Abstiegskampf nicht nur in der Bundesliga: Heimische Fußballer geben Einblicke in ihre Gefühlswelt

„Viele von uns sind verunsichert“

Damit es auch der letzte im Team begreift: Stuttgarter Fans fordern mit einem Transparent vollen Einsatz von ihrem Team im Abstiegskampf. Foto: dpa

Kassel. Es ist die entscheidende Phase der Fußball-Saison. Bei den Spielern, die mit ihrem Team in ihrer Klasse am Tabellenende liegen und um jeden Punkt zittern und kämpfen müssen, geht das mitunter an die Nerven. Wir haben mit Betroffenen geredet. Zu Wort kommen ein Akteur, der mit dem OSC Vellmar II längst als Absteiger aus der Verbandsliga feststeht. Zwei Spieler, die in der Kreisoberliga mitten im Kampf um den Relegationsrang stecken. Und ein Fußballer des Traditionsvereins Spielverein 06, für den es im Rennen um den Verbleib in der Kreisliga A eng wird.

Jubin Ansari (21 Jahre, OSC Vellmar II, Student für Umweltingenieurwesen an der Uni Kassel): „So eine Situation wie in diesem Jahr habe ich noch nie erlebt. Schön ist das nicht. Weil es zeigt, dass wir es nicht geschafft haben, uns zu etablieren. Allerdings sind wir mit der Situation gut umgegangen. Schon im Winter haben wir uns zusammengesetzt und entschieden: Wir trainieren weiter hart. Wenn es am Ende nicht klappt, ist es nicht schlimm. Jetzt steigen wir erhobenen Hauptes aus der Klasse ab. Es gab einige Tiefs, aber unser Trainer und unser Umfeld haben uns so gut unterstützt, dass es kein Problem war, sich zu motivieren und Wochenende für Wochenende auf dem Platz zu stehen. Ich bin seit 16 Jahren beim OSC und bleibe dem Team auf jeden Fall erhalten.“

Marcel Dietrich (38 Jahre, Industrieverpacker, VfB Viktoria Bettenhausen): „Es ist eine beschissene Situation. Wir haben die Saison eigentlich ganz gut begonnen, nach der Niederlage gegen Wilhelmshöhe aber Spiel um Spiel verloren. Wir haben keine Leute, die auch mal schießen, viele sind verunsichert und spielen dann einen Querpass. Zudem habe ich den Eindruck, dass bei vielen auch die Einstellung fehlt. Wir haben manchmal nur fünf Mann im Training und so kann man keine Spiele gewinnen. An den Abstieg verschwende ich noch keine Gedanken. Der Verein wird dann wohl einen Umbruch einleiten. Ich denke, ich bleibe dabei.“

Gökhan Toksoy (38 Jahre, Anlagenführer bei VW, Anadoluspor Baunatal): „Bei uns gab es in der Hinserie viele Streitigkeiten. Damals war die Lage fast schon hoffnungslos. Da die Spieler nicht mehr auf mich gehört haben, bin ich im März als Trainer zurückgetreten und nur noch als Spieler dabei geblieben. Wir haben jetzt zwar nur elf Punkte, aber nun herrscht bei uns endlich Optimismus. Der neue Trainer Hayrittin Kulaksiz hat einen neuen Teamgeist entwickelt. Vor ihm haben die Spieler Respekt. Es wird ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Dadurch ist die Belastung für den Kopf gar nicht groß.“

Mirco Wagner (26 Jahre, Servicekraft im Vereinsheim, SV 06 Kassel): „Es ist schon eine schwierige Situation, gerade für einen Traditionsverein wie uns. Wir stehen vor jedem Spiel unter Hochspannung, wollen immer gewinnen, hatten aber auch viel Pech. Jetzt müssen wir die nächsten zwei Spiele gewinnen. Das können wir schaffen, denn wir sind sehr geschlossen, haben ein tolles Mannschaftsgefüge und verstehen uns auf und neben dem Platz gut. Ich habe den Eindruck, dass jeder 110 Prozent gibt. Denn keiner von uns will absteigen. Sollte das trotzdem passieren, werde ich auf jeden Fall bleiben.“

Von Björn Mahr und Frank Brauner

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