Vor Ort: In Wickenrode fanden gestern die Schlittenbezirksmeisterschaften statt

„Wer bremst, verliert“

Objekte der Begierde: Victoria Rüttimann-Koch (von links), Noah Dymek, Maya Wittbecker und die Pokale. Foto: Scholz

wickenrode. Man merkt schnell, dass er das nicht zum ersten Mal macht. „Nur glatte Brüche zählen“, sind die Worte, mit denen Benjamin Schröder die Schlittenfahrerin Steffi Haase auf den Weg schickt. Nach gut 35 Sekunden wird Haase unten am Fuße des Hirschberges in Wickenrode ankommen. Wohlbehalten. Nach ihr starten noch etliche Männer, die bei den Schlittenbezirksmeisterschaften, die der Skiclub Helsa zum zehnten Mal ausrichtet, nur eines im Sinn haben: den fetten Pokal.

Der steht oben an der Franzensbaude. Das ist die Skihütte des Skiclubs, und dort werden die Anmeldungen aufgenommen und die Ergebnisse ausgewertet. Beate Schröder, Heike Engel und Silvia Marschall sitzen am Laptop und haben die Sache im Griff. Selber mitfahren wollen sie nicht, und sie wissen warum. „Es ist nicht die Streif, aber es kann einen ganz schön durchschütteln“, sagt Manfred Schröder, der Erste Vorsitzende des 420 Mitglieder zählenden Vereins, der mit der Aktion „in erster Linie was für die Kinder tun will“, wie Schröder sagt.

Die haben sich derweil am Start eingefunden. Laut Schröder sind am mehrere Hundert Meter langen Hang Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern drin, aber das interessiert die ab sechs Jahre alten Teilnehmer nicht. „Ich bin nicht aufgeregt“, gibt die neunjährige Victoria Rüttimann-Koch zu Protokoll.

Weil theoretisch doch was passieren kann, müssen alle 32 Teilnehmer der Bezirksmeisterschaften Helme tragen. Und tatsächlich kommt es auch mal zu einem Sturz. Aber die Opfer rappeln sich entweder auf und fahren weiter oder werden von Müttern und Vätern an der Strecke eingesammelt. Die meisten fahren im Sitzen, die Wagemutigeren liegen auf dem Bauch, und die ganz Abgebrühten tragen sogar eine Rennbrille.

Warum, wird schnell klar, wenn man Benjamin Schröder am Start zuhört: „Wer bremst verliert, aber ab 100 km/h tränen die Augen.“

Den Start oben auf dem Hirschberg in 450 Meter Höhe koordiniert Schröder zusammen mit Peter Nitschke per Funk, während unten am Ziel nach dem Startkommando die Stoppuhr mitläuft.

Am schnellsten blieb die übrigens gestern bei Mike Müller stehen, der die Strecke fast fliegend in 24,1 Sekunden zurücklegte und damit auch den vierfachen Gewinner Theo Hohmann hinter sich ließ. Der 74-jährige Harleshäuser brauchte in diesem Jahr 25,3 Sekunden und wurde am Ende starker Dritter: „Ich bin Allroundsportler, aber die Schlittenmeisterschaft wollte ich in diesem Jahr auf alle Fälle wieder in Angriff nehmen.“

Infos und Ergebnisse unter www.skiclub-helsa.de

Von Martin Scholz

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