Fast fünf Jahrzehnte für das Kinderturnen

Karin Otto ist beim MTV Moringen kaum wegzudenken

Schreibtisch statt Turnmatte: In der Sporthalle darf Karin Otto mit den Kindern wegen der Corona-Pandemie aktuell nicht üben. Da nutzt sie die Zeit für Büroarbeiten.
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Schreibtisch statt Turnmatte: In der Sporthalle darf Karin Otto mit den Kindern wegen der Corona-Pandemie aktuell nicht üben. Da nutzt sie die Zeit für Büroarbeiten.

Generationen von Mädchen und Jungen haben bei Karin Otto ihre ersten Turnübungen gemacht.

Moringen - Und immer wieder begrüßt die Übungsleiterin des MTV Moringen in ihren Eltern-Kind-Gruppen Mütter und Väter, die ihrerseits auch schon im Kleinkindalter bei ihr in den Gruppen durch die Sporthalle getobt sind. In mittlerweile kaum zu glaubenden 48 Jahren Übungsleitertätigkeit ist Karin Otto zu einer geliebten und geschätzten Institution geworden. Dass sie inzwischen schon 78 Jahre zählt, sieht der fitten Frau niemand an. „Sport hält jung“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln.

Zu der Aufgabe kam Karin Otto, weil sie ihren Berufswunsch, Sportlehrerin zu werden, nicht verwirklichen durfte. „Mein Vater hat zu mir gesagt: Du lernst Drogistin.“ Er betrieb damals in Moringen die Drogerie Diezemann. Doch vom Sport blieb sie fasziniert und als sich 1972 die Gelegenheit bot, stieg sie in die Übungsleitertätigkeit ein, absolvierte ungezählte Lehrgänge und war stets mit einer riesengroßen Portion Spaß bei der Sache. Diese Freude vermittelt die Mutter von zwei Kindern und Oma von zwei Enkeln nach wie vor.

Wegen der Corona-Pandemie ruhen die Treffen der Eltern-Kind-Gruppen zurzeit. Trotzdem hält sie den Kontakt zu Mädchen und Jungen und ihren Eltern aufrecht. So zum Beispiel, als sie vor Weihnachten kurzerhand eine corona-gerechte Geschenkaktion für die rund 120 Mädchen und Jungen in der Turn- und Tanzabteilung organisierte.

Der energiegeladenen Fachwartin fürs Kinderturnen im MTV steht ein ebenso engagiertes Team zur Seite. Bei Bedarf können sie zum Auf- und Abbau der Geräte bei den Übungsstunden zudem auf bis zu drei FSJ-ler zurückgreifen, junge Schulabsolventen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren.

Die Krabbel-Gruppenstunden montags von 16 Uhr bis 17 Uhr in der Moringer KGS-Sporthalle, jedenfalls soweit es Corona zulässt, stürmen regelmäßig 30 Kinder plus jeweils ein Elternteil, meist die Mütter. Darunter sind nicht nur Moringer. Die Kinder kommen auch aus Einbecker Ortschaften oder Northeim. Da werden auch diverse Kilometer Anfahrt nicht gescheut.

Und dann geht es los: Purzelbäume schlagen, auf Bänken balancieren und rutschen, klettern, mit Bällen und Seilen spielerisch arbeiten. Überall gibt es etwas zu entdecken und auszuprobieren. Und dann pfeift Karin Otto einmal kräftig und alle bilden einen riesengroßen Singkreis. „Darauf warten immer schon alle.“ Es ist jedes Mal ein festes Ritual, welches zum Ausklang der Turnstunde gehört, wie das anschließende Krabbeln durch einen selbst genähten, langen Tunnel.

Karin Ottos Augen blitzen auf, wenn sie sagt, dass sie längst noch nicht ans Aufhören denkt. Allerdings mit einer ganz kleinen Einschränkung: „Wenn ich bei unserem Lied - Ich heiße August Fridolin und bin ein schwarzer Pinguin - nicht mehr hochkomme, dann höre ich auf“, sagt sie.

Denn da legen sich alle bäuchlings auf den Boden und beginnen mit Schwimmbewegungen wie beim Brustschwimmen im Wasser - und am Ende des Liedes springen alle auf.

Dieser Zeitpunkt dürfte aber noch in ziemlicher Ferne liegen. (Hans-Peter Niesen)

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