Vor Ort beim 3:2 im Kreisliga-Spitzenspiel zwischen Italia Kassel und Bosna I Hercegovina

Ein wenig Ernst, ein wenig Spaß

Harmonisches Trio: Schiri Thomas Donner mit den Kapitänen Hasan Omerovic von Bosna I Hercegovina (links) und Ibrahim Özdemir (Inter Italia).

Kassel. Als einzige Mannschaften der Fußball-Kreisliga B, Gruppe 3, die noch keinen Punkt abgegeben hatten, waren sie ins Spitzenspiel gegangen. Nach 90 Minuten auf den Waldauer Wiesen blieb nur die ASG Inter Italia Kassel mit weißer Weste übrig. Sie gewann gegen Bosna I Hercegovina Kassel mit 3:2 (3:1).

Zunächst beginnt alles beschaulich. Als erster trifft Schiedsrichter Thomas Donner aus Heiligenrode am Spielfeld ein. Nach und nach folgen Spieler und Trainer. Mehr oder weniger ernsthaft wärmen sie sich auf, dazwischen toben Kinder über den Platz. „In der B-Klasse wird das alles nicht so ernst genommen“, merkt der Schiri an, und Selmir Cerimovic, Trainer von Bosna I Hercegovina ergänzt: „Wir machen das doch alle nur zum Spaß.“

Ein Bedürfnis ist es beiden Teams, auf Anregung der bei Italia spielenden Syrer vor dem Anpfiff eine Schweigeminute für den bei der Flucht ertrunkenen dreijährigen Ayran Kurti abzuhalten. Danach wird aber deutlich, dass viel auf dem Spiel steht. „Außerdem habt ihr uns mit dem Vorbericht in der HNA unter Druck gesetzt. Jetzt müssen wir es besonders gut machen“, sagt Sevko Hasanovic, Schlussmann der Bosnier.

Beide Mannschaften kämpfen um jeden Ball, meist mit fairen Mitteln. Der umsichtig leitende Donner kommt mit drei Gelben Karten aus. Und beide Strafstöße, die Abdulmalik Özdemir zum 2:1 (16.) und 3:1 (27.) für Italia verwandelt, sind nicht großer Härte geschuldet, sondern ungeschicktem Einsteigen.

Ibrahim Özdemir hate Italia zuvor in Führung gebracht (4.), ehe Lejs Burekovic ausgleicht (6.). Dieser trifft später auch zum Endstand (82.). Als frühe Vorentscheidung im Titelkampf mochte Italia-Trainer Tamen Seiffi den Sieg natürlich nicht werten.

„Aber man gewöhnt sich ans Siegen. Das kann ruhig so weitergehen“, meint der Jurastudent mit afghanischen Wurzeln. Innerhalb von drei Jahren baute er eine Mannschaft auf, in der 13 Nationalitäten vertreten sind. Gesprochen wird deutsch. Anders beim Gegner. Dort spielen fast nur Bosnier, und sie benutzen ihre Heimatsprache. Aber nicht durchgängig. Gelegentlich verfallen sie ins lokal gefärbte Deutsch. Wie etwa Torjäger Kenan Fetic, als er einen Mitspieler ermahnt: „Nu mach doch mal hinne.“

Warum aber spielt Italia den Ball beim Anstoß nach der Pause gleich zum Gegner? „Das machen wir manchmal aus Fairness“, erläutert Seiffi die nicht einleuchtende Aktion. Dass sie auch anders können, beweist Ahmed El Moutaqi. Nach dem 2:3 der Bosnier schießt dieser den kurz gepassten Ball aus dem Anstoßkreis aufs Tor. Zwar überrascht er Schlussmann Hasanovic, trifft aber nur die Latte. Italia kann es verkraften.

Von Wolfgang Bauscher

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