Portrait: Kasseler Tischtennisspieler David Gallina peilt mit der SVH den Aufstieg an

Taktiker mit Ballgefühl

In Erwartung des nächsten Ballwechsels: Der Kasseler David Gallina liegt mit der SVH derzeit in der Oberliga auf Aufstiegskurs. Foto: Kostudis

Kassel. David Gallina verzieht das Gesicht und flucht. Eben hat der 28-jährige Kasseler einen Ball mit der Kante seines Tischtennisschlägers getroffen, die knapp drei Gramm schwere Zellulidkugel fliegt fast bis unter das Hallendach. Gallina ärgert sich, vollführt die Bewegung mit dem Schläger noch einmal, und noch einmal. Beim nächsten Ballwechsel läuft es dann besser.

Drei- bis viermal pro Woche trainiert Gallina in der Sporthalle Harleshausen mit seinen Mannschaftskameraden der SVH Kassel. Aktuell treffen sich die Tischtennisspieler des Oberligisten nicht so häufig – die Hinrunde ist beendet, die nächsten Spiele stehen erst im neuen Jahr an. Die Kasseler belegen nach zehn Spieltagen hinter der TG Obertshausen den zweiten Tabellenplatz und liegen damit auf Relegationskurs zur Regionalliga.

„Zu Beginn der Saison haben wir es uns fast versaut“, sagt der 28-Jährige. Zum Auftakt hatte die SVH zweimal verloren. Dann aber startete die Mannschaft eine beeindruckende Siegesserie. An der hatte vor allem Gallina großen Anteil. Der Kasseler steht nach der Hinrunde bei einer Bilanz von 16 Einzelsiegen bei nur zwei Niederlagen.

Als Kind spielte Gallina zunächst Fußball und Tennis. Im Alter von elf Jahren nahm ihn ein damaliger Freund mit zum Tischtennis-Training. „Ich bin dann einfach bei dem Sport hängengeblieben“, sagt der 28-Jährige. Bald meldete er sich beim TSV Röhrenfurth an, wechselte dann zum TSV Besse. Nach einigen Jahren erkannten die Trainer des ESV Jahn Kassel sein Talent und lotsten Gallina nach Harleshausen. Der Verein fusionierte dann mit der SVH.

Sich selbst charakterisiert der 28-Jährige, der derzeit an der Universität Kassel in Physik promoviert, eher als taktischen Spieler. „Ich profitiere viel von meinem Ballgefühl. Körperliche Fitness und Schlagkraft sind sicherlich nicht meine großen Stärken“, sagt er schmunzelnd. Dass er derzeit dennoch die meisten Gegner alt aussehen lässt, erklärt sich Gallina so: „Ich warte meist ab und studiere den Gegner. Dann stelle ich mich auf sein Spiel ein. Und das klappt derzeit ganz gut.“

Wichtig für Tischtennisspieler sei vor allem eine gute Hand-Augen-Koordination, erklärt der Kasseler. „Du musst während schneller Ballwechsel in Bruchteilen von Sekunden entscheiden. Allein mit Kondition oder Schlagkraft kommst du da nicht weit.“

Gallina, der früher die schwedische Tischtennislegende Jan-Ove Waldner für ihr Ballgefühl bewunderte, spielt seinen Schläger bereits seit 16 Jahren. Allerdings wechselt er bis zu zweimal im Monat den Belag der Holzkelle. „Monatlich gebe ich dafür etwa 80 Euro aus.“ Die alten Beläge gibt er – je nach Zustand – an Jugendspieler im Verein weiter.

Ab Januar kämpft er mit der SVH wieder um den Aufstieg in die Regionalliga. „Es ist ein realistisches Ziel. Mit unserer Truppe können wir dort oben definitiv mithalten.“

Von Anton Kostudis

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