Interview: Weltmeister Olaf Thon über sein Gastspiel mit der Schalker Traditionself in Obergrenzebach

„Gegner sollte nicht zu gut sein“

Freude pur: Schalkes Torhüter Jens Lehmann und Mannschaftskapitän Olaf Thon nach dem Ausgleichtreffer zum 2:2 beim Fußball-Bundesligaspiel Borussia Dortmund und Schalke 04 im Dortmunder Westfalenstadion vor 20 Jahren. Foto: dpa

obergrenzebach. Olaf Thon gehört zu den Identifikationsfiguren von Schalke 04. Aber er hat auch ein Ferienhaus in Ronshausen bei Bebra und freut sich bereits auf sein Gastspiel in Obergrenzebach. Dort wird der 51-Jährige am 27. Mai mit der Schalker Traditionself gegen eine lokale Auswahl antreten. Wir sprachen mit dem Fußball-Weltmeister des Jahres 1990 über Fußball in der Provinz, über die Situation im Bundesliga-Team und über seinen Abschied vom Schnurrbart.

Am 27. Mai kommt die Schalker Traditionself nach Obergrenzebach. Wie wichtig sind solche Gastspiele für den Revierklub?

Thon: Sehr wichtig. Wir sind schließlich Repräsentanten des gesamten Vereins. Deshalb versuchen wir uns auch fit zu halten für solche Spiele. Im Moment sind wir 16 Spieler, die in der Elf aktiv sind.

Wie gut ist denn die Traditionself drauf? Obergrenzebach wird aus der Kreisoberliga absteigen. Hat man vor solchen Gegnern überhaupt Respekt?

Thon: Aber hallo. Wir sind sehr bemüht und trainieren sogar einmal in der Woche. Klaus Fischer setzt noch immer den Fallrückzieher an, nur er trifft nicht immer. Daher sollte unser Gegner nicht zu gut sein. Wir achten schon darauf, dass kaum Spieler unter 35 mit dabei sind. Außerdem spielen wir nicht gegen noch aktive Mannschaften oder gegen 20-Jährige. Wir wollen Spaß haben und diesen für unser Publikum rüberbringen.

Sie selbst sind als Abteilungsleiter der Schalker Traditionself noch immer verbunden mit dem professionellen Bundesliga-Fußball. Was sagen Sie zum Tabellenplatz der Profis?

Thon: Das ist sehr enttäuschend. Keiner ist zufrieden. Schon gar nicht Sportdirektor Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl. Ein herber Schlag war natürlich auch das Ausscheiden gegen Ajax Amsterdam im Viertelfinale der Europa Leauge. Das entspricht nicht unseren Ansprüchen. Als Heidel und Weinzierl begonnen haben, hatten sie bereits darauf hingewiesen, dass es schwer wird. Dass es allerdings so schwer für uns wird, hätte keiner gedacht. Dennoch hoffe ich auf die Vernunft bei allen Beteiligten, damit wir endlich mal was aufbauen können auf Schalke.

Wie soll das gehen?

Thon: Nicht wieder in Hektik zu verfallen ist wichtig. Wir müssen auf Kontinuität setzen und nicht wieder die zentralen Personen rausschmeißen.

Kontinuität heißt also, dass man am Trainer und am Manager festhält?

Thon: Aus meiner Sicht schon. Am liebsten drei oder fünf Jahre. Von mir aus auch zehn. Die Gesetzmäßigkeiten des Profi-Fußballs sind mir allerdings auch bekannt: Mit einem teuren Kader muss man Erfolg produzieren. Für unsere Zukunft ist es nun wichtig, dass Christian Heidel weiß, was er will. Dann werden wir versuchen mitzuhelfen.

Hätten Sie Lust, es nochmal als Trainer zu versuchen?

Thon: Das ist zu den Akten gelegt, und dieses Eisen werde ich wohl auch nicht mehr anpacken. Ich habe 2004 meinen Trainerschein zusammen mit Jürgen Klopp erworben, dann aber den Absprung verpasst, direkt ins Trainer-Geschäft einzusteigen. Das eine Jahr in der NRW-Liga von 2010 bis 2011 mit dem VfB Hüls hat das bestätigt. Ich habe damals erkannt, dass meine Zukunft im operativen Geschäft bei Schalke 04 liegt.

15 Jahre nach dem Ende Ihrer Karriere ist Fußball immer mehr der Monopolist in der deutschen Sportlandschaft. Finden Sie das angemessen?

Thon: Auf alle Fälle. Diese Rolle hat sich der Fußball hart erarbeitet und er füllt sie zu Recht aus. Dennoch weiß ich um die Probleme, die das für andere Sportarten oder den Breitensport mit sich bringt, vor allem wenn es um Fernsehübertragungen geht. Der Fußball muss allerdings weiter bemüht sein, diese Rolle auch künftig auszufüllen. Der Umgang mit den Fans spielt dabei eine wichtige Rolle. Ziel muss es sein, dass keine andere Sportart an uns vorbeiziehen kann.

Auch sonst hat sich seit Ihrem Ausscheiden aus dem Profi-Fußball einiges geändert. Wieviele Profis waren eigentlich vor 20 Jahren tätowiert?

Thon: Ich würde mal sagen, dass es ganauso viele waren wie wir Ausländer im Team hatten: einer.

Und was hält der frühere Schnurrbartträger Olaf Thon von der Vollbartmode?

Thon: Ich bin kein Freund davon. Mich juckt es immer, wenn ich zu lange mit dem Rasieren warte. Auch ist bei mir der Bartwuchs nicht so stark, dass dies interessant aussehen könnte.

Warum haben Sie sich eigentlich von Ihrem Schnurrbart getrennt?

Thon: Dafür ist Mehmet Scholl verantwortlich, mit dem ich 1991 beim FC Bayern auf einem Zimmer war. Er hatte Geburtstag, und ich habe ihn nach seinem Wunsch gefragt. Mehmet hat sich gewünscht, dass ich mich von meinem Schnäuzer verabschiede. Daraufhin habe ich den Bart zur Hälfte wegrasiert und bin dann zum Mannschaftsessen gegangen. Jupp Heynckes fand das als Trainer allerdings gar nicht lustig und hat mich aufs Zimmer geschickt. Da habe ich dann die andere Hälfte wegrasiert.

Gerade bei den Blau-Weißen darf die Frage nicht fehlen: Wann wird Schalke Deutscher Meister?

Thon: Davon sind wir weit entfernt. Wir dürfen leider im Moment das Wort Meisterschaft nicht in den Mund nehmen. Jetzt wo wir noch nicht einmal die Möglichkeit haben, in der kommenden Saison international zu spielen, haben wir ganz andere Sorgen. Von großen und unrealistischen Zielen zu sprechen verbietet sich für uns.

Von Martin Scholz

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