Der Caldener Stefan Ortega bleibt bei 1860 München und will von der Ersatzbank zurück ins Tor

„Will wieder Nummer 1 werden“

Zurück zu den Wurzeln: Auf dem Caldener Trainingsplatz lernte Stefan Ortega, wie ein Torwart den Ball fängt. Foto: Hofmeister

Kassel. Zunächst war er Stammtorwart, aber nach dem zweiten Trainerwechsel hatte Stefan Ortega einen Stammplatz auf der Ersatzbank. Beim Zweitliga-Relegationsspiel gegen Holstein Kiel aber war der aus Calden stammende 22-Jährige dennoch am Ball. Als 1860 München in der Nachspielzeit 2:1 in Führung gegangen war, schnappte sich Ortega den Ball und schoss ihn auf die Tribüne. Dafür sah er die Gelbe Karte, aber es verging wertvolle Zeit, die der Schiedsrichter nicht nachspielen ließ. So trug auch der Ersatztorwart zum Klassenerhalt bei. Wir haben Stefan Ortega, der gerade seine Eltern besucht, in Calden getroffen.

Herr Ortega, Sie kommen direkt von einem Kurzurlaub aus Italien. Haben Sie sich gleichzeitig nach einem neuen Verein umgesehen?

Stefan Ortega: Nein, ein neuer Verein ist derzeit kein Thema. Ich habe einen Vertrag bis 2017 bei 1860 und will bei den Münchnern wieder die Nummer 1 im Tor werden.

1860 München wurde als Aufstiegsaspirant gehandelt, hat aber nun mit viel Glück und knapper Not den Klassenerhalt geschafft. Was ist schiefgelaufen?

Ortega: 1860 hatte vor der vergangenen Saison 13 neue Spieler verpflichtet, und es war für den neuen Trainer Ricardo Moniz schwierig, möglichst schnell eine Einheit zu formen.

Sie waren zu Beginn der Saison Stammtorwart, der gute Noten bekommen und positive Kritiken eingeheimst hat. Dennoch wurden Sie nach dem zweiten Trainerwechsel von Mark von Ahlen zu Torsten Fröhing auf die Ersatzbank verbannt. Hat der neue Trainer mit Ihnen über seine Maßnahme gesprochen?

Ortega: Fröhling musste irgendetwas ändern, und ein Torwartwechsel fällt eher auf, als der Austausch eines Feldspielers. Angeblich hatte die Entscheidung nichts mit meiner Leistung zu tun. Jedenfalls hat Vitus Eicher, der für mich in die Mannschaft gerückt ist, ordentliche Leistungen geboten, und der Trainer sah keinen Grund nochmal zu wechseln.

Ein Mitarbeiter des Vereins, der nicht genannt werden will, hat gesagt, die Mannschaft sei völlig kaputt. Hat er recht?

Ortega: Es gab Gruppenbildungen, und nach dem letzten Serienspiel in Karlsruhe hat es in der Kabine ordentlich gekracht. Aber dann haben wir uns im Hinblick auf die Relegationsspiele zusammengerauft.

Sie sind kürzlich beim Training von Ihrem Mitspieler Rodri geohrfeigt worden. Eine typische Szene für das Klima innerhalb der Mannschaft?

Ortega: Nein, denn so etwas passiert in jedem Verein, aber bei uns lagen vor den Relegationsspielen gegen Kiel die Nerven blank. Bei dem erwähnten Training ging es hart zur Sache. Ich habe ihn gefoult, er hat mich geohrfeigt.

Auch Rodri wird vermutlich bei 1860 bleiben. Glauben Sie ernsthaft, dass sich das Klima innerhalb der Mannschaft verbessert?

Ortega: Ich hoffe, dass wir alle aus unseren Fehlern gelernt haben, denn wir wollen so eine Saison natürlich nicht nochmal erleben. Aber um erfolgreich zu sein, müssen wir uns wirklich zusammenraufen. Eine gute Gelegenheit dazu haben wir beim Trainingslager in Österreich.

Sie waren 2014 mit Arminia Bielefeld in der Relegation gegen Darmstadt dramatisch aus der 2. Liga abgestiegen. Gab es in den Spielen gegen Kiel den Gedanken, dass Sie ein Relegations-Unglücksbringer sind?

Ortega: Es sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen, aber der Gedanke an das Darmstadtspiel hat mich nicht mehr losgelassen, seitdem feststand, dass 1860 in der Relegation antreten musste. Ich habe mich aber auch daran erinnert, dass - Darmstadt hatte es uns vorgemacht - in der Relegation alles möglich ist. Nach dem Ausgleichstreffer zum 1:1 war mir aber klar, dass das Spiel noch zu unseren Gunsten ausgehen würde.

Von Gerd Brehm

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