15 Jahre bei internationalen Wettkämpfen dabei

Trial-Radsportler Wolfgang Wenzel beendet Karriere: „Langeweile kommt nicht auf“

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Alles unter Kontrolle: Wolfgang Wenzel vom TSV Heiligenrode trat 15 Jahre lang bei internationalen Wettkämpfen an. 

Kassel – Wolfgang Wenzel ist 15 Jahre lang bei Wettkämpfen im Fahrradtrial weltweit angetreten. Jetzt hat der 29-Jährige seine Laufbahn im Leistungssport beendet. Wir haben mit dem Radsportler des TSV Heiligenrode über seine Karriere gesprochen.

Herr Wenzel, nach 15 Jahren ist mit dem Leistungssport Schluss. Wie schwer fällt es aufzuhören?

Es war schon erst einmal ein komisches Gefühl. Ich habe die Idee zunächst in den Raum geworfen. Dann habe ich ein paar Nächte darüber nachgedacht und habe auch mit meinem privaten und sportlichen Umfeld darüber gesprochen. Auch wenn es eine schwere Entscheidung ist, sie ist richtig. Aber ich bleibe als Funktionär und als Sportler bei den „Alten Herren“ in der Masterklasse erhalten.

Warum haben Sie Ihre Karriere beendet?

Es war eine Kombination aus physischen und privaten Gründen. Ich habe dieses Jahr geheiratet und im September wurde mein Sohn geboren. Der Fokus liegt jetzt auf der Familie. Außerdem hatte ich in den beiden vergangenen Jahren ein paar Verletzungen, von denen ich mich nicht so rasch erholt habe, wie ich es mir erhoffte.

Fahrradtrial ist eine Randsportart. Wie sind Sie zu dieser gekommen?

Ich bin auf dem Dorf ganz normal sportlich sozialisiert worden mit Mutter-Kind-Turnen, Leichtathletik und Handball. Als ich elf Jahre alt war, hat sich meine Leichtathletik-Gruppe aufgelöst. Meine Eltern sind leidenschaftliche Motorradfahrer und so bin ich beim Motorradtrial gelandet. Nach einem Jahr kam das Fahrradtrial in Melsungen hinzu. Mein Vater hat dann kurz darauf in der Radsportabteilung des TSV Heiligenrode die Sparte Fahrradtrial gegründet und zwei Trainerscheine gemacht. Später haben wir dann zusammen die Sparte aufgebaut.

Welchen Anteil hat Ihr Vater an Ihrer Laufbahn?

Er ist einer meiner Macher. Das Engagement in meiner ganzen Familie ist sehr hoch. Als ich mit Fahrradtrial angefangen habe, wurde damals zu Hause unser Hof mit 40 Paletten total umgebaut, damit ich dort trainieren konnte.

Sie haben viel Zeit in den Sport investiert. Was fasziniert Sie daran?

Das Besondere ist, dass ich mich persönlich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich nie ausgelernt habe. Mit Ende 20 habe ich immer noch an Höhe zugelegt und 2018 mit dem 17. Platz bei der WM mein bestes Ergebnis in der Kategorie Elite 26 erzielt.

Wie ist es Ihnen gelungen, Sport und Beruf zu verbinden?

Nach dem Studium bei der Polizei bin ich 2012 direkt in die Sportfördergruppe gekommen, und durfte mir so meine Dienststelle aussuchen. Ich war zwei Jahre in Kassel im Revier Ost, bis ich 2014 zur Polizeihochschule gekommen bin. Als Mitglied der Sportfördergruppe wurden mir Training und Wettkämpfe als Regelarbeitszeit angerechnet. Durch die duale Karriere hat man nach der sportlichen Laufbahn die Chance, auch im Beruf durchzustarten.

Sie sind durch die Wettkämpfe weltweit herumgekommen. Welche Orte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das waren Kanada und Südafrika. In Kanada war die Landschaft am schönsten. Um uns zu akklimatisieren, waren wir zwei Wochen dort und haben unter anderem auf einer Tour Wale beobachtet und Zeit in den Bergen verbracht. In Südafrika haben sich die Veranstalter viel Mühe gemacht. Die Steine waren wie Leoparden und Zebras angemalt. Die Sektion war in einer Senke, so kam Stadionathmosphäre auf.

Wie häufig wurden Sie in Ihrer Laufbahn von Verletzungen zurückgeworfen?

Zum Glück bin ich ohne große Verletzungen durchgekommen. Das einzige, was mich vom Kurs abgebracht hat, war das Pfeiffersche Drüsenfieber. Das hatte ich zweimal, obwohl man das eigentlich nur einmal im Leben bekommen kann. Durch die hohen Umfänge und hohe Intensität im Training und Wettkämpfen bin ich daran erkrankt. Das hat mich 2011 und 2015 jeweils eine halbe Saison gekostet. Am Ende meiner Laufbahn hatte ich ein paar kleinere Verletzungen. Aber es ist auch klar, dass nach 15 Jahren Leistungssport der Körper ermüdet.

Sie bleiben dem Fahrradtrial verbunden. In welcher Form?

Das stimmt. Ich habe mehrere ehrenamtliche Posten. Ich bin Spartenleiter beim TSV Heiligenrode, beim Bund Deutscher Radfahrer in der Kommission Fahrradtrial sowie im Nationaltrainerstab und Teamleiter des Teams Bikes in Motion. Und als Sportler trete ich in der Masterklasse an. Ohne die Unterstützung meiner Frau würde ich das aber nicht schaffen. Auch wenn der Leistungssport vorbei ist: Langeweile kommt nicht auf.

Zur Person

Wolfgang Wenzel (29) wohnt in Kassel. Er trat 15 Jahre lang im Fahrradtrial bei nationalen und internationalen Wettkämpfen an. Er nahm mehrfach bei Welt-, Europameisterschaften und Weltcups teil. Er belegte 2018 den 17. Platz bei der WM in China und gewann zahlreiche Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. Sein Verein ist der TSV Heiligenrode, dort ist er Spartenleiter. Er ist Polizeioberkommissar, verheiratet und hat einen Sohn.

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