Die neuformierten American Footballer aus Schwalmstadt haben viele Zuschauer, aber noch keine Punkte

Aus Anfängern werden Krieger

Abteilungsleiter und Coach: Marcus Theis.

Treysa. Zwei Reihen kräftiger Männer stehen sich gegenüber, die jeweils ersten laufen aufeinander zu. Es scheppert, als sie zusammenprallen. Beide rappeln sich wieder auf, die nächsten zwei starten. Tackle-Training bei den Schwalmstadt Warriors ist angesagt.

Trainiert wird American Football, eine Sportart, die insbesondere jenseits des Atlantiks populär ist. Auch in Deutschland ist der Sport mit dem „Ei“, wie das ovale Spielgerät genannt wird, längst keine Randsportart mehr. Dass in der Schwalm vor fast 30 Jahren bereits erfolgreich American Football gespielt wurde und die Warriors einer der ältesten Vereine Deutschlands sind, ist jedoch vielen nicht bekannt.

Einer der schon damals Aktiven ist heute Abteilungsleiter. „Wir haben eine Tradition wiederbelebt“, sagt Marcus Theis (47), der als Defensive End immer noch aktiv ist. An seiner Seite auf dem Feld: die Söhne Jannis und Louis, Abwehrspieler wie ihr Vater. Es geht familiär zu bei den Footballern, Heimspiele werden als „Family Gameday“ angekündigt. Vielleicht ist das ein Grund, warum es im Umfeld so viel Zuspruch gibt. „Im ersten Heimspiel hatten wir 750 Zuschauer im Stadion“, sagt Theis stolz.

Für die Anhänger wird mit Cheerleadern, den „Grace Cats“, Event-Charakter geboten. „Die Unterstützung für unser Team ist riesig“, lobt Marcus Dietz-Grube, in den Anfangszeiten ebenfalls Spieler und heute der Head Coach, also der „Chef“ des Trainerstabes. Und hat in dieser Funktion selbst während des Gesprächs ein waches Auge auf seine Schützlinge: „Kopf hoch beim Kontakt, sonst tut nachher der Nacken weh“.

Noch keinen Sieg

Unterdessen sind auch aus der anderen Platzhälfte Kommandos zu hören. Links trainieren die Running Backs die Ballübernahme vom Quarterback, rechts laufen die flinken Wide-Receiver ihre festgelegten Routen und werden dabei von Offensivtrainer Chris Losekant korrigiert. Jedes Footballteam besteht aus Mannschaften innerhalb der Mannschaft, funktioniert am Ende aber nur im Kollektiv. Eine Besonderheit, der auch im Training Rechnung getragen wird. Gruppenarbeit ist gefragt. Defense-Spieler müssen anders trainieren als solche, die bei eigenem Ballbesitz auf Punktejagd gehen. „Zusammenhalt, Disziplin und Kameradschaft macht unseren Sport aus“, sagt Dietz-Grube. Nur wenn jeder in seinem speziellen Bereich alles gibt, können die Warriors am Ende gemeinsam erfolgreich sein.

Einen Sieg gab es in der ersten Saison noch nicht. Kein Wunder, denn im Gegensatz zur Konkurrenz in der Verbandsliga sind die meisten Schwälmer Rookies (Anfänger). Da sind Niederlagen vorprogrammiert. Was dem Spaß an der Sache keinen Abbruch tut und das Jubeln nur auf anderer Ebene stattfinden lässt. Über die ersten erzielten Punkte beim 13:49 bei den Saarland Hurricanes II durch Paul Bullachs Touchdown zum Beispiel. Oder auch nur darüber, dass bisher eher wenig sportlich Aktive Platz finden im Team. Denn bei den Warriors ist zwischen 18 und 47 Jahren sowie 50 und 150 Kilogramm Lebendgewicht alles am Start.

Die zweistündige Übungseinheit neigt sich dem Ende zu. Ein gemeinsames Spieltraining zum Abschluss ist an diesem Abend nicht möglich. „Wir haben heute keine schlagkräftige Defensive zur Verfügung“, entschuldigt der Head Coach seine Protagonisten. Einige haben Blessuren, wie Stamm-Quarterback Sergej Gildenberg, andere müssen arbeiten. Aber am kommenden Sonntag werden sie alle wieder dabei sein, selbst wenn es verletzungsbedingt nur zum Anfeuern der Kameraden ist. Dann geht es im letzten Heimspiel der Saison um 15 Uhr im Schwalmstadion zum Kickoff gegen die Saarland Hurricanes II.

Von Michael Koch

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