Vor Ort bei den Westdeutschen Mehrkampfmeisterschaften im Gewichtheben

Viel Kraft und ein paar Hopser

Beim Sprung: Indira Dudorkhanov.

Kassel. Wenn sich Kinder und Jugendliche auf dem Schulhof über ihre Sportarten austauschen, fällt der Begriff Gewichtheben selten. Gewichtheben ist keine Trendsportart und oft mit gesundheitlichen Bedenken verbunden.

„Dabei ist Gewichtheben insbesondere für Kinder und Jugendliche im richtigen Maße eine sehr gesunde Sportart“, widerspricht Bernd Dietrich, Vorsitzender des Schwerathletikvereins (SAV) Kassel, der Kritik. Die Westdeutschen Mehrkampfmeisterschaften der Kinder und Jugendlichen in der Kasseler Auesporthalle machten deutlich, wie vielseitig und abwechslungsreich Gewichtheben ist.

58 Nachwuchssportler aus Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen waren zu Gast, um ihre Meister zu ermitteln. In klassischer Weise wurde dabei gestoßen und gerissen. Neben dem Gewicht spielte aber vor allem die Technik eine entscheidende Rolle, da Wertungsnoten verteilt wurden. Mit dem Gewichtheben war der Wettkampf noch nicht beendet. Im Anschluss mussten sich die Kinder drei Schnellkraft-Übungen unterziehen: Dreihopssprung, Kugelschock und Pendellauf.

Nicht nur hohe Gewichte

„Kraftsport ist vielseitig und beschränkt sich nicht nur auf hohe Gewichte“, erklärt Dietrich, der neben seinem Vereinsvorsitz Bezirks- und Stützpunkttrainer ist. Ein gerader Rücken und ein stabiles Becken seien Grundvoraussetzungen beim Krafttraining und zugleich wichtig für die allgemeine Gesundheit. In Nordhessen ist es bisher trotzdem nicht gelungen, eine eigene Nachwuchsarbeit aufzubauen. „Dafür fehlt uns das Personal, das die Zeit hat, aktiv in die Schulen zu gehen“, hadert Dietrich.

So standen bei den Westdeutschen Mehrkampfmeisterschaften Sportler aus anderen Regionen im Fokus. Beispielsweise Julia Perlt vom SV Gräfenroda. Die 14-Jährige hofft auf eine Teilnahme an der Europameisterschaft im September und wollte sich in Kassel unter den Augen von Bundestrainer David Kurch für höhere Aufgaben empfehlen. „Ich war zuletzt lange krank, deswegen muss ich mich erst wieder herantasten. Ich möchte meine Form von Woche zu Woche steigern“, erklärt Perlt. Ebenfalls aus Gräfenroda ist Indira Dudorkhanov. Die Sechsjährige war die jüngste Sportlerin in der Auesporthalle. Gewichtheben ist in ihrem Alter zwar ungewöhnlich, aber „mir macht es großen Spaß“, so die Nachwuchsheberin.

Bundestrainer Kurch wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für die Sportart: „Wir haben ein riesiges Nachwuchsproblem. Fast alle Sportler sind aus Thüringen, darunter auch viele Talente, was mich sehr freut. Aber in Hessen und NRW brauchen wir mehr Kinder.“

Kooperationen bestehen

Daran arbeitet Dietrich in Nordhessen. Schließlich bietet der Stützpunkt in der Aueparkhalle optimale Trainingsbedingungen. Kooperationen bestehen bereits mit der Handball-Jugend der HSG Zwehren und der MT Melsungen, den Leichtathleten des LAV Kassel und den Kasseler Crossfit-Sportlern.

Von Tobias Kisling

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