Meisterschaften im Kletterzentrum: Wie Tarzan im Affenzirkus

Kasseler Vertreterin im Finale: Marleen Eysel mischte im Damenfinale lange richtig gut mit. In der zweiten Finalrunde waren allerdings zwei Konkurrentinnen schneller als sie, sodass die Lokalmatadorin am Ende Dritte wurde. Alle Fotos: Fischer

Kassel. Am späten Samstagnachmittag kurz vor 18 Uhr wummerm Techno-Bässe aus dem Haus an der Lilienthalstraße 23. Im sonst dunklen und verlassenen Industriepark ist nichts mehr los.

Heiß her geht es nur im Kletterzentrum Vertical World, wo gerade die Finalwettkämpfe der Bouldermeisterschaft „Rock & Jump“ stattfinden.

Vertikale Welt – der Name ist Programm. Schon aus dem Eingangsbereich kann man die 18 Meter hohe Decke bestaunen, die Wände sind gespickt mit bunten Griffen und Haken. Die laute Musik, die Stimmen vieler Besucher und die aufgeregte Stimme von Geschäftsführer Götz Wiechmann, der den Moderator gibt, schallen aus dem obersten Stock bis nach unten. Über drei Treppen führt der Weg nach ganz oben.

Volles Haus: Gespannt verfolgen die Zuschauer, von denen viele an der Qualifikation teilgenommen haben, die Finalrunde.

„Wir brauchen mehr Nebel“, ruft Wiechmann über das Mikrofon seinen Helfern zu. Neben der Gesamtorganisation kümmert er sich heute um die Moderation und heizt damit die Stimmung an. Mehr als 300 Zuschauer drängen sich im engen „Affenzirkus“, so nennen die Kasseler Kletterer den Bereich im obersten Stock. Es ist heiß, der Geruch von Magnesiumpulver und etwas Schweiß liegt in der Luft.

Je sechs Damen und Herren haben sich für die Finalrunde qualifiziert, nach jedem der drei Finalboulder (Boulder = Englisch für Felsbrocken, hier im Sinne von Kletterproblem) fliegen die zwei Letzten raus. Der Modus nennt sich „Shoot-Out“ und ist eine Besonderheit bei „Rock & Jump“. Gerwertet wird die Anzahl der Versuche, die ein Boulderer zum Erklimmen benötigt. Herrscht hier Gleichstand, zählt die Zeit.

Knalleng: So müssen die Kletterschuhe geschnürt werden.

Obwohl jeder Starter nur vier Minuten Zeit hat, um einen Boulder zu bezwingen, kommt in der Regel keine Hektik auf. Bevor es losgeht, wird die zu lösende Kletteraufgabe gemeinschaftlich besprochen. Beim Wettkampf selbst dürfen sich die Konkurrenten nicht beobachten. Während manche Kletterer sich kraftvoll und mit Schwung von Griff zu Griff hangeln, schmiegen sich andere eng an die Wand und beeindrucken mit schier unglaublicher Körperspannung. Jeder noch so ungünstige Winkel, jede Kante wird zum Festhalten genutzt, denn: Auf Seile oder sonstige Sicherungen wird beim Bouldern verzichtet.

Marleen Eysel aus Kassel wird, vom Publikum lautstark unterstützt, Dritte. Die 18-jährige Hamburgerin Malena Schulz gewinnt das Damenfinale. „Ich gehe immer auf Nummer sicher, deswegen sieht es etwas statisch aus“, erklärt sie ihre Herangehensweise. Der Sieger der Herren, Felix Leuoth, erklärt: „Ein ruhiger Kopf ist bei diesem Wettkampf absolut notwendig.“

Als Leuoth den letzten Boulder 40 Sekunden vor Ablauf der Zeit meistert, flippt der Affenzirkus aus. Auch Wiechmann ist völlig fertig: „Wie geil ist das“, schallt es ein letztes Mal durch das Kletterzentrum.

• Ergebnisse Damen: 1. Malena Schulz (Hamburg) 2. Kyra Kaase (Bielefeld) 3. Marleen Eysel (Kassel). Herren: 1. Felix Leuoth (Hannover) 2. Stefan Hochbaum (Bielefeld) 3. Max Prinz (Hannover) ... 6. Jakob Schäfer (Kassel).

Von Gregory Dauber

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