Northeim muss sich erst in der Verlängerung dem deutschen Vizemeister beugen

SuS kickt vor 10 000 Fans

Die Entscheidung: Während Gästekicker Tagliari die Arme in die Höhe reißt, müssen SuS-Keeper Kober und seine Mannschaftskameraden (von rechts) Raffel, Kassner und Scholz das letztlich entscheidende 0:1 erstmal verdauen. Archivfoto:  Paul/nh

Northeim. Der 16. Januar 1965 steht als größter Tag in der Geschichte des Northeimer Fußballs. An jenem Samstag vor exakt 50 Jahren wurden 10 000 Zuschauer in der damaligen Gustav-Wegner-Kampfbahn Zeuge, wie sich SuS Northeim im Spiel der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den amtierenden deutschen Vizemeister Meidericher SV (heute MSV Duisburg) erst in der Verlängerung mit 0:1 geschlagen geben musste.

Zu allem Unglück fiel der entscheidende Treffer erst in der 114. Minute und zudem noch durch ein Eigentor von Bernd Raffel, von dessen Rücken der Ball nach einer Faustabwehr von Torhüter Kober im eigenen Netz landete. Bis dahin hatte das von Spielertrainer Werner Dobrick hervorragend organisierte SuS-Abwehrbollwerk allen Angriffen mit Glück und Geschick getrotzt. Zwar fehlte bei den Zebras neben dem 1954er Weltmeister Helmut Rahn auch der damals aktuelle Nationalspieler Werner Krämer, ansonsten trat der deutsche Vizemeister von 1964 in Northeim aber in Bestbesetzung an.

Das größte Interesse zog Gästetrainer Rudi Gutendorf auf sich. Der als „Riegel-Rudi“ in die Geschichte eingegangene Gutendorf hatte mit seiner Defensivtaktik die Meidericher überraschend zur Vizemeisterschaft geführt. Und mit genau dieser taktischen Maßnahme bereitete die SuS-Elf dem hohen Favoriten große Schwierigkeiten. Meistbeschäftigter Akteur war Torhüter Horst Kober. „Die Pokalspiele gegen St. Pauli, Hildesheim und besonders gegen Meiderich vor mehreren tausend Zuschauern waren für uns alle und den ganzen Verein das größte Erlebnis“, sagt Kober, der insgesamt über 500 Spiele für SuS absolvierte. Die ebenfalls noch in Northeim wohnenden Peter Rode und Günter Scholz sind ebenso stolz, „dieses Stück Fußballgeschichte mitgeschrieben zu haben“.

In der Rhumestadt grassierte in jenen Tagen das Fußballfieber. Nie mehr danach stand Northeim so im Blickpunkt von Presse, Hörfunk und Fernsehen. „Die Meidericher haben uns bis zum Schluss ernst genommen. Bei einem Freistoß von Raffel zehn Minuten vor Ende der Verlängerung haben die eine Neun-Mann-Mauer aufgebaut“, erinnert sich Rode. Die Schusskraft des Northeimers hatte sich auch bis zum Bundesligisten herumgesprochen.

Am Ende kam der Gast mit einem blauen Auge davon. „Bei einem möglichen Wiederholungsspiel in Meiderich hätten die uns wohl auseinan- dergenommen“, sagt Scholz und kann auch 50 Jahre danach mit dem ehrenwerten 0:1 noch sehr gut leben. WEITERE ARTIKEL

Von Ottmar Schirmacher

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