Nima Latifiahvas ist ein begabter Fußballer, dessen Hoffnungen sich nicht erfüllten

Viel Talent, wenig Karriere

Bauchlandung: Nicht immer während seiner Laufbahn stand Nima Latifiahvas, hier in der Saison 2009/10 im Trikot des damaligen Verbandsliga-Meisters VfR Süsterfeld, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Archivfoto: Fischer

Kassel. Manche Talente schaffen es nach oben, andere nicht. Die Gründe für Gelingen oder Scheitern liegen meist im Verborgenen. Einer, dessen Hoffnungen sich nicht erfüllten, ist Nima Latifiahvas. Der heute 32-jährige hochveranlagte Fußballer kam nicht über die Regionalliga hinaus und blickt nun zurück.

Eigentlich hatte alles verheißungsvoll begonnen. Mit den A-Junioren des KSV Baunatal wurde er 2002 Hessenmeister. Schnell etablierte er sich danach in der Oberliga-Elf der VW-Städter. „Mehrmals kamen mir Verletzungen in die Quere, wenn ich auf dem Sprung war“, erinnert sich Latifiahvas. Da wäre zum Beispiel eine Schulterverletzung, die ihn in jungen Jahren vier Monate lang zum Aussetzen zwang. Oder der Kreuzbandriss, den er, 2008 zu Regionalligist Viktoria Aschaffenburg gewechselt, in der Saisonvorbereitung erlitt. „Das war dann auch der Moment, als mir endgültig klar wurde, dass ich es nicht mehr schaffe“, sagt Latifiahvas. Zumal die Viktoria bald insolvent war.

„Ich habe alles mit mir allein ausgemacht.“

Nima latifiahvas

Über die bittere Situation reden konnte er mit niemandem. „Das habe ich alles mit mir allein ausgemacht“, sagt er. Das Bedauern schwingt nach, auch wenn der Angreifer mit sich im Reinen scheint: „Ich denke längst nicht mehr extrem darüber nach, ob ich es hätte schaffen können. Aber es wäre schön gewesen, wenn mich meine Familie und Freundin öfter im Fernsehen hätten sehen können.“

Latifiahvas macht jedoch nicht allein Verletzungen für den ausbleibenden Erfolg verantwortlich. „Ich war immer überzeugt, Profi zu werden. Mit 19 Jahren dachte ich, im nächsten Jahr spiele ich in der 2. Liga“, berichtet er. Doch wenn Angebote kamen, zum Beispiel 2003 von den Offenbacher Kickers, war er unsicher. „Keiner hat mir gesagt, was ich machen sollte, einen Berater, der sich auskennt, hatte ich nicht.“ Angst vor der fremden Stadt, auch bei den Eltern, kam damals hinzu.

Außerdem war Latifiahvas nicht bewusst, dass Talent allein nicht ausreicht. „Ich habe im Training nicht immer 100 Prozent gegeben. Und bin vor den Spielen gern mal lange unterwegs gewesen. Das sind Sachen, die den Unterschied machen“, weiß der Angreifer heute und ergänzt: „Wenn du jung bist, gehst du auf die Partys. Wenn du es geschafft hast, kommen die Partys zu dir.“

Doch das ist Schnee von gestern, die Partys kamen nicht. Mittlerweile lässt Latifiahvas seine Karriere ausklingen. Vielleicht findet er bei Kreisligist Türkgücü Münden, wohin er kürzlich wechselte und wo sein alter Weggefährte Eren Cihan Spielertrainer ist, den Spaß am Fußball zurück. Aber erst wenn er, wie könnte es anders sein, eine neuerliche Verletzung auskuriert hat.

Von Wolfgang Bauscher

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