Derby in der Volleyball-Regionalliga

Der Lehrer gegen den Schüler - und der Schüler gewinnt

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Sie hatten Heimrecht im Derby: Die Spieler und der Trainer der VSG Kassel-Wehlheiden (von der Mitte unten nach links) Timo Breithaupt, Markus Ludwig, Fabian Schabbach, Patrick Weigel, Mats Bernnsdorf, Uwe Hoffmann, Eric Wulsten, Daniel Machnik und Dierk Fooken. 

Derby in der Volleyball-Regionalliga: Der SSC Vellmar setzt sich 3:1 bei der VSG Kassel-Wehlheiden durch.

VSG Kassel-Wehlheiden gegen SSC Vellmar – es ist Derbyzeit in der Volleyball-Regionalliga. Auf der einen Seite des Netzes steht Spielertrainer Dierk Fooken, ihm gegenüber Moritz Denk – ein Schüler aus Fookens Sportleistungskurs. Vielleicht ist es das Sinnbild des Abends: Während die Gastgeber auf Erfahrung setzen, bietet Vellmars Trainer Roland Löber eine junge, dynamische Mannschaft auf. „Das ist heute auch ein Duell der Generationen“, sagt Fooken. „Wir sind ja so etwas wie eine Insel in der Regionalliga.“

Kurzfristige Ausfälle

Um die Mittagszeit läutet bei Fooken gleich zwei Mal das Telefon: Sein kompletter Mittelblock meldet sich krank – Grippe. „Das hat die Vorfreude ein Stück weit gebremst“, räumt Fooken ein. „Unsere Pechsträhne mit Verletzungen und Krankheiten reißt leider nicht ab.“ Kassels Leistungsträger Timo Breithaupt (Zuspiel) und Markus Ludwig (Angriff) gehen mit verletzten Fingern in die Partie.

Volles Haus

Die Aueparkhalle ist voll. Rund 200 Zuschauer sind gekommen. Unter ihnen ist auch Sebastian Tietje mit seinen Söhnen Henry (7) und den dreijährigen Zwillingen Arthur und Julius. Tietje hat früher selbst Volleyball gespielt – für Vellmar.

Heute drückt er allerdings den Gastgebern die Daumen. „Wegen meines besten Freundes Dierk Fooken“, erklärt er. Um ihn herum stehen Tupperdosen mit geschmierten Broten und Apfelschnitzen. Während sie das Spiel verfolgen, greifen die Jungs immer wieder zu.

Der erste Satz ist spannend: Vellmar hat schon Satzball, dann gewinnt die VSG doch noch mit 26:24. Henry, Arthur und Julius ziehen die Socken aus und schnappen sich jeder einen Volleyball. Bevor es weitergeht, spielen sie auf der Tribüne.

Routinierte Schreiber

Für die Schreiber ist das Derby eine Partie wie jede andere. Carola Dietrich, die in der ersten Damenmannschaft der Gastgeber aktiv ist, zur Zeit aber verletzungsbedingt ausfällt, und Duygu Cevik, die in der zweiten Damenmannschaft spielt, füllen den Spielbericht routiniert aus.

Die Sätze sind knapper als Fooken aufgrund des dezimierten Kaders erwartet hätte: Vellmar entscheidet den zweiten Durchgang 25:16 für sich. Der dritte Satz ist hart umkämpft. Es steht 23:21 für Vellmar, als dem kleinen Julius auf der Tribüne der Ball hinunter aufs Spielfeld kullert. Erschrocken hält er sich die Hand vor den Mund. Papa Sebastian erklärt seinen Söhnen, wie eng das Spiel gerade ist. Gemeinsam rufen sie „Kassel“. Doch es reicht nicht. Vellmar gewinnt mit 25:23. Um 20.42 Uhr steht der Sieger dann fest: Vellmar entscheidet auch den vierten Durchgang mit 25:18 für sich.

Jubelnde Gästen

Der Jubel bei den Gästen ist groß. Zu „Let me entertain you“ von Robbie Williams tanzen sie im Kreis und skandieren: „Hier regiert der SSC.“ Für Henry, Arthur und Julius ist ihr Lieblingsmoment gekommen: Barfuß laufen sie aufs Feld und schnappen sich die Volleybälle. „Jetzt können wir hier spielen und nicht nur auf der Tribüne“, strahlt Henry.

Roland Löber gratuliert seiner Mannschaft. „Wir waren heute etwas hektisch und hätten von der Körpersprache her souveräner auftreten können. Der Sieg ist enorm wichtig für unser Selbstbewusstsein“, sagt er. „Die VSG hat sich wacker geschlagen.“ Bei den Trainern geht der Blick schon nach vorn.

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