Meister mit Bad Wildungen und Fritzlar

Bibiana Huck hat vorbildliche Handball-Karriere beendet

Bibiana Huck traf für den SV Germania Fritzlar zuverlässig vom Punkt.
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Volle Konzentration: Bibiana Huck traf für den SV Germania Fritzlar zuverlässig vom Punkt.

So war das nicht geplant: Eigentlich wollte Bibiana Huck Fußballerin werden und träumte von einer Laufbahn in Mittelfeld und Sturm. Doch weil es in ihrer Kindheit in Baden Württemberg keinen Verein in der Nähe gab, gab sie dem Handball eine Chance.

Fritzlar/Bad Wildungen – 2001 begann sie zwar ziemlich spät, startete dann aber durch. Über die Landesauswahl ging sie ins Internat nach Bad Wildungen, wurde mit der HSG 2011 Zweitliga-Meister, mit dem SV Germania Fritzlar zweimal Drittliga-Meister und mauserte sich zu einer der treffsichersten Linkshänderinnen der Region. Doch nun ist Schluss mit Leistungssport.

Im April wird Huck zum ersten Mal Mutter

„Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, freut sich die 30-Jährige, die im April zum ersten Mal Mutter wird. Und die sich dann nach diversen Verletzungen und vor allem zwei Kreuzbandrissen, „von denen ich mich nie richtig erholt habe“, nicht noch einmal in der Vorbereitung quälen möchte. „Bibi war immer ein Vorbild, das sich durch Leistung auszeichnete“, sagt der Sportliche Leiter Steffen Schmude und hofft, dass Huck irgendwann – vielleicht als Jugendtrainerin – einen Posten bei der Germania übernimmt.

Zumal mit Hucks Abschied eine Ära in Fritzlar zu Ende geht. Die nämlich der Spielerinnen, die von Nachbar HSG Bad Wildungen wechselten und der Germania über ein Jahrzehnt dauerhaft Platzierungen unter den Top 5 in der 3. Liga garantierten. Torfrau Vanessa Maier und Rückraum-Ass Esther Lieber (früher Meyfarth) bildeten lange sogar mit der Rechtsaußen eine Fahrgemeinschaft.

Treue gegeben und zurückbekommen

„Für mich war es besonders wichtig, dass der Stamm von Jahr zu Jahr gleich blieb. Wir haben dem Verein Treue gegeben und zurückbekommen“, lobt Huck und liefert gleichzeitig einen Grund, warum sie verschiedene Anfragen aus der 1. und 2. Bundesliga ablehnte.

Denn per Tempogegenstoß und Siebenmeter war sie von 2012 bis 2020 eine Außen mit Torgarantie. Zwischen 66 (2015) und 105 (2018) Tore gelangen ihr konstant in jeder Saison. Persönliche Bestmarke ist 13/8 in einem Spiel – beim 34:26 in Menden-Lendringsen am 9. März 2013. Das war zu Zeiten von Trainerin Susanne Bachmann, als sie bei der Germania gerne mal eine Halbzeit verschliefen, um dann die Gegner förmlich zu überrennen. Auch dank einer flinken Flügelzange, die von Huck und ihrem Vorbild gebildet wurde: Jessica Kleinmann. „Mit ihrer Sprungkraft und Schnelligkeit war Jessy eine Klasse für sich. Da macht es mich schon stolz, dass sie auf links gegangen ist, damit ich auf Rechtsaußen bleiben konnte“, sagt die Linkshänderin.

Zwei Jahre zuvor war für sie an Kleinmann und Annika Busch kein Vorbeikommen. Da spielte Huck „vielleicht 30 Minuten in der gesamten Saison“ in der 2. Liga auf dem Weg zur Meisterschaft mit der HSG. Dennoch hat sie von ihrem damaligen Coach Gernot Weiss einiges mitgenommen: Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und das Leistungsprinzip. Überhaupt, rumänische Trainer ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere. Cosmin Popa hieß der Mann, der 2006 die Nummer der deutsch-philippinischen Familie wählte, um das 15-jährige Talent von einem Wechsel ins Internat nach Bad Wildungen zu überzeugen. „Dann bin ich durch die Stadt gegangen, habe viele Kurgäste gesehen und dachte: Oh je. Aber jetzt fühle ich mich als Hessin glücklich“, sagt sie.

Auch als Sängerin viel Talent

Und ist ob des Makels, sich trotz der Meisterschaften nie in der 2. Liga beweisen zu können, mit sich im Reinen. Daran hat auch der rumänische Trainer Nummer drei seinen Anteil, der aktuelle Germania-Coach Lucky Cojocar. Der sah in Bibiana Huck nicht „nur“ eine Gegenstoßspezialistin und sichere Siebenmeterwerferin, sondern auch eine feine Handballerin. Einen anspielbaren Ruhepol auf Außen, aber auch eine Alternative für den Rückraum. Die Position, die sie solange spielte, bis „ich 1,64 m groß wurde und nicht mehr wachsen wollte“, wie sie augenzwinkernd betont.

Überhaupt, in der Domstadt wird der Karnevals-Fan wegen vielerlei Begabungen in Erinnerung bleiben. Etwa als „Goldkehlchen“, das aus einem Saisonabschluss mit Balladen einen emotionalen Höhepunkt macht. Und als die wohl einzige Spielerin, die sich in einer Partie gleich beide Hände brach, weil sie in Blomberg voller Adrenalin nach der ersten Verletzung einfach weitermachte. Dass sie bei den Trainingszeiten oder beim Treffpunkt schon mal durcheinander kam, geschenkt. „Bibi ist ein Mensch, dem man von Herzen alles gönnt“, betont Steffen Schmude. (Sebastian Schmidt)

Zur Person:

Bibiana Huck (30) wurde in Bühl (Baden-Württemberg) geboren und lebt seit 2006 in Bad Wildungen. Als Handballerin reifte sie von 2006 bis 2011 bei den Südwaldeckerinnen, ehe sie beim SV Germania Fritzlar ihre sportliche Heimat fand. Mit der Germania wurde die Linkshänderin 2016 und 2020 Drittliga-Meisterin. Dabei war sie mit 102/60 (2016) und 75/12 (2020) Toren jeweils die treffsicherste Spielerin Fritzlars. Huck arbeitet als Verwaltungs-Fachangestellte in einer Rehaklinik in Bad Wildungen, hat zwei Brüder und ist privat in festen Händen. 

Vorbild: Jessica Kleinmann (l.) und Bibiana Huck wurden mit Wildungen 2011 Zweitliga-Meister.

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