Viele Fans in der Bezirksliga B

FC Bad Zwesten hat erstmals ein Handball-Team

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Bad Zwestens erstes Handball-Team: (hinten von links) Trainer Michael Grieneisen, Thea Arndt, Nadja Stamm, Claudia Bachmann, Madleen Reichhardt, Kerstin Wiegand, Mandy Schrammel, Maxi Zapf, Melanie Stöcker, Lena Pundleiner, Alicia Weichbrot, Nicole Fischer, Betreuer Alexander Dersmann und (vorn von links) Jana Ritter, Rebecca Manß, Sonja Gellert, Jennifer Bachmann, Katharina Dersmann, Annika Zanko, Jennifer Schaumburg. 

Bad Zwesten. Katharina Dersmann, Kerstin Wiegand, Sonja Gellert, Mandy Schrammel und Jennifer Schaumburg sitzen im Biergarten und haben gute Laune. Und als beim Small Talk wiederholt das Wort „Handball“ fällt, macht bald eine Idee die Runde.

Zunehmend freunden sich die fünf jungen Frauen aus Bad Zwesten mit dem Gedanken an, ein Handballteam ins Leben zu rufen und beschließen, mit dem Präsidium des FC Rot-Weiß Bad Zwesten Kontakt aufzunehmen.

Weil es im Fußball-Club ihrer Heimatgemeinde keine Handball-Abteilung gab, haben Dersmann, Wiegand, Gellert, Schrammel und Schaumburg in verschiedenen Klubs Bälle gefangen und geworfen. Jetzt finden sie ihre Idee mit jedem Schluck Sekt besser und beschließen den Abend mit dem Vorsatz: „Machen ist wie wollen, nur krasser.“

Susanne Gatzke sitzt im Vorstand des FC Rot-Weiß, ist das erste Mitglied des Gremiums, das von der Idee des Quintetts hört und vermittelt schnell das Gastspiel von Katharina Dersmann bei einer Vorstandssitzung. „Spätestens als Katharina ihr Konzept vorgetragen hatte, war uns klar, dass hinter dieser Sache weit mehr als eine Sektlaune steckte“, sagt Gatzke, und Dersmann erklärt das Konzept: „Wir wollten mit einer Damenmannschaft beginnen, um später in Kooperation mit Schulen auch Jugendmannschaften zu bilden.“

Suche nach Spielerinnen

Zunächst aber beginnt die Suche nach Spielerinnen. Um den Fünf-Frauen-Kader schnell vergrößern zu können, dürfen Dersmann und Co. nicht wählerisch sein und sprechen auch Freundinnen an, für die die Sportart Handball ein Buch mit sieben Siegeln ist. Als Jennifer Bachmann beim ersten Training erscheint, hat sie noch nie einen Handball geworfen und lernt das Spiel – sagen wir – von der Pike auf.

Und da sie sich nie für Handball interessiert hat, kennt sie auch Michael Grieneisen nicht. Dass Grieneisen, der bei der HSG Bad Wildungen schon höherklassige Teams trainiert hat und zu Zweitliga-Zeiten Geschäftsführer war, nun den Zwestener Spielerinnen Werfen und Fangen beibringt, ist für die wie ein Sechser im Lotto.

Trainer als Glücksfall

Aber wie kommt es zu dem Engagement des erfahrenen Trainers? Glück der Mutigen haben Dersmann und Co., als sich Annika Zanko den Rot-Weißen anschließt. Annika ist Grieneisens Tochter und macht ihrem Vater dessen neue Aufgabe schmackhaft. Nun coacht Michael Grieneisen ein Team, in dem das Leistungsgefälle nicht größer sein könnte. Aber der Trainer hat – wie Jennifer Bachmann betont – auch den Anfängerinnen in Windeseile eine Menge beigebracht.

Ein ganzer Ort steht hinter dem Team

Beim Damenhandball in der Bezirksliga B, der untersten Klasse, hält sich die Begeisterung der Zuschauer normalerweise in Grenzen. Oft verlieren sich nicht mehr als zehn „Fans“ in der Halle, es hat aber auch schon Spiele gegeben, bei denen nur der Schiedsrichter, der Zeitnehmer und die Trainer zugeschaut haben. Aber nichts ist normal, wenn das Team des FC Rot-Weiß Bad Zwesten seine Auftritte hat. Die Zuschauerzahl (im Schnitt rund 80) ähnelt der Kulisse bei Fußballspielen der Hessenliga, und alle Fans haben immer gute Laune. Und nie fehlt eine besondere Attraktion am Spielfeldrand, wie die Kinder, die sich in Trikots mit der Rückennummer ihrer Mütter präsentieren. 

Zudem hat es gar nicht lange gedauert, bis die ersten Sponsoren gefunden wurden, welche die schmucke – dem Vereinsnamen zum Trotz – blaue Sportkleidung spendierten. Auch über die lokalen Politiker können sich Zwestens Handballerinnen nicht beklagen. Ohne das Engagement von Bürgermeister Michael Köhler wären die Trainingszeiten in der Sporthalle der Christopherus-Schule in Oberurff nicht möglich gewesen. Die Heimspiele werden dagegen in Borken ausgetragen. Sogar mit der sportlichen Bilanz sind die Handballerinnen nicht unzufrieden. 

In der Abschlusstabelle ziert der FC Rot-Weiß Bad Zwesten zwar das Tabellenende, aber in vielen Spielen lief es trotz widriger Umstände gar nicht so schlecht. Zum Leistungsgefälle gesellte sich das Verletzungspech, das bis zu fünf Spielerinnen zum Zuschauen verurteilte. Katharine Dersmann sagt: „Wenn die verletzten erfahrenen Spielerinnen wieder fit sind und die Anfängerinnen weiterhin so immense Fortschritte machen, dann haben wir das Potenzial, in der kommenden Saison weitaus besser abzuschneiden.“

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