Zehn Jahre bei einem Verein – Ausnahme oder Regel?

Wie treu sind die Fußballer? Eine Umfrage bei heimischen Vereinen

Er bleibt seinem Verein treu: Maurice Kraft, Torwart bei Eintracht Baunatal. Foto: Fischer

Kassel. Die Brüder Banas spielen seit mehr als zehn Jahren beim Kreisoberligisten SV Nordshausen Fußball. So lange bei einem Verein – ist das die Ausnahme? Wir haben uns umgehört.

VERBANDSLIGA

• SG Schauenburg: Solch vereinstreue Spieler wie die Banas-Brüder seien in der heutigen Zeit „eher selten“, sagt Trainer Jurek Förster (45). „Viele versuchen es bei höherklassigen Vereinen und wollen sich da weiterentwickeln. Das ist auch legitim.“ Das bedeutet: Die Spieler sind risikofreudiger als früher und stehen einer neuen Herausforderung offener gegenüber. Die Treuen gibt es aber auch in Schauenburg noch – wie Benedikt Lecke, der länger als ein Jahrzehnt bei der SG aktiv ist.

GRUPPENLIGA

• SG Calden/Meimbressen: Trainer Jens Alter (46) kann eine allgemeine Wechselwilligkeit und abnehmende Vereinstreue bestätigen. Seiner Meinung nach hat das zwei Gründe: „Bei vielen ist die sportliche Perspektive anderswo besser. Wenn die Spieler dann wechseln, habe ich Verständnis. Manche gehen aber für 2,50 Euro mehr. Das kann ich nicht verstehen.“ In Calden/Meimbressen gäbe es eine gesunde Mischung: Einige wie Stefan Dürrbaum (31) sind schon immer da, andere wie Thomas Schindewolf und Sascha Knoll kehrten nach einem Abstecher zum höherklassigeren Fußball zurück, andere sind erst kurz da. Dauerbrenner Dürrbaum sagt: „Die Tendenz ist, dass einige eher ihr Glück woanders suchen. Aber ich wollte immer bei meinem Verein bleiben bleiben.“

• Eintracht Baunatal: Die Häufigkeit der Wechsel ist laut Stefan Morawek eine Frage der Spielklasse. „Je höher, desto schwieriger ist es, die Leute zu halten“, vermutet der Abteilungsleiter. Rund zwei Drittel des eigenen Kaders kennen sich seit Bambini-Zeiten. „Wir sind glücklich, über eine gewachsene Mannschaft zu verfügen. Das ist Trainer Manfred Katluhn zuzuschreiben, der schon damals mit den Jungs arbeitete“, sagt Morawek. Einer jener Jungs ist Maurice Kraft (23). „Für mich steht der Spaß im Vordergrund. Den habe ich hier. Wir haben viel zusammen erlebt und machen viel zusammen“, betont der Schlussmann. Ein Weggang war nie Thema: „Ich müsste erstmal einen Verein finden, bei dem ich mich so wohl fühle. Außerdem“, fügt er scherzhaft hinzu, „wüsste ich gar nicht, ob die mich aufstellen“.

KREISOBERLIGA

• TSV Oberzwehren: Im sechsten Jahr ist Florian Rebel (29) beim TSV. Er gehört damit schon fast zu den Dienstältesten.

Florian Rebel

Rebel, auch Spielertrainer, glaubt, dass die Zahl derer abnehmen wird, die über Jahre bei einem Klub spielen. Der Grund: das liebe Geld. „Wir erleben das ja ständig, dass Spieler sich bei uns anbieten und sagen: Für die Summe x komme ich“, sagt Rebel, der die Entwicklung bedenklich findet. Denn: „Fußball sollte immer noch ein Hobby sein. Ich kann nicht verstehen, dass Spieler für 50 Euro mehr 50 Kilometer weiter fahren.“

Immerhin: Ein paar Spieler sind mindestens drei Jahre beim TSV, wo bei Siegen nur ein bisschen Geld in die Mannschaftskasse fließt. Positives Beispiel: Kapitän David Huy kommt aus der eigenen Jugend.

• SG Ahnatal: Seit der Fusion von SVW Ahnatal und FTSV Heckershausen habe die Fluktuation abgenommen, erklärt Pressesprecher Nils Hartmann. „Natürlich gehen immer noch einige Wenige weg, die auf das Geld aus sind. Aber wir stellen die Gemeinschaft über das Geld und fahren gut damit.“

Stefan Bürger

Rund 90 Prozent der Mannschaft entstammt der eigenen Jugend. So wie Stefan Bürger (30), der seit 25 Jahren hier spielt. „Ich hätte mal zum OSC Vellmar gehen können. Aber die innere Bereitschaft hat mir gefehlt, den erhöhten Aufwand zu betreiben.“, sagt er. „Und außerdem geht es ja auch um die Verbundenheit zu den Freunden und den Älteren hier im Klub.“ Einen Trend zu mehr Wechselfreudigkeit erkennt Bürger nicht: „Das war schon immer so.“

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