Ein Interview über Kreuzbandrisse, Kritik und die WM in Kanada

Fußball-Nationalspielerin Bartusiak: „Wir laufen nicht hinterher“

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Dauergast in Bad Hersfeld: Saskia Bartusiak, hier links in einem Punktspiel gegen Münchens Isabell Bachor, und das Team des FFC Frankfurt bestreiten erneut ein Trainingslager.

Frauenfußball-Bundesligist FFC Frankfurt - der aktuelle Champions League-Sieger - bestreitet in dieser Woche im vierten Jahr in Folge ein Trainigslager in Bad Hersfeld. Ein Interview mit Nationalspielerin Saskia Bartusiak.

Frau Bartusiak, Sie sind in Frankfurt geboren und privat wie fußballerisch bisher immer dort geblieben. Werden Sie Ihre Karriere auch am Main beenden oder liebäugeln Sie noch mit einer anderen Herausforderung? 

Saskia Bartusiak: Mein Vertrag läuft bis 2016, dann habe ich erst mal die Olympischen Spiele im Blick. Was danach passiert kann man nicht vorhersagen, prinzipiell kann ich mir aber alles vorstellen: vielleicht noch ein Jahr in Frankfurt zu spielen, vielleicht auch ganz aufzuhören, vielleicht noch einmal woanders hinzugehen.

Im Juni des letzten Jahres erlitten Sie einen Kreuzbandriss, der einen zehnmonatigen Ausfall zur Folge hatte, dennoch war ein Rücktritt kein Thema. Wie motiviert man sich in solch einer schwierigen Zeit? 

Bartusiak: Klar ist man nach so einer krassen Diagnose geknickt und geschockt, vor allem auch, weil einem niemand garantieren kann, dass man auf dem Niveau wieder Fußballspielen wird. Ich habe mir aber schnell das Ziel gesetzt, dass ich die WM spielen will und daran habe ich mich in der gesamten Reha-Phase orientiert. Ich glaube ich hatte sehr wenige Tage, in denen ich nicht gut drauf war, stattdessen habe ich die Situation einfach angenommen wie sie ist und bin ja dann letztlich auch belohnt worden.

Das ist wahr, die Saison endete mit dem Champions-League-Sieg. Trotzdem sind die Zeiten, in denen der FFC praktisch ein Abo auf den Titel hatte, vorbei. Ist das ein Zeichen, dass andere Vereine aufgeschlossen haben und der Frauenfußball an Wert gewonnen hat? 

Bartusiak: Auf jeden Fall. Man muss anerkennen, dass sehr viele Vereine wirklich gute Arbeit geleistet haben. Ich glaube es spricht für den Frauenfußball, dass in der Breite mehr Mannschaften die Favoritenrolle haben und es auch um die Meisterschaft sehr eng wird. Nehmen wir beispielsweise Wolfsburg oder München: Das sind zwei erfolgreiche Mannschaften, die aus großen Männervereinen kommen. An beiden sieht man, dass mit der nötigen Unterstützung etwas Großes entstehen kann.

Damit einhergehend steigt natürlich das öffentliche Interesse, womit in der Regel auch die Zahl der Kritiker wächst - so auch zuletzt bei der WM. Wie geht man als Spielerin damit um, verschließt man da lieber Augen und Ohren? 

Bartusiak: Das muss man ein bisschen differenziert sehen. Wenn man selbst so ein Turnier spielt, alles hautnah miterlebt und viele Interna kennt, beurteilt man viele Dinge natürlich anders als Leute, die nur von außen schauen. Im Prinzip gehört Kritik aber dazu, wobei ich mich im Turnier selbst eigentlich nicht so sehr damit beschäftige. Ich sitze nicht auf meinem Zimmer und lese alle Artikel. Ich konzentriere mich lieber auf das Wesentliche, also das Training, die Spiele und die Mannschaft.

Können Sie also im Nachhinein sagen: Die WM ist zufriedenstellend abgehakt? 

Bartusiak: Für mich absolut. Ich glaube es ist so ein deutsches Ding, dass man nur mit Titeln zufrieden ist. Im Vorfeld der WM wurde öffentlich gesagt, dass das Turnier bei Erreichen des Halbfinals und der Olympia-Qualifikation erfolgreich ist, doch obwohl wir das geschafft haben, haben im Nachhinein nur noch sehr wenige von einem erfolgreichen Turnier gesprochen. Es war vielleicht kein sehr gutes Turnier und man muss Dinge ansprechen, analysieren und verbessern. Ich bin jedoch weit davon entfernt zu sagen, dass wir ein schlechtes Turnier gespielt haben und gewissen Nationen hinterher laufen.

Mit der Nationalmannschaft ist das nächste Ziel Olympia 2016. Und im Verein?

Bartusiak: Meine Ziele sind, dass ich jetzt in der Vorbereitung gesund bleibe, mal wieder eine Saison durchspielen und der Mannschaft helfen kann. Natürlich stecken wir uns als FFC Frankfurt immer hohe Ziele, aber ich persönlich bin niemand, der sagt: Wir müssen Meister werden, die Champions League gewinnen und den DFB-Pokal dann auch noch holen - auch wenn wir das natürlich gern wollen.

Saskia Bartusiak (32) kennt Bad Hersfeld gut. Die Großeltern der gebürtigen Frankfurterin lebten in der Festspielstadt, ihr Vater ist dort geboren und aufgewachsen. Bartusiak, die ihr Sportwissenschaften-Studium 2011 erfolgreich abschloss, spielt seit 2005 beim FFC. Sie gewann mehrfach die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League und ist Doppel-Europa- und Weltmeisterin. Bartusiak hat bislang 85 Länderspiele für Deutschland absolviert.

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