„Gesamtpaket hat mich überzeugt“

Tom Samson ist neuer Chef-Videoanalyst beim FC Carl Zeiss Jena

An seiner neuen Wirkungsstätte: Tom Samson arbeitet nun für den FC Carl Zeiss Jena.
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An seiner neuen Wirkungsstätte: Tom Samson arbeitet nun für den FC Carl Zeiss Jena.

Obwohl nach dieser Fußball-Saison wieder etliche Jungs aus der Region in die Nachwuchsabteilungen von Profiklubs gehen, betrifft der wohl größte Wechsel-Coup dieses Mal ein Trainer-Talent. Tom Samson hört als Verantwortlicher für die Hessenliga-U15 beim KSV Baunatal auf und fängt als Chef-Videoanalyst beim FC Carl Zeiss Jena an. Im Interview spricht der 25-Jährige über seinen neuen Job und die Faszination der Video-Analyse.

Herr Samson, nach dem Studium fangen Sie gleich hauptberuflich bei einem Traditionsverein als Leiter der Spiel- und Videoanalyse an – ist für Sie ein Traum wahr geworden?

Ja, klar. Mein Ziel war es immer, im bezahlten Fußball mein Geld zu verdienen. Es gibt nichts Schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen und sich tagtäglich mit den Dingen auseinanderzusetzen, für die man alles geben möchte.

Wie ist der FC Carl Zeiss auf Sie gekommen?

Wir haben im August 2019 und im Februar 2020 zwei Testspiele gegen die Jenaer C-Junioren gemacht, die damals Dritter in der höchsten U15-Spielklasse waren, und haben sie, glaube ich, als einziges Team zweimal geschlagen (4:2, 6:4). Das hat offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen. Jena hat dann bei mir angefragt. Nach dem dritten Treffen haben wir alles fix gemacht. Das Gesamtpaket hat mich total überzeugt – sowohl strukturell als perspektivisch.

Was werden Ihre Aufgaben in Jena sein?

Eine der Hauptaufgaben wird es sein, Video-Analysen für das eigene Spiel zu erstellen. Dabei werden nicht 24 Spieler eine halbe Stunde lang in einer Sitzung sich eine Spielanalyse ansehen, sondern der Schwerpunkt meiner Arbeit wird im gruppen- und individualtaktischen Bereich liegen. Durch diese nahe Bindung wollen wir jeden Spieler detailliert voranbringen und bestmöglich ausbilden.

Sie werden für alle Teams zuständig sein. Auch für die erste Mannschaft, die aus der dritten Liga absteigt. Inwiefern passt dieser Abstieg mit einem Ausbau der Video-Analyse zusammen?

Nach dem Abstieg und auch einigen Führungswechseln – Tobias Werner ist neuer Sportdirektor, Dirk Kunert wurde als Trainer verpflichtet – soll es das Ziel sein, wieder möglichst viele Spieler aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft zu integrieren. Deshalb wollen wir versuchen, die Jugendspieler bestmöglich auszubilden. Da ist die Video-Analyse Teil eines großen Ganzen.

Sie haben auch schon als Jugendtrainer beim KSV Baunatal die Video-Analyse genutzt. Wie kam es dazu, dass das ein wichtiger Teil Ihrer Tätigkeit geworden ist?

Bei meinem ersten Trainerschein – bei der B-Lizenz – war ich in Bezug auf Spiel- und Video-Analyse Kursbester, ohne dass ich mich damit vorher groß auseinandergesetzt hatte. Sehr viel mitgenommen habe ich dann bei einem Praktikum in der Rückrunde 2018/19 in der Abteilung der Video-Analyse beim FSV Mainz 05.

Was macht für Sie den Reiz an der Video-Analyse im Fußball aus?

Man kann sehr ins Detail gehen, entdeckt immer noch Neues und kann mithelfen, den Spieler zu seiner eigenen Best-Performance zu bringen. Zu merken, Spieler auf ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen, gibt mir persönlich dabei auch am meisten.

War Ihnen das auch schon wichtig, als Sie als 18-Jähriger die F-Jugend beim KSV Baunatal übernommen haben?

Ja, schon. Wobei es anfangs eine Jux-Idee unseres U19-Trainers war. Ich habe dann aber auch schnell gemerkt, dass ich durch meine Trainertätigkeit selbst ein besserer Spieler geworden bin. Man nimmt das Spiel bewusster wahr. Und das zeichnet auch einen guten Fußballer aus – dass er auf dem Platz bewusst handelt.

Welchen Anteil hat der KSV Baunatal daran, dass Sie Ihr Ziel – ein Job im bezahlten Fußball – erreicht haben?

Ich habe viel Kraft und Energie in die Trainertätigkeit gesteckt, aber natürlich hat der KSV Baunatal einen großen Anteil an meiner Entwicklung. Dafür bin ich dem Verein auch sehr dankbar. Neben dem KSV Hessen ist der KSV Baunatal in Nordhessen das Aushängeschild – allein schon aufgrund der Bedingungen, die der Verein im Nachwuchsbereich bietet.

Von Sebastian A. Reichert

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