2. Bundesliga

Trainer Gernot Weiss kam, übernahm und führte Kirchhof zum Klassenerhalt

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Mission erfüllt und das eigene „Trauma“ besiegt: Kirchhofs Interimstrainer Gernot Weiss.

Nach einer turbulenten Saison landete die SG 09 Kirchhof noch auf einem Nichtabstiegsplatz in der 2. Handball-Bundesliga. "Vater" des Klassenerhalts war Gernot Weiss, der den zurück getretenen Trainer Christian Denk ersetzte.

Wenn ein Trainer auf seine Karriere zurückblickt, bleiben bei den guten der Zunft Misserfolge mindestens genauso haften wie Erfolge. „Klar waren die Aufstiege mit Bad Wildungen und Kirchhof in die 1. Liga eine tolle Sache“, meint Gernot Weiss, der beide Mannschaften in die 1. Liga führte. Trotzdem nagte einer der wenigen Momente des Scheiterns am A-Lizenz-Inhaber. Der Abstieg 2014 mit der SG 09 in die 3. Liga nämlich, den er auf seine Kappe nimmt: „Da hatten wir dank der Spielerinnen, die ich geholt habe, eine Top-Mannschaft. Doch es hat nicht funktioniert.“

Umso zufriedener ist der 53-Jährige, dass er in der aktuellen Saison diesen Fehler wieder gut machen konnte. „Jetzt sind wir quitt“, erklärt er nach der erfolgreichen Mission Klassenerhalt beim heimischen Handball-Zweitligisten. Den hatte er als Nachfolger des zurückgetretenen Christian Denk von Abstiegsplatz 14 auf Nicht-Abstiegsplatz 12 geführt. Tendenz steigend. Damit zieht sich der ehemalige Bundesliga-Spieler wieder zurück, „weil ich diesen Job zeitlich nicht mit meinen beruflichen Pflichten vereinbaren kann.“

Sein Comeback auf der Trainerbank nach seinem Rückzug 2017 war fulminant. Weil er bei einer völlig verunsicherten Mannschaft eine Wandlung bewirkte, die selbst eingefleischte SG-Fans mit größter Verwunderung quittierten. 92 Gegentore hatte die Kirchhoferinnen in den letzten drei Spielen vor Weiss kassiert, 67 in den ersten drei mit ihm. Und waren damit unter der von ihm vorgegebene Grenze von 25 pro Spiel geblieben. Die hielt der erfahrne Coach für „schwierig, aber machbar“. Und für die Voraussetzung wieder erfolgreich zu sein. Was dann auch prompt, mit drei Siegen in Folge, gelang.

Handtuch-Deckung als Erfolgsrezept

An der eigenen Defensive anzusetzen war das Herzstück seiner Krisenphilosophie. In Einzelgesprächen erreichte er die Köpfe der Spielerinnen, appellierte an ihre „Einstellung und Körpersprache“ - Eigenschaften, „die man immer und sofort abrufen kann, weil sie allein eine Frage des Willens sind.“ Und die gleichzeitig die Basis dafür lieferten, dass sich der Gegner auf einmal mit dem Torewerfen viel schwerer tat.

Dazu gesellte sich seine „Handtuch-Theorie“: Als Verbund „wie ein Handtuch zu decken, das keinen Ball durchlässt“ (Weiss). Also immer komplett gegen die ballführende Spielerin zu verschieben, um so gegen sie Überzahl zu schaffen. Das schmeckte besonders dem gegnerischen Rückraum überhaupt nicht, barg aber die Gefahr größerer Räume für die Außen. Doch da war ja noch der „Neustart“ der Nela Zuzic, die sich endlich als die erhoffte Verstärkung im SG-Tor entpuppte. Und zu großer Form auflief.

Die Konsolidierung der Defensive und der Verzicht auf Abwehr-/Angriffswechsel führten prompt zur Wiedergeburt der ersten und zweiten Welle und sorgte für neues Selbstvertrauen im Positionsangriff. Der agierte fortan wesentlich dynamischer. Auch dank des verwirrenden Wechselspiels zwischen Sina Ritter und Mariel Beugels, was Diana Sabljak mehr Räume verschaffte, die die Torjägerin effektiv nutzte. Zudem drehte Jana Schaffrick auf. „Sie hat sehr viel sehr intelligent umgesetzt“, lobt der SG-Coach seine Kreisläuferin, die sich als eine Bank im Gegenstoß, als immer anspielbereite Vollstreckerin aus der Nahwurfzone und als aufopferungsvolle Arbeiterin für ihre Rückraumkolleginnen profilierte.

Und trotzdem gab‘s schwächere Phasen, die an eigentlich überwunden geglaubte Defizite erinnerten. Dann trat Gernot Weiss auf den Plan. Energisch, klar, überzeugend. Wie gegen Rödertal. Da führten die Gäste nach 20 Minuten 11:7, schien sich ein gemütlicher Spaziergang für sie in Nordhessen anzubahnen. Ehe nach einer Auszeit des Trainer die „neue SG“ auf den Plan trat - und mit 37:25 gewann. „Die Spielerinnen haben mir geglaubt“, sagt der Retter, der nun mit sich im Reinen ist.

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