Interview mit Tischtennis-Jugendlehrwart Einarsson über eine dramatische Entwicklung

„Ein hessenweites Problem“

Im Tischtennis-Frauenbereich gibt es kaum noch Nachwuchs: Auch Annabelle Bey vom Verbandsligisten TTG Morschen-Heina muss sich auf unruhige Zeiten gefasst machen. Foto: Kasiewicz

Schwalm-Eder. Im Schwalm-Eder-Kreis soll mehr für den Tischtennisnachwuchs getan werden. Der erste Ansatz war ein Fragebogen, der an die Vereine geschickt wurde. Was es damit auf sich hat und wie die Zukunft der Sportart hier in der Region aussieht, verrät Kreisjugendlehrwart Ole Einarsson im Interview.

Herr Einarsson, Sie haben einen Fragebogen an die Tischtennisvereine im Schwalm-Eder-Kreis herausgegeben. Was hat es damit auf sich?

Ola Einarsson: Wir wollten sehen, wieviele Schülerjahrgänge 2004 und jünger in den Vereinen aktiv sind. Außerdem wollten wir überprüfen, ob die Vereine Interesse an einer weitergehenden Förderung ihrer Talente haben.

Wie war denn der Rücklauf?

Einarsson: Wir sind zufrieden. Im Tischtenniskreis gibt es etwa 50 Mannschaften, von denen 22 Jugendarbeit betreiben. Von diesen 22 haben 17 geantwortet. Allerdings haben nur fünf Vereine die Schülerjahrgänge 2004 und jünger. Die anderen 12 Vereine haben ältere Jahrgänge.

Was für Maßnahmen plant der Tischtenniskreis jetzt?

Einarsson: Wir müssen uns jetzt im Kreisvorstand beratschlagen, ob wir für die jungen Jahrgänge ein Sondertraining anbieten können. Da müssen wir sehen, inwieweit das finanziert werden kann. Der Großteil der Vereine ist interessiert daran, mit dem Kreis zusammenzuarbeiten. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Wo liegen die größten Probleme für die Tischtennisvereine?

Einarsson: Die Jahrgänge 2004 und jünger sind kaum noch vorhanden. Bei der anstehenden Kreismeisterschaft sind für diese Jahrgänge gerade einmal fünf Schüler gemeldet. Wir müssen mit der Talenteakquise einfacher früher anfangen.

Wie soll das gehen?

Einarsson: Das ist natürlich ein langer Prozess. Wichtig ist es dabei, die Grundschulen mit in das Boot zu holen. Für einen Tischtennisspieler liegt das ideale Eintrittsalter zwischen sieben und acht Jahren.

Wieviele Schülerinnen der Jahrgänge 2004 und jünger gibt es denn im Schwalm-Eder-Kreis?

Einarsson: Ich traue es mich kaum zu sagen: Null.

Null?

Einarsson: Leider. Das ist ein hessenweites Problem. Der Verband stellt mittlerweile sogar finanzielle Zuschüsse zur Verfügung, wenn reine Schülerinnenmannschaften von einem Verein gemeldet werden. Es spielen aber auch soziale Aspekte eine Rolle. Es reicht nicht mehr aus, nur ein Training anzubieten. Die Vereine müssen ein Sport- und Freizeitprogramm anbieten. Sonst wird Tischtennis eine reine Männersportart.

Herr Einarsson, wie sieht die Zukunft des Tischtennis hier im Kreis in fünf Jahren aus?

Einarsson: Das nächste halbe Jahr wird interessant. Wir sind jetzt mit den Vereinen in Kontakt getreten und können mit dem Jugendausschuss konkrete Maßnahmen erarbeiten. Aber sicher ist auch: Jugendarbeit braucht viel Zeit. Ich rate jedem Verein, mit den Grundschulen vor Ort in Kontakt zu treten. Jugendarbeit braucht Nachhaltigkeit, nur so kann eine Trendwende gelingen.

Von Daniel Schneider

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