorbereitungen – ab dem 22. April stehen für den Schüler des Kasseler Goethe-Gymnasiums die Prüfungen in seinen Leistungskursen Sport und Englisch sowie im Fach Religion an. Außerdem arbeitet er im Impfzentrum in Calden. Und dann steckt er ja auch noch in den Vorbereitungen auf die Saison, in der er, wenn es corona-bedingt möglich ist, auch wieder bei Weltcups starten will. Wie bekommt er das alles unter einen Hut? „Es ist etwas stressig, aber es geht schon. Ich habe früh mit Lernen angefangen“, sagt Spangenberg.

Im Caldener Impfzentrum wird er am Counter eingesetzt und übernimmt Verwaltungsaufgaben. Er weist den Leuten den Weg durch das Zentrum, nimmt die Krankenkassenkarten entgegen und erledigt Papierkram. „Es macht Spaß, wenn ich den Menschen helfen kann“, sagt Spangenberg. „Die Leute sind dankbar und freuen sich, dass sie ihre Impfung bekommen.“

Nicht so einfach ist für ihn die Vorbereitung auf die kommende Saison. Das ist nicht neu. Schließlich wohnen die meisten seiner Konkurrenten direkt am Wasser. Surfer wie Spangenberg, die keinen direkten Meerzugang haben, sind die Ausnahme. Immerhin trainiert der 18-Jährige ab und zu auf dem Singliser See bei Borken. Ansonsten bereitet er sich mit Fahrradfahren und Krafttraining auf die Wettkämpfe vor.

Dass Spangenberg in seinem Sport kein Unbekannter mehr ist, zeigt folgende Tatsache: Das Surf-Magazin – größte und bekannteste Zeitschrift der Sportart – veröffentlichte vor Kurzem ein Interview über vier Seiten mit ihm. Kein Wunder, denn der 18-Jährige hat auch schon internationale Erfolge vorzuweisen: Er wurde 2019 Vize-Europameister in der U21-Altersklasse und gewann zweimal die Offenen Dänischen Meisterschaften. Die HNA-Leser wählten ihn zum besten Talent der Region 2019.

Wenn er das Abitur erst einmal hinter sich hat, rückt das Surfen noch mehr in den Fokus. Nachdem der Hawaii-Traum zunächst auf Eis liegt, geht es für ihn weiter mit Plan B. „Ich will erst einmal das Surfer-Leben und die Freiheit genießen“, sagt Spangenberg. Seine nächsten Ziele sind die Teilnahme an Junioren-Weltcups wie auf Gran Canaria und nationalen Wettkämpfen wie in Kellenhusen und St. Peter Ording sowie der Deutschen Meisterschaft auf Sylt.

Wenn es die Pandemie zulässt, will Spangenberg zudem mit seiner Freundin nach Dänemark fahren und dort viel surfen, um sich weiterzuentwickeln. „An tollen Spots mit sehr guten Bedingungen lernt man am meisten“, sagt er. Sein langfristiges Ziel ist es schließlich, sich irgendwann mit den besten Profisurfern im Herren-Weltcup zu messen. „Dafür muss ich viel trainieren und auch noch mehr Tricks stehen“, sagt Spangenberg.

Und was ist mit Hawaii? „Ich habe mir gedacht, wenn es jetzt nicht geht, dann studiere ich erst einmal“, sagt der 18-Jährige. Am liebsten würde er im Herbst mit dem Lehramtsstudium in den Fächern Sport und Englisch in Kassel beginnen – und das später in Kiel fortsetzen. Na klar, auch bei diesem Plan spielt das Surfen eine entscheidende Rolle. Denn seinen Sport will Spangenberg neben dem Studium so professionell wie möglich weiter ausüben. „Und dann kann ich nach dem Studium immer noch nach Hawaii.“ Die Erfüllung des Traums ist also nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. (Manuel Kopp)

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