1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport
  4. Sport Kassel

Weltklasse-Leichtathlet Ludwig Müller wird heute 85

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gerd Brehm

Kommentare

null
Leichtfüßig über den Wassergraben: Ludwig Müller als Hindernisläufer.

Fuldabrück. Für die älteren Sportfans ist er ein Held, und die jüngeren sollen den Mann, der heute 85 wird, durch den folgenden Text kennenlernen. Ludwig Müller von A bis Z.

A wie Augsburg: Stadt im schwäbischen Bayern, in der am 20. und 21. September 1958 ein Leichtathletik-Länderkampf gegen die Sowjetunion stattfand. Zu dem Erfolg der deutschen Mannschaft trug Müller durch seine sensationellen Siege über 5000 und 10 000 Meter bei. Fortan war er der Held von Augsburg.

B wie Bergshausen: Ortsteil der Gemeinde Fuldabrück bei Kassel. Dort steht das Reihenhaus der Familie Müller.

C wie Cola: Süßes Getränk, das Müller - zu kalt und zu hastig genossen - beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Nach hartem Training wachte der Bewusstlose im Krankenhaus auf. Die Ärzte vermuteten eine Blinddarmreizung und wollten das Organ entfernen. Müller aber sprang vom Operationstisch und sprintete nach Hause. 

D wie Danz: Dr. Max Danz (1908 - 2000), der von 1949 bis 1970 Präsident des Deutschen Leichtathletik Verbandes war, zählte nicht zu Müllers besten Freunden. Müller sagt: „Der war nicht ehrlich. Er hat Versprechungen gemacht, die er dann nicht gehalten hat.“

E wie Europameisterschaften: 1958 in Stockholm und 1962 in Belgrad war Müller über 5000 m beziehungsweise 3000-m-Hindernis dabei. Er landete auf den Plätzen acht und neun.

F wie Frankfurt: Von 1959 bis 1961 startete Müller für den FSV Frankfurt. Das prominenteste Mitglied der damaligen Trainingsgruppe hieß Armin Hary und wurde 1960 in Rom Olympiasieger über 100 Meter.

G wie Germar: Manfred Germar war von 1955 bis 1965 Müllers Mitstreiter in der Leichtathletik-Nationalmannschaft. Müller war in 55 Länderkämpfen dabei.

H wie Hemfler: Karl Hemfler (1915 - 1995), damals Kassels Stadtrechtsrat und später Bürgermeister der Stadt, holte Müller von Frankfurt nach Kassel. Für den KSV Hessen startete der Langstreckler von 1961 bis 1965.

I wie Isis: Müllers Enkeltochter und Teil einer außergewöhnlich erfolgreichen Tennisfamilie. Isis war ebenso Bezirksmeisterin wie ihre Schwester Anthea, ihr Bruder Leonhard, ihre Mutter Kerstin und ihr Großvater Ludwig. Anthea brachte es sogar auf zwei Hessenmeisterschaften.

J wie Jugend: Zeit, an die Ludwig Müller überwiegend schlechte Erinnerungen hat. Seine Eltern trennten sich, seine Mutter wurde schwer krank, er musste einige Jahre im Waisenhaus verbringen, und seine Heimatstadt Wesel war im Krieg außergewöhnlich oft von Bombenangriffen betroffen.

null
Mit 85 noch fit: Ludwig Müller.

K wie Karin: Zuschauerin, die sich 1959 nur ein Leichtathletik-Sportfest im Berliner Mommsenstadion ansehen wollte, aber den Mann fürs Leben fand. Ludwig Müller erzählt: „Die Frau war so schön, dass ich mich unbedingt mit ihr verabreden wollte, aber in wenigen Sekunden sollte das 5000-Meter-Rennen beginnen. Ich habe ihr dann meine Sporttasche gegeben uind sie gebeten, darauf aufzupassen. Nach dem Rennen haben wir uns dann verabredet.“ Karin Müller ist seit 55 Jahren mit Ludwig verheiratet.

L wie Leichtathletik: Wurde Müllers bevorzugte Sportart, weil er als Fußballer ein Jahr gesperrt worden war. Der Grund: Ludwig Müller hatte einen Schiedsrichter verprügelt.

M wie Masseur: Müllers zweiter Beruf nachdem er zunächst als Maurer gearbeitet hatte. Die Tätigkeit des Masseurs übt Müller auch heute noch unregelmäßig aus.

N wie Nazis: Prägend für sein ganzes Leben war für den Achtjährigen, als eines Tages sein bester Freund nicht mehr in die Schule kam. Ewald war Jude.

O wie Olympische Spiele: 1960 in Rom startete Ludwig Müller über 3000-m-Hindernis und landete auf dem sechsten Platz. Müller: „Eine Achillessehnenreizung hat eine bessere Platzierung verhindert.“ P wie Pazifist: Müller: „Der zweite Weltkrieg und die Nazidiktatur haben mich früh zum Pazifisten gemacht. Diese Einstellung wird sich nie ändern.“

R wie Ruhestätte: So nennt Ludwig Müller den Job, den er bei der Stadt Kassel ausübte. Der Leichtathlet musste die Brücken und Tunnel in der Stadt kontrollieren. Müller: „Am liebsten habe ich eine kleine Brücke in Kirchditmold inspiziert. Die war ganz in der Nähe des Tennisklubs Blau-Weiß.“

S wie Stockholm: Stadt in Schweden, in der 1958 die Leichtathletik-EM stattfand (siehe auch E).

T wie Tennis: Als Leichtathlet war er besser, aber von 1965 bis 2000 war Ludwig Müller auch ein erfolgfreicher Tennisspieler (siehe auch I).

U wie Unterhaltungskünstler: Müller ist für jeden Spaß zu haben. Nur ein Beispiel: Am Speakers Corner im Londoner Hyde Park hat er einst eine Rede in einer spontan erdachten Kunstsprache gehalten und damit eine beachtliche Menschenmenge unterhalten.

V wie Vielstarter: Bei einem Länderkampf 1959 in Tokio startete Müller an einem Tag in vier Disziplinen: 800 m, 1500 m, 3000-m-Hindernis und 5000 Meter.

W wie Wesel: Stadt am Niederrhein. In Wesel wurde Ludwig Müller geboren, und dort ist er auch aufgewachsen (siehe auch J).

Z wie Zatopek: Als der große Emil Zatopek (1922 - 2000) in Prag seinen 50. Geburtstag feierte, waren auch zwei Freunde aus Bergshausen unter den Gästen: Karin und Ludwig Müller.

Auch interessant

Kommentare