Nachruf: Bekannte Lohfeldenerin gestorben

Pionierin des Frauen-Fußballs tot: Waltraud Schmidt war die Frau mit dem Pudel

Die Frau mit dem Pudel: Waltraud Schmidt mit Romeo. Foto: nh

Lohfelden. Der erste Artikel über den FSC Lohfelden stand an – Anfang der Nullerjahre. Der Kollege nennt die Vorgehensweise für die Premiere als Berichterstatter im Nordhessenstadion. Er empfiehlt: „Halt dich an die Frau mit dem Pudel.“

Die Frau mit dem Pudel hieß Waltraud Schmidt, sie organisierte fast alles rund um die Spiele der Lohfeldener Fußballer. Andreas Fehr, heute Beisitzer im Verein, sagt: „Von dem eigentlichen Spiel hat sie immer am wenigsten mitbekommen, weil sie stets etwas anderes zu tun hatte.“ Sie kümmerte sich um jede Kleinigkeit, während ihr Hündchen Strolch kaum von ihrer Seite wich.

Waltraud Schmidt war beim FSC Lohfelden das Mädchen für alles – und noch viel mehr. Sie war eine Pionierin des Frauen-Fußballs, was dadurch zum Ausdruck kommt, dass sie ihn in ihrem Klub etablierte. Ende der 70er-Jahre wurde sie, die beim VfB Süsterfeld mit dem Fußballspielen begann, die erste Jugendleiterin im heimischen Fußball.

Schmidt wirkte aber auch auf Landesebene, sie betreute die Hessenauswahl der Mädchen, die einmal sogar zu Höherem berufen war, wie sich Jürgen Träbing erinnert, mit dem Waltraud Schmidt bis vor gar nicht langer Zeit in zweiter Ehe verheiratet war: „Das war 1989. Da gab es ein Turnier in Norwegen. Weil es zu dieser Zeit bei den Mädchen keine Nationalmannschaft gab, musste die Hessenauswahl ran.“ Mit dabei: die spätere Weltklassestürmerin Birgit Prinz.

Aber auch die aus Kassel stammende Birgitt Austermühl durchlief die Ausbildung Waltraud Schmidts, die hilfsbereit, taff und resolut zugleich war. Andreas Fehr beschreibt es so: „Sie war voll mit dem Herzen dabei und für alle eine Ansprechpartnerin.“ Mitunter wirkte sie auch als Schiedsrichterin. Die Partien leitete sie im schwarzen Rock, wie Jürgen Träbing erzählt.

Waltraud Schmidt kam aus Kassel, sie war auch bei der Stadt Kassel angestellt. Zuletzt arbeitete sie als Museumsaufsicht. Sie lebte aber in Lohfelden, wo sie ihre Einkaufstouren auch stets mit dem Hündchen an der Leine absolvierte – erst mit Strolch, später mit Nachfolger Romeo. Ein Laster legte sie nie ab: das Rauchen.

Waltraud Schmidt, die Frau mit dem Pudel, ist – wie nun bekannt wurde – Ende Februar im Alter von 73 Jahren an den Folgen einer längeren Krankheit gestorben. Sie hinterlässt zwei Töchter, einen Sohn und deren Familien.

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