SG-Trainer hat seine Philosophie erfolgreich umgesetzt - von Ex-Chefs gelernt

Denks großer Karriereschritt

Im Freudentaumel und nach der Sektdusche: Kirchhofs Erfolgstrainer Christian Denk. Foto: Kasiewicz

Kirchhof. Vom Assistenz- zum Chef- und Aufstiegstrainer: Diese rasante Entwicklung hat Christian Denk in nur 16 Monaten durchgemacht. In denen aus einer leblosen Mannschaft noch ein würdiger Absteiger aus der 2. Liga und wieder ein hoffnungsvoller Kandidat fürs Handball-Unterhaus wurde. So liest sich die Erfolgsgeschichte des Trainers der SG 09 Kirchhof, die nach nur einem Jahr wieder in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt ist.

„Früher als gedacht“, wie der SG-Coach bekennt, „auch wenn der Aufstieg auf unserer Agenda stand.“ Zu Beginn der Saison wollte er sich noch von seiner Mannschaft „überraschen lassen“, doch nach dem goldenen Oktober mit glanzvollen Siegen gegen die Mitkonkurrenten Fritzlar und Altlandsberg war aus dem erwarteten Vier- ein Zweikampf um den Titel geworden. Plötzlich war die Aufstiegshoffnung da, genährt aus eigenen Erfolgen, auch wenn gegen das Berliner Ausnahmeteam kein Kraut gewachsen war. Die Vize-Meisterschaft reichte schließlich zum Aufstieg. Und der war verdient, „weil wir oft genug unsere Zweitliga-Reife nachgewiesen haben“ (Denk).

Genau die hatte die Mannschaft unter Vorgänger Christian Caillat nach dem Aufstieg 2015 vermissen lassen. Aus 13 Spielen nur einen Punkt geholt, ehe der „Co“ übernahm. Also das machte, wovor er sich nach dem Abgang von Meistertrainer Berchten noch geziert hatte. Aus Verbundenheit zum Junior-Team, das Christian Denk selbst gegründet und in die Oberliga geführt hatte. Und, „weil mir dieser Schritt noch zu groß erschien.“ Nun aber, in einer solchen „Notsituation“ musste der frühere Oberliga-Spieler ran - und begann alles umzudrehen, seine über die Jahre gewachsene Handballphilosophie umzusetzen.

Eine Mischung aus den jeweiligen Spezialitäten seiner Chefs wie Gernot Weiss und Markus Berchten sowie aus eigenen Vorstellungen. Heraus kam ein „kontrollierter Tempohandball“ basierend auf einer offensiven 6:0-Deckung.

Familienunternehmen

Keine Frage: Christian Denk ist ein interventionistischer Coach, bei dem jede Spielerin eine klar definierte Aufgabe hat. Was seine Schützlinge, wie der 33-Jährige weiß, schon mal „wahnsinnig nervt“. Doch sie sind ihm gefolgt, haben sein Konzept in der laufenden Saison mit Verstärkung - fünf reibungslos integrierte Neuzugänge - noch besser umgesetzt. Mit einem Trainer, der laut seiner langjährigen Spielerin Christin Kühlborn als Chef „noch emotionaler“ auftritt, diese Emotionen „aber auch aufs Spielfeld bzw. auf uns zu übertragen weiß.“

Dank des B-Lizenz-Inhabers ist die SG 09 endgültig zu einem reinen Familienunternehmen geworden: mit seiner Mutter Renate als SG-Leiterin und Vorgesetzte und seinem Vater Berthold als Sportlichen Leiter. Eine schwierige Konstellation? Ja und nein. „Natürlich reagieren wir bei Meinungsverschiedenheiten schon mal etwas impulsiver. Doch dafür kennen wir uns bestens, wissen genau, wie wir uns gegenseitig überzeugen können“, sagt der Sohn.

Einem möglichen Interessenskonflikt hat Christian Denk schon mal vorgesorgt: „Wenn ich sehe, dass ich dem Team nicht mehr weiter helfen kann, werde ich von mir aus gehen. Da braucht mich keiner zu entlassen.“ Ein Fall, der erstmal ausgeschlossen werden kann. Stattdessen scheint aus der anfänglichen „Notlösung“ eine verheißungsvolle Dauerlösung geworden zu sein. Auch wenn die nächsten Karriereschritte Denks wohl etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen werden.

Von Ralf Ohm

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