INTERVIEW Klassenleiter Matthias Schmelz über den Saisonstart mit Corona

„Von Tag zu Tag hellwach sein“

Ein Fußball liegt auf dem Rasen und wird mit einem Tuch abgewischt
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Der Fußball als sensibles Gut in diesen Tagen: Wie groß werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die neue Saison sein? An diesem Wochenende geht es auch auf den heimischen Plätzen quer durch alle Ligen wieder um Punkte.

Er ist stellvertretender Klassenleiter der Fußball-Gruppenliga und verantwortlich für den Kreispokal: Matthias Schmelz. Wir haben mit dem 34-Jährigen gesprochen – über den Saisonstart mit Corona, über die Vorbereitungen der Vereine und die Hoffnung, eine komplette Spielzeit durchzubekommen.

Mit wie viel Respekt gehen Sie in die Saison als Klassenleiter?

Mit gehörigem Respekt, gerade vor dem Hintergrund, dass wir jüngst im Kreispokal einen Verdachtsfall beim OSC Vellmar hatten. Wir werden von Tag zu Tag hellwach sein müssen, weil uns sicher auch noch die eine oder andere Überraschung ereilt.

Wie sehr haben Sie geschwitzt, als Sie vom offenen Coronatest beim OSC Vellmar erfahren haben?

Sehr, aber ich habe dann gleich in einen Verwaltungsmodus geschaltet, einen Kalender genommen und geschaut, wie wir es am Besten hinkriegen. Da der KSV Hessen am 5. September in die Regionalliga startet und wir den Kreispokal bis zum 15. September über die Bühne bekommen mussten, war das Zeitfenster schon sehr klein. Zum Glück war der Test dann negativ. Im positiven Falle hätten wir keine Chance mehr gehabt, das Finale auszutragen. Dann wäre sehr viel Kreativität gefragt gewesen.

Wie groß sind Ihre Sorgen, dass Corona alles durcheinanderbringt?

Ich bin eigentlich sehr optimistisch, dass wir die Saison durchbekommen. Ich habe im Juli und August immer gesagt, dass ich großer Hoffnung bin, wenn wir Anfang September die Saison wirklich anpfeifen können. Dann haben wir die Pokalspiele absolviert, dann hat die Schule wieder begonnen und dann sind die Urlauber zurück. Was aber auch ganz klar ist: Vereinzelt werden wir natürlich Spiele absetzen müssen.

Wie gut sind die heimischen Vereine in Sachen Hygienerichtlinien vorbereitet?

Ganz unterschiedlich. Das liegt zum einen an den Sportstätten und zum anderen an der Manpower, die vorhanden ist. Vereine, die insgesamt schon gut aufgestellt sind, tun sich damit leichter als die Klubs, die vielleicht nur von ein oder zwei Leuten geführt werden. Manche davon sind überfordert, manche nehmen das Ganze vielleicht auch nicht so ernst. Sie schreiben uns zwar, dass sie sich an das Hygienekonzept halten, wir kontrollieren es aber nicht. Wir können es nur anmahnen, sonst bleibt uns aber keine Handhabe.

Was ist das größte Problem?

Die Einhaltung der Abstandsregel. Man kann einfach nicht jeden Zuschauer permanent im Blick haben. Nicht jeder Verein kann auf einmal pro Spiel zehn Ordner stellen. Manche Vereine sind ja schon froh, dass sie für ihre zweite Mannschaft in der Kreisliga elf Leute auf dem Feld haben und man noch einen findet, der die Fahne hält. Die Eindrücke von den Pokalspielen waren gut, aber irgendwann kommt dann vielleicht der Schlendrian rein und es wird nicht mehr ganz so genau auf die Vorgaben geachtet.

Wird eigentlich in den unteren Klassen auch irgendwie getestet?

Nein, da gibt es keine Tests. In dem Moment, wenn ein Spieler zum Verdachtsfall wird, muss ich das Spiel absetzen. Im positiven Fall wird die Mannschaft zwei Wochen aus dem Wettbewerb genommen, im negativen Fall wird die Partie zeitnah wieder angesetzt. Der Verdachtsfall eines Spielers oder Teamoffiziellen muss in jedem Fall offiziell belegt werden – nicht, dass ein Trainer sagt, mir fehlen fünf Leute und ich sage das Spiel mal coronabedingt ab. Es reicht auch nicht, wenn ein Spieler beispielsweise an der Arbeit Kontakt zu einer Person hatte, die ein Verdachtsfall ist.

Gibt es überhaupt noch Spielräume, falls ganze Mannschaften aus dem Verkehr gezogen werden?

Ja, gibt es, auch wenn es extrem eng ist, wenn man bedenkt, dass die Gruppenligisten allein im September zum Teil sieben Spiele haben. Wir haben aber die Möglichkeit, weit in den Dezember rein spielen zu lassen und können auf Feiertage im neuen Jahr ausweichen. An Ostern wird dann vielleicht wieder Donnerstag, Samstag und Montag gespielt.

Und wenn es ganz eng wird?

Es gibt einen Puffer, der aber begrenzt ist. Wenn es extrem krass wird, könnte es auch sein, dass wir Mannschaften ihr Heimrecht wegnehmen, um die betreffenden Spiele dann irgendwo anders auf Kunstrasen austragen zu können. Aber da wollen wir natürlich nicht hin, das ist ein letztes Mittel.

Glauben Sie, dass die Saison zuende gespielt wird?

Ich glaube, dass sie gewertet wird. Und das bedeutet, dass mindestens 50 Prozent der Spiele ausgetragen werden. Alles andere wird die Zeit bringen. Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir die Serie durchbringen werden.

Zur Person: Matthias Schmelz (34) wurde in Fritzlar geboren und lebt in Heiligenrode, wo er beim dortigen TSV auch als Spieler, Trainer und Manager im Einsatz ist oder war. Er arbeitet im Außendienst bei Silber Druck in Lohfelden. Schmelz ist aktuell Klassenleiter des Kreispokals und stellvertretender Klassenleiter der Gruppenliga. Er ist ledig und hat keine Kinder.

Stellvertretender Klassenleiter der Gruppenliga: Matthias Schmelz.

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