Markus Häusling aus Wettesingen hat ein Ziel vor Augen: die Paralympischen Spiele im nächsten Jahr

Unterwegs für den Traum von Rio

Training auf dem Handbike: Markus Häusling bringt sich auf den Feldwegen rund um Wettesingen in Form. Foto:  Schwekendiek

Kassel. Für Menschen wie Markus Häusling wurde der Begriff sportverrückt erfunden. Ob im Wasser, auf dem Handbike oder auf dem Rennrollstuhl – der Paratriathlet aus Wettesingen bei Breuna schuftet für seinen großen Traum: die Paralympics in Rio de Janeiro.

„Ich trainiere jeden Tag zwei bis vier Stunden“, sagt der 44-Jährige, der als Justizvollzugsbeamter in Kassel arbeitet. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Meine Frau hat einiges gut bei mir.“

Das harte Training ist die eine Sache, um im nächsten Sommer in Brasilien dabei zu sein. Die andere besteht aus einem Marathon an Wettkämpfen. Für die Qualifikation reicht es nicht aus, eine bestimmte Platzierung zu erreichen oder irgendeine Norm zu knacken. Häusling erklärt: „Wir Europäer starten bis Ende Juni nächsten Jahres bei Qualifikationswettkämpfen. Für die jeweiligen Ergebnisse gibt’s Punkte. Die werden addiert. Und am Ende fahren die zehn Besten nach Rio.“ Und da diese Quali-Rennen nicht in Wettesingen oder Wanne-Eickel ausgetragen werden, sondern in Italien, Spanien und Großbritannien, ist der zweifache Vater ziemlich häufig unterwegs für seinen Traum.

Hinzu kommen die großen Meisterschaften. An diesem Wochenende tritt Häusling in Genf bei der EM an. Im September fliegt er nach Chicago zur WM. „Meine Familie gönnt es mir“, sagt der Nordhesse. Auf der einen Seite müssen die Söhne Kevin und Jonas und seine Frau Nancy oft im Jahr auf ihn verzichten. Auf der anderen Seite wissen die Häuslings, was sie an diesem Sport haben. „Der Sport hat unser familiäres Miteinander gerettet“, sagt Häusling.

„Der Sport hat unser familiäres Miteinander gerettet.“

Vor zehn Jahren brach bei dem Torhüter der SG Diemeltal eine Nervenkrankheit aus, die ihn fortan an den Rollstuhl fesselte. „Am Anfang war ich sehr leidlich“, erinnert sich Häusling. Doch er kämpfte sich aus dem Tal heraus, fand seinen Lebensmut wieder. Als Schlüsselerlebnis nennt er jenen Tag im Jahr 2008, an dem er einen Gehbehinderten sah, der vor seinen Rollstuhl eine Art Fahrrad gespannt hatte und sich damit fortbewegte. Häusling machte es nach.

Schnell war der Ehrgeiz geweckt. Nur zwei Jahre später holte er zum ersten Mal den Deutschen Meistertitel im Paratriathlon – acht weitere folgten. Was viel wichtiger war: Endlich gab es die Möglichkeit, wieder mit seinen Jungs sportlich aktiv zu sein. Endlich gab es wieder Ziele. Und endlich stellten die Leute das Mitleid ab. Häusling sagt: „Der Sport war ein Glücksfall. Er ist mein legales Ecstasy.“

Suche nach Sponsoren

Von seinem Arbeitgeber erhält er volle Unterstützung für seine Leidenschaft – täglich ein paar Stunden Dienstbefreiung ohne finanzielle Einbußen. Trotzdem ist Häusling auf Unterstützer angewiesen. Starts bei der EM und WM zahlt der Deutsche Behinderten-Verband. Die Kosten für die olympischen Qualifikationswettkämpfe muss er selbst tragen. Deswegen sucht Häusling weiter nach Sponsoren. Damit sein großer Traum von Rio in Erfüllung gehen kann.

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