Ball ins Aus, wenn Gegenspieler am Boden liegt? Fußballer äußern sich

Erhitzte Gemüter: Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio (links) und Vieirinha diskutieren nach dem Foul an Wolfsburgs Dante mit Schiedsrichter Felix Brych (Mitte). Julian Draxler (rechts) und Bruno Henrique beobachten das Geschehen. Foto: dpa

Kassel. Zweimal erhitzten sich am Wochenende in der Fußball-Bundesliga die Gemüter, weil trotz am Boden liegender verletzter Spieler die gegenerische Mannschaft den Ball nicht ins Aus spielte.

Leverkusen (gegen Wolfsburg) sowie Hoffenheim (gegen Köln) schossen in diesen Momenten jeweils ein Tor. Wie denken heimische Spieler über solche Situationen?

Oliver Scherer (25 Jahre/Verbandsligist KSV Hessen II): „Solche Situationen erlebt man jede Woche auf den Plätzen. Auch bei unserem Spiel gegen Bad Soden gab es diesen Moment: Der Kapitän des Gegners ist nach einem Zweikampf liegengeblieben. Aus meiner Sicht war es kein Foulspiel, ich habe das Leder aber trotzdem ins Aus gespielt – ganz im Sinne des Fair play. Ich weiß aber auch, dass manchmal mit einem die Emotionen durchgehen können: Man liegt zurück, es ist nicht mehr viel Zeit – da will man natürlich nicht gleich wahrnehmen, dass da vielleicht etwas nicht stimmt. Beim Bundesliga-Spiel der Hoffenheimer muss der Angreifer gesehen haben, dass ein Kölner am Boden ist. Und wenn er es nicht mitbekommen haben sollte, hätte der Schiedsrichter unterbrechen müssen. Die Zeit kann er immer noch nachspielen lassen.“

Antonio Bravo Sanchez (26/Hessenligist KSV Baunatal): In der zweiten Hälfte des Hessenligaspiels vom Samstag gegen Flieden hatte Antonio Bravo Sanchez in aussichtsreicher Situation den Ball am Fuß. Ein Fliedener lag verletzt am Boden, und auf Zuruf von Gästespielern stoppte der Baunataler ab. „Ich wusste gar nicht, was los war“, erinnert er sich. Als die eigenen Nebenleute ihn zum weiterspielen aufforderten, tat er dies. Der Gegner war inzwischen wieder auf den Beinen, der Angriff verpufft. „Ich spiele in solchen Momenten nicht weiter. Allerdings fängt man vielleicht schon an zu überlegen, wenn man so wie Hoffenheim am Sonntag gegen den Abstieg spielt und Punkte braucht“, vermutet der 26-Jährige.

Björn Thordsen (30/Gruppenligist TSG Sandershausen): „Manchmal bekommt man nicht mit, dass jemand verletzt ist. In der Regel spiele ich den Ball immer ins Aus oder an die Seite, wenn jemand am Boden liegt“, erklärt Thordsen und ergänzt: „Egal bei welchem Spielstand.“ Keine Rolle spielt es für ihn, dass Fußballer oft theatralisch und ohne Verletzung zu Boden gehen. „Man kann ja nicht jedem Spieler Schauspielerei unterstellen.“ Konsequent ist Thordsen auch deshalb, weil er sich in der vorigen Serie über eine gegnerische Mannschaft ärgerte: „Die hat, als von uns jemand am Boden lag, den Siegtreffer geschossen.“

Jan Philip Leupold (28/Kreisoberligist TSV Ihringshausen): „Prinzipiell muss der Ball ins Aus befördert werden. Als Kapitän meiner Mannschaft habe ich eine Vorbildfunktion und weise meine Kollegen daraufhin, dass ein Spieler des Kontrahenten verletzt ist und das Leder deshalb ins Aus geschossen werden muss. Bei unserem 3:0-Sieg am Sonntag gegen Dennhausen/Dörnhagen gab es beim Stand von 1:0 eine knifflige Szene. Einer unserer Stürmer war mit dem Dennhäuser Torwart zusammengekracht. Die Gäste liefen dennoch einen Konter. Da wir den Vorstoß des Gegners noch stoppen konnten, ging es allerdings ohne Diskussionen weiter.“

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