Rückblick auf 2014

Eiterfelder Fußballer erlebten WM-Finale im Maracana-Stadion

Mit brasilianischer Fahne beim Finale im Maracana-Stadion: Christoph Stark (links) und Stefan Draut. Foto: nh

Freitagmorgen, 11. Juli 2014, 6 Uhr, Flughafen Frankfurt am Main. In einer vollbesetzten Airbus-Maschine sitzen Stefan Draut und Christoph Stark. Ein Rückblick.

Die beiden Fußballer, der eine stammt aus dem Niederaulaer Ortsteil Hattenbach, der andere aus Eiterfeld - beide helfen derzeit dem B-Ligisten Germania Fulda wieder auf die Beine zu kommen - sind sehr aufgeregt vor diesem Flug. Es geht nach Brasilien, Rio de Janeiro. Sie haben Karten für ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Nicht für irgendein Spiel, sondern für das Spiel der Spiele - das Finale: Deutschland gegen Argentinien. Draut gerät noch ein halbes Jahr später ins Schwärmen, wenn er von dem Trip nach Brasilien erzählt: „Wir hatten ja die Reise schon weit im Vorfeld geplant und gebucht. Aber dass wir Deutschland im Finale als Weltmeister erleben durften, war ein Geschenk des Himmels, vergleichbar mit sechs Richtigen im Lotto.“

Copacabana das erste Ziel 

Nach knapp 16 Stunden Flugzeit kommen sie in Rio an. Die Copacabana, der Urlaubsstrand am Meer, war gleich das erste Ausflugsziel. Großbildleinwände stehen an vielen Ecken des Strandes. Samstag sahen sie dort das Spiel um Platz drei, eine erneute Demütigung der Brasilianer, die gegen die Niederlande mit 0:3 verloren.

Dann Sonntag das Finale: Fünf Stunden vorher erst erhalten sie die Karten, fahren dann mit dem Taxi los. „Die letzten zwei Kilometer ins Maracana-Stadion sind wir zu Fuß gelaufen“, erzählt Stark.

Die brasilianischen Fußballfans sind auf der Seite der deutschen Schlachtenbummler. „Allemanha, Allemanha...“, rufen sie. Stark und Draut sind tief beeindruckt von der Welle der Sympathie, die der deutschen Elf von brasilianischer Seite entgegenschlägt.

Schließlich haben ausgerechnet die Deutschen den Südamerikanern im Halbfinale die schmerzlichste WM-Niederlage aller Zeiten nach dem Endspiel 1950 bereitet. Überdies sind die Argentinier in Brasilien verhasst. „Die Gauchos waren auch einige Male sehr aggressiv, obwohl ich keine Schlägerei beobachtet habe“, erzählt Draut. Und Stark fügt an: „Wenn Brasilien gegen Argentinien spielt, herrscht genauso eine Stimmung wie bei Deutschland gegen Holland.“ Allerorten wird deshalb Sicherheit groß geschrieben. Draut: „Wir sind auf dem letzten Kilometer bis ins Stadion fünfzehnmal kontrolliert worden.“

Sie sind lange vor dem Anpfiff des Endspiels im Maracana, sehen die über zweistündige WM-Abschluss-Show mit Sambakünstlern, Fußballjongleuren und jeder Menge südländisch Begeisterung an. Es ist einfach toll.

„Messi“-Alarm 

Dann der Anpfiff. Die ersten Attacken der Argentinier. Aber die Deutschen halten gegen, machen Dampf. „Je länger das Finale dauerte, desto mehr gewann unsere Elf die Oberhand“, fast Stark das Spiel zusammen. Alarm herrschte immer dann, wenn Messi am Ball war. „Im Fernsehen ist das gar nicht so rübergekommen, wie die deutsche Mannschaft gegen ihn gearbeitet hat“, so Draut. Unendliche Spannung - Verlängerung. Dann die 113. Minute, Schürrle flankt - Götze trifft. Die deutschen Fans im Maracana sind aus dem Häuschen. Schlusspfiff! Draut und Stark jubeln, halten die Handys und Fotoapparate hoch. Es sind Eindrücke, die sie ein Leben begleiten werden. Der Moment wird bis zur Neige ausgekostet. Sie gehören zu den Letzten, die in der Nacht das Maracana verlassen, feiern dann zusammen mit vielen Deutschen den WM-Sieg an der Copacabana bis in den frühen Morgen. Draut: „Wir haben Fans kennengelernt, die nur für das Finale gekommen sind und noch in der Nacht nach Hause geflogen sind.“

Nach dem überragenden Fußballevent reisen sie noch durch das Land. Sao Paulo ist ein nächstes Ziel. Unterwegs sieht nicht alles so vertrauenerweckend aus wie sie es aus Europa gewohnt sind. „Außerhalb der Städte ist Brasilien ein Dritte-Welt-Land“, schildert Draut die Tour. Trotzdem ist er überwältigt: „Die Freundlichkeit der Menschen ist riesengroß, obwohl sie sehr arm sind“, fügt Stark an. Auch diese Eindrücke der Reise werden bleiben.

Von Hartmut Wenzel

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