Handball

Gensungens Linksaußen Benedikt Hütt beendet nach 28 Jahren Karriere - und beginnt ein „neues Leben“

Mal wieder durchgebrochen: Die Offenbacher David Rivic (l.) und Nils Lenort (verdeckt) haben in dieser Szene gegen Gensungens Benedikt Hütt das Nachsehen.
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Mal wieder durchgebrochen: Die Offenbacher David Rivic (l.) und Nils Lenort (verdeckt) haben in dieser Szene gegen Gensungens Benedikt Hütt das Nachsehen.

„Für mich beginnt ein ganz neues Leben“, sagt Benedikt Hütt. Das klingt nach Veränderung, großer Veränderung. Und wenn ein Vollblut-Handballer wie der 34-jährige Gensunger seine sportliche Karriere nach der abgebrochenen Saison 2020/2021 beendet, weil sein Knie aufgrund eines Knorpelschadens nicht mehr mitspielt, ist das sicherlich ein Einschnitt. Für ihn, seinen Verein ESG Gensungen/Felsberg und die Fans.

Gensungen - Doch es kommt noch heftiger. Der dienstälteste Edertaler im Team des heimischen Drittligisten ist vor ein paar Tagen Vater geworden. Freundin Virginia hat einen Jungen, Liam Benett, zur Welt gebracht. „Alle gesund und glücklich“, konnte der langjährige Linksaußen strahlend vermelden, für den nun in der Tat ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Der alte war entscheidend geprägt vom Handball im Edertal. Obwohl Benedikt Hütt auch Fußballer hätte werden können, schaffte es der quirlige Stürmer der JSG Felsberg doch bis in die Hessenauswahl. Allerdings: Es blieb nicht bei einem Ball. „Wenn mein Vater mich mit zu seinem Training in Gensungen nahm, hatte ich immer eine Tasche mit drei Bällen dabei: einem Fußball, einem Handball und einem Basketball“, erinnert er sich.

Vater Markus, der ehemalige Erstliga (u.a. Wallau/Massenheim, OSC Dortmund, VfL Gummersbach)- und Zweitliga-Spieler (MT Melsungen), 1997 einer der Gensunger Aufstiegshelden, der darüber hinaus noch eine Jugendmannschaft der MT Melsungen betreute, zu der nach seinem Sohn Christopher auch dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Benedikt stieß. Irgendwann machte diesem Handball mehr Spaß nd er durchlief alle Jugendmannschaften des damaligen Zweitligisten. Als größtes Nachwuchstalent des Vereins, der 2005, als die Bartenwetzer gerade in die Bundesliga aufgestiegen waren, einen Zwei-Jahres-Vertrag erhielt.

Mit Zweitspielrecht für den Nachbarn HSG Gensungen/Felsberg. „Zum Glück“ für den damals 19-Jährigen, „denn so konnte ich Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln.“ Der letzte Straßenhandballer, wie ihn HSG-Trainer Günter Böttcher liebevoll titulierte, hatte genau bei jenem ein Stein im Brett, während er unter MT-Coach Rastislav Trtik im Schatten von internationalen Topspielern wie Goran Sprem, Karsten Wöhler oder Ivan Brouko stand. Und in zwei Spielzeiten nur zu vier Kurzeinsätzen kam. Und dabei sein erstes Tor im Oberhaus ausgerechnet gegen Papas Ex-Club VfL Gummersbach erzielte.

Ab 2007 war Benedikt Hütt „nur“ noch Gensunger, der Zug in die 1. Liga ohne ihn abgefahren. „Ich hätte mehr machen müssen“, gesteht er heute. Die notwendige professionelle Einstellung habe ihm gefehlt, „doch als Lebemensch wollte ich einfach Spaß haben und habe wenig ausgelassen.“ Also begeisterte das schlampige Genie fortan das HSG-Publikum mit seiner spektakulären Spielweise und seinen zahlreichen Wurfvarianten.

Aufstieg war wie eine Befreiung

Konnte aber zwei Abstiege nicht verhindern. War der erste 2008 noch „folgerichtig“, weil einem von den Kraftanstrengungen in der 2. Liga erschöpften Verein (und einer ebensolchen Mannschaft) geschuldet, ging der zweite aus der 3. Liga (2013) als „schmerzhafter Betriebsunfall“ durch: „Der war auf jeden Fall vermeidbar. Doch wir haben die Warnungen im Laufe der Saison überhaupt nicht wahrgenommen.“ Es dauerte Jahre, bis diese Wunden verheilten und entsprechend schwer taten sich die Gensunger in der Oberliga. Also wirkte der Wiederaufstieg 2020 wie eine „Befreiung“ auf den Linksaußen, der bei seinem „Herzensclub“ endlich was zu feiern hatte.

Zwischenzeitlich hatte Arnd Kauffeld bei Benedikt Hütt längst einen Reifeprozess ausgemacht. „Benny hat mehr Verantwortung genommen. Spiele in schwierigen Situationen entschieden, als andere sich versteckten“, lobt der ESG-Coach seinen Schützling.

Bei dem hatte es nach eigener Aussage 2016 „Klick gemacht“. Mit dem Beginn der Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann in Melsungen. „Das war mein Ding“, sagt der geborene Herdecker, der nun noch per Fernstudium die B- und A-Lizenz als Fitnesscoach anpeilt.

Seine größte Verantwortung ist indes seine kleine Familie. Den Traum, dass ihn sein Sohn noch mal als Spieler erlebt, muss er aufgeben. Aber vielleicht bringt er ihm ja mal das Handballspielen bei. Das hat bei den Hütts Tradition.

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