Der aus Somalia geflohene Abdulaziz Mahomood fand in Wellerode ein Zuhause und lässt TSG jubeln

Viele Tore für die neue Heimat

Der Ball ist sein Freund: Bereits 38-mal beförderte der aus Somalia stammende Abdulaziz Mahomood das Spielgerät für die Welleröder Fußballer ins gegnerische Tor. Foto: Fischer

Söhrewald. Es scheint, als sei da einer in Wellerode heimisch geworden, der das Dorf vor zwei Jahren noch gar nicht kannte. Und es scheint auch, als hätte das Dorf einem eine neue Heimat gegeben, von dem es vor zwei Jahren ebenso wenig wusste. Was nicht nur daran liegt, dass Abdulaziz Mahomood mit seinen Toren maßgeblich zum Titelgewinn des TSG Wellerode in der Fußball-Kreisliga A 2 beitrug.

Seit 2008 lebt der gebürtige Somalier in Europa (siehe auch Hintergrund) und gelangte 2014 nach Nieste. Nachdem sich „Aziz“, wie er von Freunden gerufen wird, als Fußballer beim dortigen Tuspo einen Namen gemacht hatte, wechselte er in der Winterpause zum TSG Wellerode.

Sowohl in der Saison 2014/15 als auch in der aktuellen Serie wurde er Torschützenkönig. Zuerst kam er auf 30 Treffer, bisher auf 38. Das weckte Begehrlichkeiten. Doch Mahomood lehnt alle Angebote anderer Klubs ab.

„Es waren viele von höherklassigen Vereinen dabei. Aber ich gehe hier nie weg. Geld allein macht keinen Spaß“, betont er und nennt die Gründe seiner Standhaftigkeit: „Ich habe meine Familie in Somalia verloren und hier im Verein eine neue gefunden. Mit 30 kann ich außerdem nicht mehr so lange spielen. Und was dann?“

Die Welleröder hören dies natürlich gern. Zumal sie ihn nach Kräften unterstützen und die Voraussetzungen dafür schufen, dass er sich wohlfühlen kann. Allen voran Abteilungsleiter Georg Thiel und Trainer Holger Menne samt Familie. Sie halfen Aziz Mahomood bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Und besorgten ihm ein altes Treckingrad. „Mein Ferrari“, wie der durchaus passabel Deutsch sprechende 30-Jährige sagt.

„Er wird hier als optimistischer, freundlicher Mensch geschätzt“, erklärt Georg Thiel, „wir pflegen eine sehr emotionale, freundschaftliche Beziehung.“ Auch für Trainer Menne sei er wie ein Sohn. In einem Supermarkt in Lohfelden arbeitet der Angreifer als geringfügig Beschäftigter. Die Anträge sind gestellt, um ihn in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu bringen.

Wegen seiner Torgefährlichkeit wird Mahomood nicht immer nur mit fairen Mitteln bekämpft. Dennoch fällt es schwer, ihn auszuschalten. „Er ist einfach zu schnell und läuft den Gegnern weg“, sagt Thiel über den guten Dribbler. Was er nicht gut kann? „Verlieren“, sagt Mahomood selbst. Aber das passierte dem TSG nur am ersten Spieltag gegen Olympia.

Am Sonntag ab 15 Uhr besteht die Chance zur Wiedergutmachung. Dann kommen die Zwehrener als Vizemeister zum Saisonfinale in die Söhrekampfbahn. Danach feiert der Gastgeber den Kreisoberliga-Aufstieg. „Auch in unserer Vereinsgaststätte ist Aziz zu Hause. Wenn er kein Schwein essen will, gibt es für ihn Pute. Der Wirt weiß Bescheid.“ Und bei einer Niederlage? Da hat Mahomood keine Bedenken: „Mit mir hat Wellerode noch kein Heimspiel verloren.“

Hintergrund: Der Bürgerkrieg als Fluchtgrund

Abdulaziz Mahomood, geboren am 20. März 1986 im ostafrikanischen Staat Somalia, flüchtete 2008 vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat in die Niederlande. 2013 reiste er nach Deutschland ein. Über die zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Gießen kam er über das Wohnheim in Ihringshausen und eine ihm zugewiesene Wohnung in Nieste 2014 nach Wellerode. Sein Asylantrag läuft seit rund zwei Jahren. Gemäß dem deutschen Aufenthaltsrecht ist er geduldet. Mahomoods Eltern kamen beide ums Leben.

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