„Beckenbauer könnte vieles aufklären“

WM-Affäre: Das sagt die Region

Wolfgang Niersbach (links), Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, und sein Vorgänger Theo Zwanziger auf einem Archivbild nach einer Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

Kassel. Jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen in der Frage, ob bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Wir wollten von Spielern, Trainern und Funktionären wissen, welche Gedanken und Empfindungen der Wirbel um die Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland in der Region auslöst. Hier die Antworten:

Friedhelm Janusch

Friedhelm Janusch (Trainer der TSG Sandershausen): „Ich finde es schäbig, wie dieses Thema in der Öffentlichkeit ausgetragen wird. Aus meiner Sicht ist es nicht zu verstehen, wie sich Theo Zwanziger verhält. Zumal er selbst involviert ist. Ich bin mit Herz und Seele beim Fußball. Doch Leute wie Zwanziger oder auch Sepp Blatter lieben den Fußball nicht, sie schaden ihm nur. Ich habe sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern schon einige WM-Spiele im Stadion gesehen. Die beste WM war die hierzulande. Es wäre bedenklich, wenn ein Land wie Deutschland, das tolle Stadien hat, so ein Turnier gekauft haben sollte.“

Jan-Philip Leupold

Jan-Philip Leupold (Kapitän von Kreisoberligist TSV Ihringshausen): „Man bekommt den Wirbel mit, aber er geht mir nicht nahe. Ich beschäftige mich kaum mit der Angelegenheit, weil es ohnehin momentan meist um Spekulationen geht und nichts bewiesen ist. Mit unserem Vereinsfußball hat das meiner Ansicht nach nichts zu tun. Das sind zwei völlig unterschiedliche Bereiche.“

R. Schweinebraten

Reiner Schweinebraten (Mitglied des Kreissportgerichts): „Herr Zwanziger sollte bei seinen Anschuldigungen daran denken, dass er in der fraglichen Zeit DFB-Präsident war. Er ist für mich ein Brunnenvergifter. Im Moment ist schließlich nichts bewiesen. Mich stört, dass Herr Beckenbauer ziemlich stillhält. Er könnte vieles aufklären.“

Rainer Rethemeier

Rainer Rethemeier (Abteilungsleiter des OSC Vellmar und Trainer der U 23): „Jeder, der sich für Fußball interessiert, interessiert sich auch für diese Angelegenheit. Es wäre weltfremd und blauäugig zu glauben, die Vergabe eines großen internationalen Sportereignisses verliefe auf korrekten Wegen. Darüber, wer im Fall der WM in Deutschland die Finger im Spiel hatte, kann und darf sich allerdings derzeit niemand ein Urteil erlauben. Falls es sich erweist, dass der DFB für die Vergabe gezahlt hat, ist das nichts anderes als bei der Fifa, der Uefa und anderen Verbänden in aller Welt. Schlimmer ist, dass für den DFB der Amateurfußball kaum mehr zählt, sondern nur noch der Profibereich. Erstaunlich finde ich, dass Franz Beckenbauer, der früher machen konnte was er wollte, nun, da er in die Enge getrieben wird, so ängstlich reagiert.“

Jan Hille

Jan Hille (Kapitän von Gruppenligist TSG Wattenbach): „Mich lässt das Thema nicht kalt. Ich war immer relativ stolz auf den deutschen Fußball, ein bisschen zu vergleichen mit deutscher Wertarbeit. Jetzt bekommt das Ganze einen bitteren Beigeschmack. Der DFB, der selbst schon einmal mit dem Finger auf andere gezeigt hat, gibt selbst ein schlechtes Bild ab. Ich glaube allerdings nicht, dass die WM gekauft wurde. Wolfgang Niersbach habe ich im Freundeskreis immer als guten Kandidaten für das Amt des Fifa-Präsidenten gesehen. Bitter, dass er auch da mit drinsteckt. Und seine Aussagen finde ich insgesamt ein bisschen schwammig.“

Alfons Noja

Alfons Noja (Trainer der A-Junioren des KSV Hessen): „Ich möchte mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und halte mich mit einer Aussage zurück. Allerdings würde ich sehr wünschen, dass alles aufgeklärt wird und an den Gerüchten nichts dran ist. Aber im Moment sieht es ja nicht so gut aus.“ Fotos:  nh

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